aktualisiert: 07.10.2010 15:29 Uhr
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SCHWEINFURT
Gleiches Schild – neuer Bezug
SPD-Stadtrat möchte, dass die Karl-Peters-Straße nicht weiter an einen Rassisten erinnert
Die Karl-Peters-Straße, eine Stichstraße im Stadtteil Steinberg, erinnert an den wegen seiner rassistischen Überzeugungen bei den Nazis hochangesehenen Afrikaforscher Carl Peters. Stadtrat Werner Bonengel ist das ein Dorn im Auge. Er sagt: „Die Benennung einer Schweinfurter Straße nach einem rassistischen Mörder sollte aufgehoben werden.“
Bonengel macht sich mit seinem Vorschlag nun den Schreibfehler zunutze: Der SPD-Stadtrat regt an, dass bei der kleinen Straße künftig Bezug auf den Strafrechtsprofessor Karl Peters (1904 bis 1998) genommen wird. Am Straßennamensschild wünscht er sich einen entsprechenden Hinweis. Statt einer Umbenennung würde also nur die Widmung geändert – mit dem Vorteil, dass es die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Adressenänderung für die Anwohner nicht gäbe.
Bonengel hat seine Idee mittlerweile als Antrag ans Rathaus eingebracht und am vergangenen Wochenende auch die Anwohner der Straße informiert.
Carl Peters (1856 bis 1918) galt als Begründer der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Sein Versuch, Ostafrika durch die private „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ zu beherrschen, scheiterte 1889, so dass das Deutsche Reich die unmittelbare Kontrolle übernahm und 1891 Carl Peters zum Reichskommissar ernannte. Wegen seinem brutalen Vorgehen gegen die afrikanische Bevölkerung, die er als minderwertige Untermenschen bezeichnete und behandelte, kam es zu einem Aufstand, der ihn sein Amt kostete.
Nach disziplinarischen Untersuchungen seiner Verfehlungen wurde Carl Peters 1897 unehrenhaft aus dem Reichsdienst entlassen. Diese Entscheidung wurde 1937 durch einen posthumen Erlass von Adolf Hitler aber wieder aufgehoben. 1938 wurde in Schweinfurt diese Straße nach Carl Peters benannt, der als „Urahn“ der nationalsozialistischen Rassenideologie galt. Nur eben falsch geschrieben mit dem damals wohl gebräuchlicheren „K“ statt „C“.
Bonengel räumt ein, dass man „sicherlich kaum an den Strafrechtler Karl Peters als Namensgeber einer Schweinfurter Straße denken würde“. Er sei aber im Gegensatz zu Carl Peters als Namenspatron für eine Straße geeignet. Karl Peters war von 1942 bis 1946 Ordinarius für Strafrecht und Strafprozessordnung in Greifswald, 1946 bis 1962 Lehrstuhlinhaber an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und lehrte und forschte 1962 bis zu seiner Emeritierung 1972 an der Universität Tübingen.
Karl Peters war ein international bekannter Experte im Strafprozess- und Jugendrecht, der sich mit Theorie und Praxis des Wiederaufnahmerechts befasste. Er kümmerte sich intensiv um die Reform des Strafrechts und des Strafvollzugrechts und gehörte zu den Begründern der Kriminalpädagogik.
Für seine Verdienste um die Kriminalwissenschaften bekam er 1973 die Beccaria-Medaille in Gold verliehen, 1974 erhielt er den deutschen Verdienstorden, 1975 von Papst Paul VI. das Komturkreuz mit Stern des Silvesterordens, 1984 die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg und 1989 die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Resonanz von den Anwohnern hat Bonengel noch nicht. Er rechnet aber mit Zustimmung bei den Betroffenen und im Stadtrat.
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Die neuesten Kommentare
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christel2 (451 Kommentare) am 06.10.2010 18:33
Dass unter den Straßenschildernoch keine Nennung der Namensgeber steht, ist doch für das sonst so großartige Schweinfurt schon blamabel. |
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