publiziert: 06.10.2010 18:00 Uhr
aktualisiert: 07.10.2010 15:29 Uhr
» zur Übersicht Stadt Schweinfurt
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Gleiches Schild – neuer Bezug

SPD-Stadtrat möchte, dass die Karl-Peters-Straße nicht weiter an einen Rassisten erinnert
  • bbb
    Foto: Hannes Helferich
  • Straßenname soll bleiben: Der Bezug soll aber nicht mehr dem Rassisten Carl Peters, sondern dem Rechtsprofessor Karl Peters gelten.
    Foto: Helferich
Bild von
2 Bilder

 

Die Karl-Peters-Straße, eine Stichstraße im Stadtteil Steinberg, erinnert an den wegen seiner rassistischen Überzeugungen bei den Nazis hochangesehenen Afrikaforscher Carl Peters. Stadtrat Werner Bonengel ist das ein Dorn im Auge. Er sagt: „Die Benennung einer Schweinfurter Straße nach einem rassistischen Mörder sollte aufgehoben werden.“

Bonengel macht sich mit seinem Vorschlag nun den Schreibfehler zunutze: Der SPD-Stadtrat regt an, dass bei der kleinen Straße künftig Bezug auf den Strafrechtsprofessor Karl Peters (1904 bis 1998) genommen wird. Am Straßennamensschild wünscht er sich einen entsprechenden Hinweis. Statt einer Umbenennung würde also nur die Widmung geändert – mit dem Vorteil, dass es die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Adressenänderung für die Anwohner nicht gäbe.

Bonengel hat seine Idee mittlerweile als Antrag ans Rathaus eingebracht und am vergangenen Wochenende auch die Anwohner der Straße informiert.

Carl Peters (1856 bis 1918) galt als Begründer der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Sein Versuch, Ostafrika durch die private „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ zu beherrschen, scheiterte 1889, so dass das Deutsche Reich die unmittelbare Kontrolle übernahm und 1891 Carl Peters zum Reichskommissar ernannte. Wegen seinem brutalen Vorgehen gegen die afrikanische Bevölkerung, die er als minderwertige Untermenschen bezeichnete und behandelte, kam es zu einem Aufstand, der ihn sein Amt kostete.

Nach disziplinarischen Untersuchungen seiner Verfehlungen wurde Carl Peters 1897 unehrenhaft aus dem Reichsdienst entlassen. Diese Entscheidung wurde 1937 durch einen posthumen Erlass von Adolf Hitler aber wieder aufgehoben. 1938 wurde in Schweinfurt diese Straße nach Carl Peters benannt, der als „Urahn“ der nationalsozialistischen Rassenideologie galt. Nur eben falsch geschrieben mit dem damals wohl gebräuchlicheren „K“ statt „C“.

Bonengel räumt ein, dass man „sicherlich kaum an den Strafrechtler Karl Peters als Namensgeber einer Schweinfurter Straße denken würde“. Er sei aber im Gegensatz zu Carl Peters als Namenspatron für eine Straße geeignet. Karl Peters war von 1942 bis 1946 Ordinarius für Strafrecht und Strafprozessordnung in Greifswald, 1946 bis 1962 Lehrstuhlinhaber an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und lehrte und forschte 1962 bis zu seiner Emeritierung 1972 an der Universität Tübingen.

Karl Peters war ein international bekannter Experte im Strafprozess- und Jugendrecht, der sich mit Theorie und Praxis des Wiederaufnahmerechts befasste. Er kümmerte sich intensiv um die Reform des Strafrechts und des Strafvollzugrechts und gehörte zu den Begründern der Kriminalpädagogik.

Für seine Verdienste um die Kriminalwissenschaften bekam er 1973 die Beccaria-Medaille in Gold verliehen, 1974 erhielt er den deutschen Verdienstorden, 1975 von Papst Paul VI. das Komturkreuz mit Stern des Silvesterordens, 1984 die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg und 1989 die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Resonanz von den Anwohnern hat Bonengel noch nicht. Er rechnet aber mit Zustimmung bei den Betroffenen und im Stadtrat.

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

christel2 (451 Kommentare) am 06.10.2010 18:33

Dass unter den Straßenschilder

noch keine Nennung der Namensgeber steht, ist doch für das sonst so großartige Schweinfurt schon blamabel.
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Direkt zur Redaktion 

E-Mail, Telefon und Brief
Auf diesem Weg finden Ihre Informationen den direkten Weg zu unserer Lokalredaktion. »mehr
    
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
Anzeige
    

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
    
    
Anzeige
WG-Gesucht.de gibt Ihrer Region eine Stimme

Hier finden Sie Ihre WG in Schweinfurt.

WG-Gesucht.de, die kostenlose WG-Börse im Internet.

    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr
    
    

Meine Maschine und ich 

Außergewöhnliches
Wir stellen Menschen vor, die eine besondere Beziehung zu einem technischen Gerät haben. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr