aktualisiert: 07.02.2012 16:19 Uhr
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GEROLZHOFEN
Die Tauben müssen ausziehen
Der Gerolzhöfer Harald Sperling hat den Bahnhof erworben und will ihn binnen eines Jahres sanieren
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Positive Nachricht fürs Stadtbild: Der Gerolzhöfer Geschäftsmann Harald Sperling hat den alten Bahnhof erworben und will das heruntergekommene Gebäude sanieren.Fotos: Norbert Vollmann -
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Einstiges Postkartenmotiv: Aus den Glanzzeiten des Gerolzhöfer Bahnhofs stammt dieser eindrucksvolle Ausschnitt aus einer alten Ansichtskarte.
Auch wenn damit die im Rahmen des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) geborene Überlegung gestorben ist, aus dem alten Bahnhof in Gerolzhofen einen Kultur-Bahnhof zu machen, so ist es doch eine äußerst positive Nachricht für das Stadtbild: Der Gerolzhöfer Harald Sperling hat das markante Gebäude erworben und will es schon binnen eines Jahres innen und außen sanieren, wie er betont.
Endlich tut sich damit etwas an dem seit Jahren mehr und mehr dem Verfall preisgegebenen alten Bahnhof. Das bedeutet zugleich, dass die Tauben, die sich vor allem in den Wohnungen unter dem Dach eingenistet haben, demnächst wieder ausziehen müssen.
Eigentlich sei es ein Schnellschuss gewesen. „Ich bin zum Limokaufen gegangen und bin mit einem Bahnhof heimgekommen“, sagt Harald Sperling leicht scherzhaft zu der relativ spontanen Entscheidung, die „Ruine“, wie er selbst sagt, vom Vorbesitzer zu erwerben. Aufgrund der kurzen Zeit, in der er das Anwesen Kolpingstraße 2 erst besitze, wisse er auch selbst noch nicht genau, wie die künftige Nutzung aussehen wird. Harald Sperling, Inhaber des gleichnamigen Gerolzhöfer Maler- und Verputzergeschäfts betont, dass es sich dabei um ein Vorhaben von ihm als Privatmann und nicht der Firma handle.
Das Dachgeschoss werde künftig sicher als normaler Wohnraum genutzt, das stehe fest. Das Erdgeschoss werde wohl einem gewerblichen Zweck zugeführt, ohne dass hier bislang bereits eine konkrete Entscheidung gefallen sei. Auch über eine Vermietung des alten Warteraums als „Aufwärmhalle“ für den Fall, dass es zu einer Wiederaufnahme des Schienenverkehrs auf der stillgelegten Strecke kommen sollte, könne noch geredet werden, so der Kaufmann.
Der neue Besitzer des alten Bahnhofs hat sich einen konkreten Zeitplan vorgegeben. Innerhalb eines Jahres will er das Gebäude innen und außen kernsanieren, das heißt, es kommt alles, von den Fenstern und Türen bis hin zu den Leitungen heraus, um einen Neubauzustand herzustellen. Zu diesem Zweck werde auch das Dach komplett erneuert.
Das im rückwärtigen Bereich bereits aufgestellte Gerüst diente in diesem Zusammenhang dazu, das in diesem Bereich stark eingebrochene Dach mittels einer Folie abzudichten, so dass das Wasser nicht mehr, wie zuvor, durchs ganze Haus läuft.
Eine gewisse Förderung darf der neue Eigentümer über die Städtebauförderung erwarten. Hierzu war das Bahnhofsgebäude noch zu Zeiten des Vorbesitzers in das Sanierungs- und Fördergebiet für das Programm „Soziale Stadt“ einbezogen worden.
Obwohl das Haus nicht unter Einzel-Denkmalschutz steht, möchte Harald Sperling auch bei der energetischen Sanierung den Charakter des alten Bahnhofs wahren, der vor allem von den markanten Eck- und Gesimssteinen geprägt wird. „Der Bahnhof ist ein Postkartenmotiv und Hingucker und das soll so bleiben.“
Ein Hingucker war es zuletzt aber eher nicht mehr. Seitdem Ende Dezember 2005 der Bezirk Unterfranken die in dem ehemaligen Bahnhof betriebene Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber wieder geschlossen hatte und die letzten hier noch untergebrachten Bewohner ausgezogen waren, verfiel das Gebäude innen und außen in den vergangenen Jahren zunehmend. Ein Großteil der Fenster war zuletzt eingeworfen und zerborsten.
Da hatte das Bahnhofsgebäude aber auch schon längst seine besten Zeiten hinter sich. Die hatten am 17. November 1893 mit der offiziellen Eröffnung des Schienenverkehrs auf der Nebenstrecke von Gerolzhofen nach Kitzingen begonnen. Zehn Jahre später, am 24. November 1903, folgte die Inbetriebnahme der Strecke nach Schweinfurt. Sie führte 1906 zur Erweiterung des Bahnhofsgebäudes durch Anbauten auf der Süd- und Nordseite.
Mit der Herrlichkeit des Bahnhofsgebäudes war es aber mit der Stilllegung der Strecken zunächst nach Kitzingen/Etwashausen zum 1. Juni 1981 und dann auch von Gerolzhofen nach Schweinfurt sechs Jahre später 1987 endgültig vorbei.
Das letzte Bahnhofs-Stündlein schlug dem Hauptgebäude Ende 1995 mit der Einstellung des hier so lange noch aufrechterhaltenen Schalterbetriebs. Hierfür waren die Räume aber schon von der Bundesbahn als einstigem Besitzer vom neuen Eigentümer, Wilhelm Lindner aus Frankenwinheim, wieder angemietet worden. Danach folgte nur noch die Nutzung als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber.
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