aktualisiert: 29.12.2010 16:36 Uhr
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SCHWEINFURT
Erfolgreich mit „Brot & Spiele“
Eine Brettspielkneipe in Schweinfurt: Nach einem Jahr zieht Betreiber Steffen Heppt Bilanz
Ein schnelles Spiel, ein kühles Bier, ein paar belegte Brote – so stellt sich Steffen Heppt einen gemütlichen Abend vor. In seiner Brettspielekneipe „Brot & Spiele“ in der Sattlerstraße soll sich jeder fühlen, „als wäre er bei sich im Wohnzimmer“, sagt er. Warmes Licht, ein Lümmelsofa und ein alter Schrank, der vor Spielen nur so überquillt, sollen für die richtige Atmosphäre sorgen.
Einige Jahre hat Steffen Heppt in einem Café gekellnert, in dem höchstens mal jemand Backgammon oder Schach gespielt hat – dabei gibt es so viele spaßige Gesellschaftsspiele: Risiko, Tabu, Cluedo – in seiner eigenen Kneipe will der 34-Jährige Gastronomie mit Spielen verbinden. Bevor er um 19 Uhr die Tür öffnet, baut er immer schon ein paar Spiele auf – zur Anregung.
„Die meisten Gäste sind bereit, auch mal was Neues zu lernen“, sagt der Spielemaster, „so langsam bildet sich eine richtige kleine Community“. Am Sonntag organisiert Steffen immer mal wieder ein Spieleturnier. Die Entscheidung, sich den Traum von einer Spielekneipe zu erfüllen, fällte er bei den Spieltagen 2005 in Schweinfurt – er wurde Meister in „Die Siedler von Catan“.
Wenn es die Zeit zulässt, setzt sich Steffen zu den Gästen an den Tisch und zockt eine Partie mit. „Am liebsten hab' ich kurze Gebrauchsspiele, bei denen man Strategie braucht, aber auch ein Quäntchen Glück.“ Wenn das Glück mal nicht auf seiner Seite ist, ärgert er sich, und dann ärgert er sich gern. Ein Choleriker sei er aber, stellt der Kneipenbesitzer klar, er habe nur einen sportlichen Ehrgeiz.
Das Brot & Spiele schmeißt Steffen größtenteils allein. Tagsüber leistet er Jugendarbeit bei der CAJ, gibt Sprachkurse und Englischnachhilfe. Gelernt hat er den Beruf des Fremdsprachenkorrespondenten, später studierte er Spanisch und Französisch. Seine Leidenschaft für Sprachen will der Schweinfurter ins Spiel bringen, indem er Sprachabende mit Muttersprachlern und Snacks aus dem jeweiligen Land veranstaltet.
„Auf Achse“ ist Steffen nicht nur auf dem Spielbrett gern: Er war schon als Spieletester in Frankreich und ist als „mobiler Posterverkäufer“ durch England getourt. „Das Konzept der Spiele-Cafés greift um sich“, hat er auf Reisen festgestellt. Mit diesem Konzept dauerhaft Fuß zu fassen, sei aber schwierig, selbst in Berlin.
Nach einem knappen Jahr Betrieb fällt die Bilanz des frischgebackenen Wirts nicht nur positiv aus: Schüler und Studenten sind das das Hauptpublikum im „Brot & Spiele“. „Die konsumieren aber natürlich nicht sehr viel“, sagt Heppt. Laufkundschaft gibt es in der Sattlerstraße nicht viel – dazu ist sie zu sehr am Rande des Stadtzentrums.
So schnell lässt sich Heppt den Spaß an der eigenen Kneipe aber nicht verderben. Er probiert immer wieder Neues aus. Zuletzt ganz erfolgreich waren die Wohnzimmerkonzerte mit Matze Rossi und Mihaly's Theorie. Auch Mottopartys und vor allem die Vermietung seiner Kneipe für Privatfeiern „machen den Monat“, sagt er. Um über die Runden zu kommen, weicht Heppt also immer öfter vom ganz kleinen, gemütlichen Rahmen ab.
Das gemütliche Tatortabendbrot am Sonntag scheint doch eher etwas für seine guten Freunde und die Stammgäste zu sein.
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