publiziert: 06.02.2011 15:30 Uhr
aktualisiert: 06.02.2011 15:40 Uhr
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Für einen Abschied in Würde

Bemerkenswerte Initiative

Reinhilde Frey und Barbara Stanzel stricken Kleidung für Schmetterlingskinder

  • Stricken für Schmetterlingskinder: Reinhilde Frey (rechts) hat den Anfang gemacht, Barbara Stanzel (Mitte) ist dem guten Beispiel gefolgt und Petra Borst-Schlund (links) von der Strickstube tut das Ihre durch Abgabe verbilligter Wolle dazu. Im Vordergrund einige Beispiele aus Reinhilde Freys Arbeit.
    Foto: Norbert Finster
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Für eine werdende Mutter ist es ein schlimmer Schlag, wenn ihr Baby noch vor der Geburt im Mutterleib oder kurz nach der Entbindung stirbt. Tausende von Frauen trifft dieses Schicksal in Deutschland jährlich, einige solcher Fälle gibt es auch in der Region Gerolzhofen. In der akuten Schocksituation bei einem solchen frühen Kindstod haben Eltern oft nicht einmal eine passende Bekleidung parat, in der das Kind würdig bestattet werden kann. Auch die Kliniken können das nicht leisten. Und so werden Hunderte von Babys jedes Jahr nackt oder nur in Windeln gehüllt begraben, manchmal sogar bei Sammelbeerdigungen.

In den Augen der Gerolzhöferinnen Reinhilde Frey und Barbara Stanzel ist das ein untragbarer und unwürdiger Zustand. Für sie steht fest, dass bei Tot- oder Fehlgeburten kleine Menschen sterben, für die ein Abschied in Würde selbstverständlich sein sollte. Bei ihrer Suche nach Möglichkeiten, wie man hier helfen könnte, stießen sie auf die Klinikaktion für Schmetterlingskinder. So werden Kinder genannt, die nach dem dritten Schwangerschaftsmonat im Mutterleib oder während der Geburt sterben.

Für diese Aktion stricken die beiden Frauen nun eifrig kleine Kleidungsstücke, die es wegen ihrer geringen Größe nirgendwo zu kaufen gibt. Reinhilde Frey machte den Anfang. Sie selbst war nie betroffen von einer Tot- oder Fehlgeburt. „Ich wollte einfach irgendetwas Gutes tun“, sagt sie zur Begründung ihres Tuns.

Barbara Stanzel ist über Reinhilde Frey zum Stricken für den guten Zweck gekommen. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie eine Schwangerschaft eine Frau verändert und kann sich vorstellen, dass eine Tot- oder Fehlgeburt ganz schlimme Auswirkungen haben kann. Wenn dann noch eine unwürdige Beerdigung dazukommt, kann das noch Jahre später in einer Mutter hochkommen, meint Stanzel.

Von Manuela Cronau, der Inhaberin des Fachgeschäfts „Strickstube“ in der Spitalstraße in Gerolzhofen, bekommen die beiden Helferinnen für ihren Einsatz Wolle zum ermäßigten Preis und auch Strickvorlagen. Wenn sich genügend Bekleidung angesammelt hat, schicken Reinhilde Frey und Barbara Stanzel ihre Sachen ins hessische Bürstadt. Von dort leitet Koordinatorin Daniela Deuser die Stricksachen an Kliniken weiter, die Bedarf anmelden.

„Leider beteiligen sich viele Krankenhäuser nicht an dieser Aktion“, beklagt Reinhilde Frey den gegenwärtigen Zustand. Das nächste, das sie kennt, ist eine Klinik in Nürnberg. Sie wünscht sich, dass sich auch Krankenhäuser aus der hiesigen Region mit einer gynäkologischen Abteilung dieses Themas annehmen.

Seit eineinhalb Jahren strickt nun schon Reinhilde Frey für die gute Sache. Sie schätzt, dass sie in dieser Zeit schon 150 Teile geschafft hat. Für kleinere Kleidungsstücke braucht sie vielleicht drei Stunden, für größere bis zu zehn. Das Repertoire geht von kleinen Einschlagtüchern über kuschelige Schlafsäckchen bis zu liebevoll gefertigten Stramplern. Manchmal strickt auch Reinhilde Freys Mutter Erika mit. Das Geld für die Wolle bringen die Helferinnen selbst auf.

Neben einer würdigen Bekleidung für die Schmetterlingskinder hilft die Initiative Klinikaktion, die sich unter dem Dach des Vereins „Frauenworte“ in Ketzin im Havelland befindet, den von Fehl- oder Totgeburt betroffenen Frauen mit einer so genannten „Klinikbox“. Darin finden sich zahlreiche Informationen für die trauernden Eltern von Schmetterlingskindern. Es gibt die Möglichkeit, sich über eine eigens eingerichtete Telefonseelsorge helfen zu lassen oder in einer regionalen Selbsthilfegruppe. „Die Initiative versucht mit ihren Boxen, die Eltern in ihrer schweren Situation soweit als möglich aufzufangen“, sagt Reinhilde Frey.

Wie wichtig diese Hilfe sein kann, kann sie aus eigener Erfahrung beschreiben. Eine Frau aus der Region, die ein Schmetterlingskind zur Welt brachte, berichtete ihr, wie gut sie sich bei der Klinikaktion Schmetterlingskinder aufgehoben fühlte.

Reinhilde Frey und Barbara Stanzel würden sich freuen, wenn weitere Frauen sie bei ihrer Arbeit unterstützen würden. Wer gerne bastelt, kann zum Beispiel auch Abschiedskarten herstellen. Woll-, Stoff- oder Geldspenden helfen ebenfalls weiter.

Informationen zu diesem Thema bei Reinhilde Frey unter Tel. (0 93 82) 3 13 08 oder Barbara Stanzel unter (0 93 82) 9 06 38 oder im Internet unter www.klinikaktion-der- schmetterlingskinder.de

Von unserem Redaktionsmitglied Norbert Finster
    
    

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Die neuesten Kommentare

mrdagobert (54 Kommentare) am 06.02.2011 20:34

Die Geschichte ...

... könnte wirklich ans Herz gehen. Aber leider ist sie völlig ohne Emotionen geschrieben. Schade. Da bin ich von der Main-Post Besseres gewöhnt.
(0)
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