aktualisiert: 13.01.2012 13:15 Uhr
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SCHWEINFURT
Funda Ersindigil arbeitet nicht mehr für die Stadt
Vergleich vor dem Arbeitsgericht
Sie hat lange Zeit ehrenamtlich für den Ausländerbeirat der Stadt gearbeitet, dann in städtischer Anstellung als hoch gelobte Integrationsfachkraft, hilfreich insbesondere für die in Schweinfurt besonders zahlreichen Türken und türkischstämmigen Deutschen. Nun ist das Arbeitsverhältnis zwischen Funda Ersindigil und der Stadt Schweinfurt vor dem Arbeitsgericht geendet: in einem Vergleich zwar, aber in einem, in dem sich die Integrationsfachfrau als Verliererin sieht, um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.
Eine Kündigung seitens der Stadt war nicht nötig. Der achte befristete Arbeitsvertrag seit 2003 ist Ende Juli 2011 ausgelaufen, das Arbeitsverhältnis nicht verlängert worden. Die in Aussicht gestellte unbefristete Anstellung bekam sie nicht, weil sie den obligatorischen Lehrgang für Verwaltungsangestellte nicht bestanden hatte. Dass sie die Prüfung wiederholen wollte, änderte an der ablehnenden Haltung der Stadt nichts.
Vor dem Arbeitsgericht klagte Ersindigil auf eine unbefristete Stelle. Ihr Anwalt Christof Cramer monierte die seit 2003 auf einander gefolgten acht befristeten Verträge als unzulässige Kettenbefristung. Der Arbeitsrichter sah das anders, weil in diesem Zeitraum zwischendrin mal von Mai 2005 bis April 2008 in vier aufeinanderfolgenden Verträgen die Evangelische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe als Arbeitgeber fungiert hatte.
Das hatte für Ersindigil zur Folge, dass ihre Brutto-Abfindung nur aus drei statt acht Beschäftigungsjahren errechnet wurde. Für 6000 Euro ist die Stadt sie losgeworden. Von 2001 bis 2003 arbeitete sie unentgeltlich für den Ausländerbeirat, ab 2003 in zwei befristeten Verträgen bei der Stadt, dann in vier Kettenverträgen bei der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe und schließlich in zwei befristeten Anstellungen wieder bei der Stadt. Aufwandsträgerin für ihre berufliche Tätigkeit war nach Überzeugung ihres Anwalts Christof Cramer dennoch immer die Stadt Schweinfurt.
Der Stabsstelle „Gern daheim“ wurde Ersindigil nach ihrer „Rückkehr“ aus den Dienstverträgen bei der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zugeordnet. Von ihrem Vorgesetzten Harald Mantel fühlte sie sich ausgebootet. „Konzeptionell“ sollte jetzt nur noch gearbeitet werden. Praktische Hilfe besonders für türkischstämmige Bürger bei Anträgen, Hartz IV-Problemen, Betreuungen, die sie jahrelang neben reiner Beratung geleistet habe, sei nicht mehr gewollt worden. Früher, als sie der Volkshochschule zugeordnet war, sei das noch möglich gewesen, beim „Integrationsbeauftragten“ Mantel nicht mehr.
Laut OB Sebastian Remelé seien 2010 per Stadtratsbeschluss die fachlichen und personellen Qualifikationen (Studium) für die Integrationsarbeit erhöht und diese stärker konzeptionell ausgerichtet worden. Ersindigils Qualifikation war nun nicht mehr ausreichend. Ihr sei nach dem Lehrgang eine Übernahme in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis in Aussicht gestellt worden. Das „redliche Bemühen“, für sie hausintern eine Stelle zu finden, sei aber an der erforderlichen Qualifikation gescheitert. Um keinen Präzedenzfall zu schaffen, habe man ihr auch keine Gelegenheit gegeben, die Prüfung zu wiederholen.
Dass die Integrationsarbeit der Stadt früher eher beratungsorientiert war, sei nicht Funda Ersindigil anzulasten, so Remelé. Sie habe insbesondere für die türkischsprachigen Bürger der Stadt gute Arbeit geleistet. Doch habe die Stadt das Recht, ihr Integrationskonzept von Zeit zu Zeit zu überprüfen und neu auszurichten. Konkrete Hilfen bis zum Ausfüllen von Anträgen, wie sie Ersindigil für die insoweit privilegierte Gruppe der Türken geleistet hatte, seien im Grunde keine kommunale Aufgabe. Dafür gebe es andere Stellen. Zu viel Hilfe verhindere sogar Selbstständigkeit und Integration.
Funda Ersindigil „war unschlagbar, anderen zu helfen“, sagt die Personalratsvorsitzende Doris Berz, mit allgemeiner Verwaltungsarbeit habe sie dagegen weniger anfangen können. Ersindigils tätige Hilfe vermissen nun aber, wie in der Ausgabe vom 4. November 2011 ausführlich berichtet, nicht wenige Türken. Viele Vereinsvertreter bedauerten ihre Versetzung ins Bürgerbüro sehr. Der Ersatz – zehn Stunden Beratung pro Woche im Paritätischen – sei bei weitem nicht ausreichend.
Die engagierte, für manches städtische Amt wohl auch nervige Integrations- und Brückenkraft Ersindigil ist jetzt jedenfalls weg. Ob zwei Studierte im „Gern daheim“-Büro des Integrationsbeauftragten Mantel mit „Konzepten“ größere Würfe landen als ihre Vorgängerin mit ihrer tätigen Hilfe, die sicherlich keine kommunale Pflichtaufgabe darstellt, wird sich noch weisen müssen.
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Hundekeks (4 Kommentare) am 12.01.2012 11:11
Befristete VerträgeDer 8 (!) befristete Vertrag. Auch ich kenne persönlich dieses Dilemma, wann wird da mal was passieren. Meistens sind die Leute mit den festen Verträgen doch die kein Elan in die Arbeit einbringen und die Leute mit befristeten Verträgen zappeln sich von Jahr zu Jahr und tun ihr Bestes! Alles Gute für die Zukunft... |
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scaredboat (57 Kommentare) am 10.01.2012 23:20
Olympia Morata Ehrenmal in SWLiebe Anna! Wieder einmal ist eine Frau zum verlieren gezwungen worden,nicht nur wegen ihres Geschlechts,ihrer Herkunft und ihrer Bildung!Offentsichlich auch wegen ihres Engagements für Türkische Mitbürger.Vielleicht sieht eine Empfehlung des Verfassungsschutzes eine Uberwachung a la supervision für Muslime vor,aber ich glaube die Frau hat aus Überzeugung für menschliche Ideale gehandelt.Liebe Anna,schau die die heutige Türkei an!Oder denk an Deutschland gestern:"es zählt nicht nur Bildung ,sondern im besonderen soziale intelligenz!" Wieso stellt eine Stadt ein Denkmal für Olympia Morata auf!Alibifunktion?oder was? ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen im Feld! |
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