publiziert: 03.07.2011 16:28 Uhr
aktualisiert: 03.07.2011 22:17 Uhr
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Ehe-TÜV in St. Michael: Da blüht die Liebe

Ehe-TÜV in St. Michael: Pfarrer Breitenbach und Diakon Philipps lassen in heiterem Gottesdienst verheiratete Paare nochmals zueinander finden

  • Rosen am schönsten Tag des Lebens: Dass zum Brautstrauß auch Veilchen oder Wegwarte passen und als Symbol für den Liebesschwur taugen, machten Pfarrer Roland Breitenbach und Diakon Stefan Philipps am Sonntag beim Ehe-TÜV in St. Michael deutlich.
    Foto: Thinkstock
  • Die Schlösser sind fest, die Ehen auch: Stefan und Ayfer Fuchs, Joachim und Else Dietler, Claudia und Ralf Haack (von links) am Sonntag beim Ehe-TÜV von Pfarrer Roland Breitenbach.
    Foto: Waltraud Fuchs-Mauder
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Wissen Sie noch, welche Blumen den Brautstrauß bei Ihrer Hochzeit geziert haben? Wir geben Ihnen nun ein paar Minuten Bedenkzeit, wie sie am Sonntagmorgen Pfarrer Roland Breitenbach auch den Männern in der St.-Michael-Kirche gewährt und dabei ein auffälliges Gemurmel ausgelöst hat. Einige haben sich doch mit ihren Partnerinnen beratschlagen müssen. Sie haben sich im Sonntagsgottesdienst dem Ehe-TÜV unterzogen, wie ihn Breitenbach seit über 30 Jahre für Paare anbietet, die sich einst unter seine Regie einander versprochen haben.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Im Sinne Breitenbachs und des Diakons Stefan Philipps endet diese Selbstbefragung nicht mit dem Jawort, sondern bleibt ein immerwährender Prozess, dessen Ergebnis die beiden einmal im Jahr vor der Gläubigenschar einem kleinen Test unterziehen. Als Ersatz für eine Predigt. Blumen als Zeichen der Liebe bilden diesmal den Rahmen, weswegen ein riesiger Strauß bunter Sommerblüher fast den gesamten Altar in St. Michael verdeckt. „Bei einer Partnerschaft ist es wie mit Pflanzen: Man muss genau beachten, was sie braucht“, sagt Philipps. Es müssen ja nicht die Blüten der Kartoffelpflanze sein, wie Breitenbach erklärt: „Die waren vor 200 Jahren sehr wichtig.“

Breitenbach und Philipps bitten acht der 1800 Paare, die sie vermählt oder deren Partnerschaft sie gesegnet haben, ans Mikrofon. Einige kommen mit Kindern oder Enkeln nach vorne. Sie lesen vor, welche Pflanze für welche Symbolik in der Liebe stehen könnte. Das Veilchen, das für eine zarte Annäherung der Verliebten steht. Die Wegwarte, die den Verstand in der Liebesbeziehung anspricht. Selbstverständlich die Rose, die den Glauben der Partner an sich, an den anderen und an Gott zum Ausdruck bringt: „Vertrauen lässt sich nicht erwerben, es muss verschenkt werden.“

Breitenbach ist beim Anblick bekannter Gesichter freudig erregt: „Für mich ist heute Weihnachten.“ Spontan erzählt er eine Geschichte. Mit einem Paar ist der Pfarrer durch die Rhön gewandert. Beim Erspähen eines Felsblocks waren sich Mann und Frau einig: „Hier wird geheiert.“ So ist es dann auch geschehen.

Die Feier wirkt ein bisschen wie ein Happening, bei dem gelacht und applaudiert wird, die Stimmung ist unverkrampft und heiter. Etwa wenn Philipps beim Friedensgruß durch die Reihen schlendert, Hände schüttelt und Bekannte drückt. Dennoch bleibt es immer ein Gottesdienst. Einer, bei dem freilich der katholische Ritus im Vergleich zu anderen Kirchengemeinden deutlich zurückgefahren wird. Wer genau hinhört, vernimmt Sätze, die nicht jeden Sonntag in einer Kirche zu hören sind.

Bei der Nachtkerze etwa, deren von den Seelsorgern vorgefertigten Text ein Paar vorliest: Die Blume steht für die „erotische Liebe als wichtiges Geschenk Gottes“, um den Alltag zu bestehen. Leider habe die Kirche dies „bis heute nicht begriffen“. Bei der Wandlung wird weniger den Kirchenoberen gedacht als vielmehr den Ausgegrenzten und Vergewaltigten sowie allen Menschen mit ihren Stärken und Schwächen.

Mit den 16 Eheleuten teilen Pfarrer und Diakon am Altar Brot und Wein. Ein gereiftes Paar hält Händchen und lächelt sich zart an. „Wir legen hier nur den Samen, was ihr daraus macht, liegt an euch“, bleibt Philipps im Bild der Pflanzenwelt. Er greift zur Gitarre und besingt in bester Liedermachermanier jeden Tag und jede Stunde, die zählt. Manches Paar in den Sitzreihen schmiegt sich eng aneinander, einige von ihnen werden danach ihr Namensschloss an der Kirchenmauer im Innenhof anbringen. Wie an der Milvischen Brücke in Rom, wo frisch Verliebte mit dem Schwur „Für immer!“ den Schlüssel in den Tiber werfen.

Von draußen weht erster Bratwurstduft durch die offene Kirchentür und kündet vom Ende des Gottesdiensts und dem bevorstehenden Beginn des Pfarrfestes. „Gott sei mit uns, wenn wir uns umarmen oder wenn wir getrennte Wege gehen“, heißt es im Schlussgebet.

Und? Welche Blumen waren es nun im Brautstrauß? Ein Tipp: Meistens gibt das Hochzeitsfoto, das in irgendeiner Schublade schlummert, wertvolle Hinweise. Am besten ziehen Sie heute noch los und besorgen die gleichen Blumen für die wichtigste Frau an Ihrer Seite. Einfach so.

Von unserem Redaktionsmitglied Josef Schäfer
    
    

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