publiziert: 30.06.2010 16:38 Uhr
aktualisiert: 30.06.2010 16:47 Uhr
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Eltern wollen ihre Schulkinder nicht in die Stadt schicken

Initiative wehrt sich gegen Entscheidung des Schulamtes – Lieber nach Dittelbrunn als in die Friedenschule
  • Foto: Ursula Lux
    Wohin mit den Kindern? Die Hauptschule Schweinfurter Rhön gibt es nicht mehr lange. Ob die Schüler nach Schweinfurt oder Dittelbrunn gehen, darüber streiten sich Schulamt, Gemeinde und Eltern.
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(ul) Die Entscheidung des Schulamts, die Kinder der Verbandsschule im kommenden Jahr nach Schweinfurt zu schicken (wir berichteten), bewegt die Gemüter. Eine „Initiative betroffener Eltern“ will versuchen, das Ruder noch einmal herumzureißen.

Die Eltern wehren sich vehement dagegen, dass ihre Kinder die Friedenschule in Schweinfurt besuchen sollen. „Wir haben uns diese Schule angeschaut, einladend hat‘s da nicht ausgeschaut“, sagt Michael Schneider und seine Frau Renate ergänzt: „Wir hatten auch das Gefühl, dort gar nicht willkommen zu sein.“

Renate Schneider wollte noch einmal mit Bürgermeisterin Birgit Göb-hardt sprechen und hatte mir ihr einen Termin vereinbart. Dazu lud sie auch andere Eltern und die Presse ein. Der Pressevertreter aber wurde dann von ihr wieder abbestellt, weil die Bürgermeisterin „keine Presse dabei haben wolle“.

Das, so Göbhardt, habe sie so nicht gesagt, sie habe die Mutter nur darauf hingewiesen, dass sie die Presse ruhig wieder abbestellen könne, denn sie allein habe einen Termin mit ihr vereinbart. In der Gemeinderatssitzung berichtete die Bürgermeisterin von dem Gespräch, zu dem dann zehn Eltern erschienen seien. Das gehe so nicht, meinte Göbhardt, schließlich sei man eine Behörde und es könnten nicht einfach zehn Leute kommen, wenn nur einer angemeldet sei. Den Wunsch der Eltern nach einer weiteren Versammlung zum Thema lehnte sie rigoros ab. „Nicht weil ich nicht will – es bringt einfach nichts“, meinte die Rathauschefin, es sei alles gesagt.

Dies stieß bei ihren Gemeinderäten auf Zustimmung. Thomas Pfister war der Ansicht, die schriftliche Befragung der Eltern habe den Unmut ausgelöst. Erst seien sie befragt, dann aber doch anders entschieden worden. Darauf meinte Ingo Göllner, das liege nicht in der Verantwortung des Rates, „wir haben die Abfrage ja nicht gemacht“. Außerdem sei die Befragung durch den Elternbeirat nur einer von vielen Entscheidungspunkten gewesen. Harald Häusinger vermutet gar, dass bewusst „lauter so hirnrissiges Zeug“ gestreut werde. So habe er kürzlich erst gehört, die Kinder würden auf drei Schweinfurter Schulen aufgeteilt.

Renate Schneider dagegen vermutet mangelnde Neutralität bei den Gemeinderäten, da zwei Räte ihre Kinder bereits im M-Zweig der Friedenschule hätten und Ingo Göllner dort früher als Sozialarbeiter gearbeitet habe. Karin Joß war beim ersten Elternabend auch „eher für Schweinfurt“, wollte sich aber vor Ort ein Bild machen und ist nach dem Besuch der Schule umgeschwenkt. Was sie wundert, ist, dass es in Üchtelhausen fünf oder sechs Schüler gebe, die aus der Friedenschule weg seien, leider hätten die über die Gründe dafür nichts gesagt.

Jetzt überlegen sich die Eltern, Gastschulanträge zu stellen, damit ihre Kinder nach Dittelbrunn in die Schule könnten. Dann aber, so die Bürgermeisterin, müssten sie selbst für die Transportkosten aufkommen. Schulamtsdirektor Jürgen Eusemann vom Schulamt erläuterte dieses Verfahren so: Ein Gastschulantrag sei nur aus „zwingenden persönlichen Gründen“ möglich. Er muss an der jeweiligen Stammschule gestellt werden, dann entscheidet die Gemeinde im Einvernehmen mit den aufnehmenden Schulen, ob sie dem zustimmt. Die Gemeinden könnten aber nicht verpflichtet werden, die so entstehenden Kosten für die Beförderung der Kinder zu übernehmen.

Michael Schneider setzte mit seiner Kritik wieder ganz anders an. Er frage sich, ob dieser Beschluss des Gemeinderates, die Kinder nach Schweinfurt zu schicken, überhaupt gültig sei, denn er sei in nichtöffentlicher Sitzung gefallen. Die Aufteilung des Schulsprengels sei kein Thema für den nichtöffentlichen Teil einer Gemeinderatsitzung, sondern müsse öffentlich diskutiert werden.

Obwohl die Bürgermeisterin klar signalisiert hat, dass dieses Thema für sie abgeschlossen ist, wagt die Initiative betroffener Eltern noch einen Versuch. Sie wollte Gemeinderäte, Vertreter des Schulamtes und vor allem die betroffenen Eltern am 7. Juli in die Verbandsschule Schweinfurter Rhön einladen. Das geht nun aber nicht, weil Schulleiterin Karin Speidel die ursprüngliche Zusage am Mittwoch zurückgezogen und ein Treffen in der Schule untersagt hat. Ein neuer Ort steht noch nicht fest.

    
    

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