aktualisiert: 18.10.2011 17:38 Uhr
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SCHWEBHEIM
Eigeninitiative am anderen Ende der Welt
Die Journalistin Bettina Schneider beeindruckt mit einem Schulprojekt in Paraguay
Mit elf Jahren war Jonathans Mutter das erste Mal schwanger, mit 21 bekam sie bereits ihr fünftes Kind. Ihre Kinder wachsen in einem etwas abseits gelegenen Tal in Paraguay auf. Wenn sie zur Schule wollen, dann müssen sie einen zweieinhalb Kilometer langen Sandweg bewältigen – im Sommer bei extremer Hitze, im Winter bei Regen und Kälte.
Im selben Ort wie Jonathan lebt Bettina Schneider. Sie hat dort ein kleines Haus und arbeitet als Journalistin in Paraguay und Deutschland. Die Not der Kinder hat sie nicht kalt gelassen. Denn der Schulweg war für die Kleinsten kaum zu bewältigen, und so blieben viele eben zu Hause. Gemeinsam mit der Botschaft in Asuncion begann Schneider auf einem von Spendengeldern finanzierten Grundstück einen Kindergarten zu bauen. 2009 folgte eine Aula für die erste und zweite Klasse. Eine Lehrerin unterrichtete ein Jahr lang ehrenamtlich die Kinder. Am Abend kamen die Erwachsenen in die Abendschule.
Aber das genügte Bettina Schneider nicht. Bis zur sechsten Klasse sollen Kinder nun die Möglichkeit haben, an der „Nueva Estrella“ (neuer Stern) unterrichtet zu werden. Eine wichtige Hürde hat sie bereits genommen: Der Staat Paraguay hat die Schule anerkannt. Er übernimmt das Gehalt der mittlerweile drei Lehrerinnen und zahlt Milch, manchmal Kekse und ein wenig Schulmaterial.
Die Lateinamerikahilfe Schweinfurt „Nascido para Viver“ beeindruckte das Projekt der Journalistin. Sie unterstützte es unter anderem mit einem Benefizessen. Vorsitzender Heinz Wild erklärte den Gästen, was ihn besonders überzeugt hat. So habe sich Bettina Schneider auch privat engagiert. Sie habe Jonathan, seinen Bruder Alexis und ein weiteres Kind in Pflege genommen. Von Anfang an habe sie darauf geachtet, dass die „Nueva Estrella“ ein Projekt der einheimischen Bevölkerung ist. Es seien Arbeitsplätze für Lehrerinnen geschaffen worden. Die Väter der Schulkinder – Schreiner, Mechaniker, Klempner, Elektriker – hätten mit angepackt beim Bau. Und Schneider berichtete: „Unsere Gemeinde nimmt die Schule ausgesprochen positiv an, viele Initiativen und Mütter haben uns unterstützt. Und all das scheint den Menschen Mut zu machen. Es zeigt und beweist, dass man durchaus mit Eigeninitiative etwas erreichen kann.“
Eigeninitiative zeigte am anderen Ende der Welt auch die Lateinamerikahilfe. Sie lud ins Bürgerhaus zu besagtem Benefizessen ein. Chefkoch Heinz-Joachim Sörries und sein Team opferten den freien Sonntag, um die Gäste mit einem Drei-Gänge-Menü zu verwöhnen. Der Wein vom Weingut Fuchs wurde zur Hälfte kostenfrei geliefert. Und Hans Driesel und Elke Neugebauer spendierten das Rahmenprogramm („Schieß mir den Apfel von der Birne“), angereichert mit einem Reigen von unterschiedlichsten Liedern.
Fast 80 Gäste kamen, die stolze Spendenbilanz des Abends belief sich auf 3000 Euro. Dazu kam noch eine Privatspende von 10 000 Euro. Jetzt steht wohl einem Ausbau der Schule für Kinder bis zur sechsten Klasse nichts mehr im Wege.
Seit 15 Jahren lebt Bettina Schneider in Paraguay. Das Projekt betreut sie selbst – „außer, mir kauft jemand Materialien oder stellt Arbeiter ein“. Ihrem Ziel, Arbeit für die Anwohner und Ausbildungsmöglichkeiten auch für größere Kinder, ist sie mit diesen Spenden wieder einen Schritt näher gekommen. Und die Journalistin hat noch eine Vision: Wenn die Schule erst einmal fertig ist, dann soll in Aquina Canada, ihrer kleinen Gemeinde, noch ein Kinderdorf nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer entstehen. Die Unterstützung der Lateinamerikahilfe Schweinfurt ist ihr dabei sicher.
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