aktualisiert: 06.02.2012 17:43 Uhr
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SCHWEINFURT
Grenzgänger zwischen Klassik und Rock
Turtle Island Quartet spielt im Jimi Hendrix
Was ist die Rhythmusgruppe eines Streichquartetts? Nur zwei Violinen, Viola und Violoncello teilten sich diese Aufgabe beim Turtle Island Quartet im Theater. Eine Sonderrolle hierbei spielte Mark Summer am Cello, dessen musikalische Wurzeln von der Gitarre her kommen. Seine Pizzicato-Läufe waren gespickt mit Slaps und aufgeschlagener Griffbrettpercussion und bildeten das Fundament des gesamten Grooves dieses Programms. Dies war Jimi Hendrix gewidmet und barg so manche Überraschung in sich. Quasi als Auszeit bei der rhythmischen Schwerarbeit steuerte das Cello aber auch eine witzige Fassung von „Little Wing“ bei, die das Publikum verzückte.
Was ein Rhythmus-Gitarrist ist, weiß jeder Pop-Fan, der klassische Musikliebhaber hätte vor dem Konzert nicht sagen können, was einen Rhythmus-Geiger oder –Bratscher ausmacht. Da werden ganz vorne am Frosch kurze, trockene Akkordschläge repetiert, die die Akkordschicht über den Bass-Groove bilden. Die 1. Violine mit David Balakrishnan wirkte oft mehr im Hintergrund, aber die plötzlichen Soli waren sofort präsent und stimmig in den Gesamtklang eingebaut. Seine Eigenkompositionen nach der Pause betonten die indische Musiktradition, der Baum des Lebens entfaltete sich zunächst über Quintklänge mit einer ruhigen Kantilene in der ersten Geige.
Eine große Stärke dieser Truppe ist gewiss die Zirkulation der Soli, überragend im Titel Milestones von Miles Davis. Da ließ auch die zweite Violine mit Mads Trolling aufhorchen. Über die Rolle der Viola im klassischen Orchester wird oft geschmunzelt. Bei Jeremy Kittel hingegen schien seine tiefere Lage des Instruments prädestiniert, die Glissandi, gezogenen Saiten und aufheulenden Läufe der Woodstock-Musiklegende am schönsten in Streichermusik zu transformieren.
Und gegen Ende des Abends kam doch noch Rhythmus pur, mit Bodek Janke und seinem Cajón. Eine weitere schillernde Figur des Jazz nahmen sie sich vor, die Klangwelt des Bassisten Stanley Clark. Da fügte sich das perfekte Zusammenspiel des Quartetts mit feinen Handschlägen, die durch den blanken Fuß auf der Kiste modifiziert wurden und einen dezenten, aber immer frisch wirkenden Background ausbreiteten.
Als krönender Abschluss einiger Zugaben konnte „Hey Joe“ in seinem schlichten Arrangement mit satten Grundakkorden die Zuhörer zum Träumen bringen. So setzt dieses Ensemble hohe Maßstäbe bei Projekten von Grenzgängen zwischen Klassik, Rock und Jazz.
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