publiziert: 26.09.2011 17:22 Uhr
aktualisiert: 26.09.2011 17:27 Uhr
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Frauen, Einsamkeit und Trucks

Wild, bluesig, ehrlich: Markus Rill besingt in der Disharmonie Zombies und andere schräge Charaktere
  • Auch Amerika hat eine Seele: Markus Rill und Bassist Chris ließen sie in der Disharmonie hören.
    Foto: Uwe Eichler
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Das muss der Schweinfurter akzeptieren: Elvis ist auf der Welt doch etwas bekannter als Willy Sachs, meint Markus Rill. Der Songwriter huldigt in der Disharmonie dem King of Rock'n'Roll und dessen schwarzer Stimme – auch in Elvis' späten, den körperlich „fetten“ Jahren: mit „The Kid from Tupelo“.

Ja, der Würzburger hat lange in den USA gelebt und mit den ganz Großen des Americana-Genres gearbeitet. Zusammen mit Bassist Chris zaubert der gebürtige Frankfurter, aufgewachsen in Goldbach bei Aschaffenburg, Nashville-Atmosphäre an den Main, mit energiegeladenen, rauen und doch gefühlvollen Folk-, Soul-, Rock'n'Roll-&- Country-Klängen.

Bob Dylan und der 1997 beerdigte Townes van Zandt sind Vorbilder des Mannes um die 40, der in Austin/Texas, studiert hat. Bei Country ging es, sagt er, immer um Frauen, Einsamkeit und Pferde: „Heute geht es um Frauen, Einsamkeit und Trucks“. „Wild Blue & True“ nennt sich das aktuelle Album des einstigen Wrestlers mit der markant abgewetzten Stimme und fesch hochgegelten Frisur. Immer ein bisschen bluesig, fast schon melancholisch sind seine Balladen.

Da gedenkt er eines Jungen aus seinem Heimatort, der Selbstmord begangen hat: „The boy, who never was my friend“, „der Junge, der nie mein Freund war“. Oder widmet Natascha Kampusch einen Song, die acht Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten wurde, aber auch dem kaputten Seelenleben ihres Peinigers Wolfgang Priklopil.

Rill ist beileibe nicht nur eine Frohnatur, es geht in seinen Liedern oft um die die dunkle Seite des Daseins, um gebrochene Charaktere, deren Leben und frühes Sterben (schon bei Townes van Zandts frühem Liedgut ahnt man: der Gute wird nicht gar so alt). Eine seiner Anti-Held(inn)en: Bonnie Parker, die Räuberbraut von Clyde Barrow, besser bekannt als „Bonnie & Clyde“. Deren Blutspur endete in den 1930ern im Kugelhagel der Cops: „Me & Bonnie Parker“ erzählt die Geschichte aus der Perspektive ihrer Sandkastenliebe Roy Thornton. Zwei Rill-Songs haben es sogar in einen amerikanischen Film geschafft, „Hobo Dream“ und „Hope, I'll get to heaven“. Darin, in dem Streifen „The Last Stand“ geht es auch um ziemlich zerrissene, auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit bedachte Charaktere: nämlich Zombies. Markus Rills Songs sind geradlinig und weitschweifig wie die Route 66, bieten zwar wenig melodische Überraschungen, dafür aber Atmosphäre, nicht zuletzt dank einer markanten Stimme wie geradewegs von der Jukebox-Schelllackplatte: bodenständiges, international anerkanntes und preisgekröntes Musikerhandwerk, das man heute nicht mehr allzu oft findet.

Von unserem Mitarbeiter Uwe Eichler
    
    

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