publiziert: 04.12.2011 11:23 Uhr
aktualisiert: 04.12.2011 17:34 Uhr
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Etwas von sich heraus zum Ausdruck bringen

Emil Schreiber zeigt Zeichnungen im „SalonG“ des Kunstvereins
  • usstellung im „SalonG“ der Kunsthalle. Emil Schreiber zeigt Zeichnungen aus 35 Jahren.
    Foto: Fuchs-–Mauder
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Emil Schreiber gehört nicht zu den Künstlern, die über ihre Arbeit nur zögerlich sprechen, den Betrachter in ihrer Erschließung gerne allein lassen. Schreiber antwortet rastlos, erweist sich als ein profunder Kenner von Literatur- und Musikgeschichte, verortet dort die Wurzeln seines Schaffens, das nur ein Ziel zu haben scheint, die Vollkommenheit vor dem eigenen Auge. Und darum gibt er seinen Bildern auch keinen Titel, nennt sie schlicht „Zeichnungen“. Sollte Figürliches oder ein Raum zu erkennen sein, wäre es lediglich ein Zufall.

30 dieser Zeichnungen, entstanden seit Mitte der 70er Jahre, zeigt er bis zum 8. Januar im „SalonG“ des Kunstvereins in der Kunsthalle. „Ich weiß nicht, wie etwas anfängt“, beschreibt er seinen Arbeitsprozess. Irgendwie beginnt es jedoch und dann gilt es „dem Anfang auch ein gutes Ende zu finden“, zitiert er Kleist. Dass dies nicht immer gelingt, stört den in Berlin lebenden Künstler nicht. Nie würde etwas sein Atelier verlassen, das nicht seinem Empfinden von Perfektionismus entspricht. Von sich verlangt er die Aufmerksamkeit, um zu erkennen, „ob etwas aus mir heraus zum Ausdruck kommen möchte“.

Und so unterscheiden sich seine Zeichnungen aus der Zeit in München, wo der 1945 in Bochum Geborene, bis 1999 lebte, deutlich von denen, die in Berlin entstanden sind. Die Ausstellung ist chronisch gehängt und so kann der Betrachter in einem Kreisgang durch den „SalonG“ diese Entwicklung gut nachvollziehen.

München steht für einen sehr zarten Ausdruck, die Striche scheinen gehaucht, schwebend, in einem Zug gesetzt. Berlin fordert den härteren Zugriff. Die Menschen sind direkter, die Stadt ist hektischer. Schreibers Linien stehen enger, der Druck auf sein Zeichengerät wird stärker. Er greift jetzt auch zu Messer und Sandpapier, verletzt den Malgrund.

Schreiber zeichnet im Stehen, auf das plan liegende Blatt, frei aus der Hand. Begonnen hat er mit einer Schilffeder aus dem Walchensee. Später hat er sie gedreht, das stumpfe Ende benutzt, dann arbeitete er mit Tuschhölzern, Knüppeln, gepresster Holzkohle, Kreiden, jetzt auch mit dem Stift. Einige Zeit hat er die Farbe direkt aus der Tube aufs Blatt gebracht. Schreiber zitiert Novalis, spricht von „ausgespielten Worten“, davon, dass er sich immer wieder neu versuchen möchte. Versuche mit Rötel hat er aufgegeben, weil Farbe seiner formalen Strenge nicht gerecht würde. Farbig ist allenfalls das Papier.

Inzwischen spielt Schreiber verstärkt mit den Formaten. Er zeichnet und lässt dann die Komposition über das Format einscheiden, in einem Arbeitsprozess, in dem es oft nur um wenige Millimeter geht. Da ist er zu keinerlei Kompromissen bereit.

Das ist einer seiner besonderen Züge. Hart habe man mit dem Künstler gerungen, der mit dem für den Kunstverein üblichen Format des Katalogs nicht einverstanden war, ein Porträtfoto nicht liefern wollte und sich der üblichen Werbung auch verschloss, berichtet der Vorsitzende des Kunstvereins, Joachim Haas.

Immerhin, der puristische Katalog kann sich vielleicht auch gerade wegen seiner Schlichtheit sehen lassen. Die Ausstellung auch, den Kunstfreunden, die sich bei der Vernissage (Einführung Erich Schneider) rar machten, sei sie ans Herz gelegt.

Emil Schreiber: Zeichnungen 1976-2010 ist geöffnet Di-So 10-17 Uhr, Do 10-21 Uhr.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Heinz Körblein
    
    

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