aktualisiert: 08.02.2012 17:25 Uhr
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SCHWEINFURT
Goofy und die Unlustknaben
Musikalisches Herrengedeck am Main: „Mistcapala“
Glücklich die schwülen Caesaren, die mit Lustknaben schmusen durften: Manche Römer mussten auch mit Unlustknaben Vorlieb nehmen, wie im Lied aus der giftigen Feder Peter Hammerschlags. Das Landsberger Herrenquartett „Mistcapala“ würdigt den hoch skurrilen österreichischen Komponisten auf seine Weise: Mit frivolen Klängen aus der Reibetrommel („Brummtopf“), in einer modernen Casting-Version, bei der Frontmann Tom Hake schrill in Lack und Leder antanzen darf. Wenn schon dekadent, dann gekonnt. Dem (von den Nazis ermordeten) Satiriker Hammerschlag hätte es wohl gefallen. Die Vier - außer Allrounder Hake sind das Armin Federl (Akkordeon), Vitus Fichtl (Bassmandoline, Drehleier) und Tobias Klug (Kontrabass) - mögens eindeutig deftig.
Der Band-Name bedeutet schließlich nicht Mistkapelle, sondern auf Althochdeutsch Mistgabel. Die Merkwürdiges aufgabelt. Da kommt die rustikale Bockpfeife ebenso zum Einsatz wie die schmachtende Harfe. So geht es etwa um den Gockolore, ein Erdmännchen aus der Ammersee-Gegend, das, wenn man genau hinguckt, auf einem Baum hockt, in einem alten Gemälde. Als Waidmänner bringen sie, sehr frei nach Eduard Mörikes „Frühlingsgedicht“, ein poetisches Gemetzel an Tieren zum Besten, kämpfen als tschechische Chaoscombo um jeden Becher Becherovka, tröten im Stil einer trotteligen Dauerwerbesendung in ihre Blasharmonikas oder beklagen das Schicksal eines stoischen Opfers der Freizeitparkgesellschaft: Ein armer Underdog muss als Goofy im Disneyland herumtappen (symbolisch dargestellt mit Socken und Schlüpfer) und bekommt eingeschärft, ja nicht die „Magie“, die Illusion, zu zerstören. Auch dann nicht, als ihn ein kleines Mädchen mit Eis füttern will und mit der Pampe die Wespen unters Hunde-Kostüm lockt. Leider hat der Ärmste eine Wespenallergie - stirbt aber lieber in den Pfoten, als sich zu beschweren: So sehen moderne Helden, naja, auch nicht gerade aus. Aber um die geht es in den erdig-grotesken Liedern gar nicht. Als mit Deodorant eingenebelter Howard Carpendale macht Tom Hake Weiblein wie Männlein den Hof („Du hast so schöne Augen“). Der gebürtige Dresdner Klug gibt im charmantesten Säggsisch das Lied vom Nachtschwärmer, der irgendwie einen Doppelgänger in der Stadt haben muss, bei allem, was man sich so erzählt: Ein echtes musikkabarettistisches Herrengedeck. Das Schweinfurter Publikum will die Vier gar nicht mehr von der Bühne lassen. Nach einigen schönen Zugaben („Ihre Karten sind schon vor zehn Minuten abgelaufen“) muss „Opa Hake“ ihm resolut den Ausgang zeigen: „Da-da-daah!“
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