aktualisiert: 01.06.2009 13:27 Uhr
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SCHWEINFURT
Ein Bummel über das erste Volksfest
Serie 100 Jahre Schweinfurter Volksfest (1)– 1909: Eine Idee wird geboren
Das Volksfest feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Am 9. Juni 1909 fand der erste große Rummel auf dem damaligen Bleichrasen statt. Das Fest erlebte eine wechselvolle Geschichte mit teils außergewöhnlichen Geschichten und wurde in den folgenden Jahrzehnten nur durch die Kriegsjahre unterbrochen. In einer mehrteiligen Serie blickt diese Zeitung auf markante Ereignisse zurück.
Wir schreiben das Jahr 1909. Aus der verträumten, mauerumgürteten Reichsstadt ist im Laufe des 19. Jahrhunderts eine aufstrebende Industriestadt geworden. Am 6. Februar hat ein ungewöhnlich starkes Hochwasser für Aufregung gesorgt und am 15. Februar ist die beliebte Bahnlinie nach Volkach eröffnet worden. Am 31. Mai reißt Graf Zeppelin persönlich mit seinem Luftschiff die Schweinfurter aus dem Morgenschlummer des Pfingstfeiertages. Der Historische Verein und der Konzertverein ist in diesem Jahr gegründet, Schweinfurt sollte schöner und attraktiver werden.
Am 7. April 1909 findet im Brauhaus die Generalversammlung des Vereins zur Hebung und Förderung des Fremdenverkehrs statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Vom 9. bis zum 17. Juni soll das erste Volksfest auf dem Bleichrasen stattfinden. Ein Fest-Komitee hat bereits erste Planungen erarbeitet: Weltberühmte Attraktionen und ein großes Bierzelt sollen für Vergnügen und das leibliche Wohl der Besucher aus nah und fern sorgen.
Die Stadt putzt sich heraus, bunte Reklame wird entworfen und viele Fremde sollen nach Schweinfurt streben, die nebenbei auch den Umsatz der Geschäftswelt heben sollen. An alles ist gedacht.
Das erste Schweinfurter Volksfest kann beginnen: Kaum haben wir die riesigen Tore durchschritten, stoßen wir auf ein nostalgisches Bodenkarussell mit liebevoll bearbeiteten Karussellpferdchen. Dahinter erheben sich eine Schieß- und eine Glücksbude. Und ganz im Hintergrund befindet sich das „Hippodrom“. Rechts entdecken wir Schiffsschaukeln neben einer Berg- und Talbahn, davor wieder Schaubuden mit Panorama und Kinematograph. Davor preist ein Rekommandeur das „größte Schwein der Welt“ an: „Kommen sie, schauen sie! Lebend!“. Gleich daneben sind „Laura, das Riesenmädchen“ und der tätowierte „Murphy - der stärkste Mann der Welt“ zu bestaunen.
In Bauchgeschäften werden Würstchen und Eis sowie bunte Luftballons angeboten. Ein köstlicher Duft nach gebrannten Mandeln und Brauselimonade erfüllt intensiv die Luft; man kann sie fast schmecken! Wer dagegen den Nervenkitzel sucht, findet gleich hinter dem Orientalischen Irrgarten den zehn Meter hohen Toboggan.
Beliebt sind auch das große Varieté-Theater, turnerische Aufführungen und ein famoses Kasperletheater. Ein Trachtenverein führt Schuhplattler- und Reigentänze vor. Die schönsten Volkstrachten werden anschließend prämiert. Jetzt aber ist es endlich an der Zeit, sich im 5000 Besucher fassenden Riesenzelt des Baron Muckl mit einer Maß Volksfestbier zu stärken.
Teil 2 der Serie: Prinz Kolibri und die schönste Löwenfrau - Besuch in der Kuriositäten-Schaubude.
Viele historische Fotos vom Volksfest finden Sie im Internet unter http://schweinfurt.mainpost.de
Larissa Howora ist Autorin des Begleitbuches der Ausstellung „100 Jahre Schweinfurter Volksfest 1909 - 2009“. Sie hat es gemeinsam mit den Museen und Galerien der Stadt sowie basierend auf einer Materialsammlung von Dieter Adlfinger und Sammlern im Rahmen der Schweinfurter Museumsschriften veröffentlicht. Die Ausstellung ist bis 21. Juni in der Glashalle des Konferenzzentrums auf der Maininsel zu sehen.
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