aktualisiert: 29.08.2012 12:02 Uhr
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GOCHSHEIM
Ein See, der aus dem Nichts entsteht
An Gochsheims westlicher Gemarkungsgrenze wird ökologische Flurbereinigung mit einem Biotop abgeschlossen
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Spatenstich für einen Landschaftssee: An der Gemarkungsgrenze zu Schwebheim entsteht ein zwei Hektar großes Wasserbiotop. Über den Beginn der Baumaßnahme freuen sich (von links) Jürgen Kiefer (Untere Naturschutzbehörde), Ernst Bolig (Bund Naturschutz), Norbert Fleischmann (Verband für Ländliche Entwicklung), Johann Hofmann (Bayerischer Bauernverband), Matthias Reichart (Verband für Ländliche Entwicklung), Andreas Kaiser (Vorsitzender Teilnehmergemeinschaft Gochsheim 2), Manfred Ludwig (Bauhof Gochsheim), Bürgermeister Wolfgang Widmaier, Alt-Bürgermeister Walter Korn und Michael Koch vom ausführenden Bauunternehmen.Foto: Holger Laschka -
Der See aus dem Nichts: Bis zu drei Meter tief, mit Aussichtshügel links und einer Flachwasserzone rechts, umwachsen von einem Röhrichtgürtel. Vorhandene Wege sind blau eingezeichnet, ein neuer (rot markiert) entsteht im Osten. Etwa 100 Meter rechts des Sees befindet sich die Start- und Landebahn des Flugplatzes Schwebheim.Skizze: Amt für Ländliche Entwicklung -
Der See aus dem Nichts: Bis zu drei Meter tief, mit Aussichtshügel links und einer Flachwasserzone rechts, umwachsen von einem Röhrichtgürtel. Vorhandene Wege sind blau eingezeichnet, ein neuer (rot markiert) entsteht im Osten. Etwa 100 Meter rechts des Sees befindet sich die Start- und Landebahn des Flugplatzes Schwebheim.Skizze: Amt für Ländliche Entwicklung
Die Männer stehen an diesem Montagmorgen vor einer weiten Wiese. Karstland von der Größe dreier Fußballfelder, das an der einen Seite gegen den Schwebheimer Wald stößt, an der anderen auf die Äcker der Gochsheimer Bauern. Drumherum ein Grabensystem. Es fällt schwer, sich hier etwas anders vorzustellen, als die vorhandene Steppe. Und doch wird es gar nicht lange dauern, bis ein Landschaftssee das Auge des Betrachters erfreut, eingefasst von Röhricht und Feuchtgrünland, ein Paradies für Schmetterlinge, Libellen, Wasservögel und Amphibien.
Denn die Männer haben jetzt Spaten und Schaufeln in der Hand. Symbolisch freilich nur. 22 000 Kubikmeter Erdreich schaufelt man nicht so einfach aus – schon gar nicht, wenn die Arbeiten vor Beginn der nassen Jahreszeit abgeschlossen sein sollen. Deshalb stehen sie auch vor einem großen Bagger, der noch an diesem Tag mit dem Aushub beginnt. Bis zu vier Meter tief wird gegraben auf dem Flurstück Holzpointen; 40 Zentimeter tief reicht der Mutterboden, darunter findet sich Mainsand und irgendwann nach einem Meter auch Grundwasser.
Das hier erbeutete Bodenmaterial tritt eine nicht allzu weite Reise an. Im Kipper, um die Start- und Landebahn des Schwebheimer Flugplatzes herum, über 1,5 Kilometer zu einem oft feucht liegenden Acker an der Kreisstraße SW3. Der wird um knapp anderthalb Meter angehoben, erhält dadurch eine bessere Qualität und dürfte somit mehr Ertrag abwerfen.
„Die eine Hand wäscht die andere“, nennt das Gochsheims Bürgermeister Wolfgang Widmaier, weil einerseits die Bauern Flächen für das neu zu schaffende Biotop abgeben mussten (und dies fast ausnahmslos auch freiwillig taten), andererseits die Landwirtschaft aber auch profitiert – durch bessere Äcker und eine Stabilisierung des Grundwasserspiegels.
„Die Erfolge werden wir wohl erst in zehn oder fünfzehn Jahren sehen“Bürgermeister Wolfgang Widmaier zum neuen See
Widmaier ist einer der Männer mit Spaten; sein Vorgänger Walter Korn ist da – unter seiner Amtsführung wurde die ökologische Flurbereinigung rund um Gochsheim begonnen, jetzt strebt sie dem Ende entgegen. Vertreter des Verbands für Ländliche Entwicklung sind da, der Unteren Naturschutzbehörde, des Bauernverbands und auch Ernst Bolig, der Mann vom Bund Naturschutz. Landwirte und Landschaftsschützer ziehen hier am selben Strang – eine Gochsheimer Besonderheit, gut für die Natur.
Die Idee des Sees ist schon über ein Jahrzehnt alt. Er sollte ursprünglich am Beginn der Flurbereinigung stehen. Jetzt schließt er sie ab – als teuerste Maßnahme, zu 80 Prozent bezahlt aus EU-Mitteln, ausgereicht durch das Amt für Ländliche Entwicklung. Den Rest trägt die Gemeinde Gochsheim; Gesamtkosten: 165 000 Euro.
Hinzu kommen Gelder für die Begrünung und eine „Besucherlenkung“. Am Ostufer des Sees entsteht nämlich ein mit einem Fußweg erschlossener Aussichtshügel, von dem aus sich wunderbar die sich hier entwickelnde Flora und Fauna beobachten lässt. Das Seeufer selbst ist ansonsten geschützt, der Mensch soll sich ihm so wenig wie möglich nähern. „Den Erfolg der Maßnahme werden wir wohl erst in zehn oder fünfzehn Jahren sehen“, ist sich Wolfgang Widmaier bewusst. Es wird dauern, bis beispielsweise Flugenten den Fischlaich anderer Seen eintragen, Kröten den Uferbereich in Besitz nehmen, Röhricht, Buschwerk und einzelne Bäume dem Areal ein Gesicht geben. Wasser führen soll der See aber bereits vor dem Winter.
Denn dann müssen die Bodenarbeiten abgeschlossen sein: „Wenn's schlammig ist, geht nichts mehr“, sagt Projektleiter Andreas Kaiser (Amt für Ländliche Entwicklung).
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