publiziert: 29.06.2012 11:51 Uhr
aktualisiert: 01.07.2012 12:05 Uhr
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Handball-Posse wegen 45 Zentimetern

Der TV Gerolzhofen muss das Spielfeld in seiner Halle verlängern. Ansonsten kann der Klub in der neuen Saison nicht in der Handball-Landesliga mitmachen - und das wegen 45 Zentimetern.

  • Foto: Norbert Finster
    So viel fehlt: Um 45 Zentimeter verlängert werden muss die Handball-Spielfläche in der Gerolzhöfer Dreifachhalle, damit der TV kommende Saison in der Landesliga antreten kann. Hausmeister Dirk Niebel demonstriert den Abstand mit dem Maßstab.
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Ganze vier Jahre lang hat niemand daran Anstoß genommen. So lange – von 2007 bis 2011 – spielte die Handball-Männerhaft des TV Gerolzhofen in der nordbayerischen Landesliga. Sie tat das bei Heimspielen auf einem Spielfeld, das laut Regelwerk des Bayerischen Handballverbandes (BHV) genau 45 Zentimeter zu kurz ist.

Jetzt, nach einem Jahr Bezirksoberliga kehrt die Mannschaft zurück im die zweithöchste bayerische Spielklasse. Doch dort darf sie künftig nur mitmischen, wenn das Spielfeld in der Dreifachhalle von 39,55 Meter auf die erforderlichen 40 Meter verlängert wird.

Das Brisante an der Geschichte: Nach Ansicht der aktuellen Leitung der TV-Handballabteilung wäre das Problem gar nicht aufs Tapet gekommen, wenn nicht jemand aus Gerolzhofen die zu kurze Halle selbst beim BHV gemeldet hätte. So jedenfalls lautet der Vorwurf der aktuellen Handball-Abteilungsleitung mit Christiane Krapf an der Spitze. Gegenüber der Abteilungsleitung soll BHV-Bezirksvorsitzender Heinz Staubitz (Wertheim) laut Information der Abteilungsleitung ein entsprechendes Telefonat mit einem TV-Vertreter im Mai bestätigt haben.

Staubitz tut das auch gegenüber der Main-Post, nennt allerdings keine Namen. Er möchte sich nicht in Vereinsinterna in Gerolzhofen einmischen. „Beim TVG wird eine so erfolgreiche Handball-Arbeit geleistet, da frage ich mich schon, warum man sich da gegenseitig zerfleischen muss.“ Den in der Tat bei ihm eingegangenen Hinweis aus Gerolzhofen auf die zu kurze Halle jedenfalls bewertet Staubitz als „schlechten Stil“.

Karl-Heinz Hauck, Krapfs Vorgänger im Amt des Abteilungsleiters, indes weist alle Verdächtigungen der neuen Führung zurück, er könnte den Verband angerufen haben. „Ich habe in dieser Angelegenheit nie mit Herrn Staubitz gesprochen.“ Dass die Halle zu kurz ist, sei nach einer offiziellen Vermessung im Dezember 2009 allgemein bekannt gewesen.

Warum hat er dann nichts unternommen, wo er doch immerhin bis zum Mai 2011 noch Abteilungsleiter war? „Der Verband hat angekündigt, dass er die zu kurze Halle für den Rest der Landesliga-Saison 2009/10 noch tolerieren wird. Nach dem Abstieg in die Bezirksoberliga war die Hallenlänge nicht mehr relevant und nach dem Wiederaufstieg war ich nicht mehr verantwortlich“, spielt Hauck den Ball zurück. Allerdings hat Gerolzhofen auch 2010/11 noch Landesliga gespielt.

Wie dem auch sei: Nachdem die Sache aus Gerolzhofen selbst „offiziell“ gemacht wurde, kann der BHV wegen der fehlenden 45 Zentimeter kein Auge mehr zudrücken, auch wenn das kleinlich klingt. „Stellen Sie sich vor, es legt ein Verein nach einem verlorenen Spiel Beschwerde gegen die Wertung ein, weil die Hallenmaße nicht stimmen. Da kommen wir in Teufels Küche“, begründet Staubitz die harte Haltung des Verbands.

Die Frage ist nun, wer für die Kosten der Ummarkierung in der Halle aufkommen soll. Die schätzt Christiane Krapf auf 3000 bis 4000 Euro. Von der Hallengröße her ist die Verlängerung des Spielfelds jedenfalls möglich, weil noch genügend Abstand zwischen Torauslinie und Hallenwand besteht.

Einen Bittbrief der Abteilungsleitung an den Landkreis als Sachaufwandsträger für die Halle hat Landrat Harald Leitherer abschlägig beschieden, „auch wenn es mich freut, dass die Gerolzhöfer in die Landesliga aufgestiegen sind.“ Für den Schulsport, für den die Halle eigentlich gedacht ist, sei die Spielfeldgröße nicht maßgeblich, erklärt er im Gespräch mit der Main-Post.

Wichtiger noch: Der Landkreis hat bisher keinerlei derartige Sportförderung betrieben und würde durch Übernahme der Kosten oder einen Zuschuss ein Fass aufmachen. Bei der großen Sanierung 2005 seien der Hallenboden und damit auch die Spielfeldmaße unverändert geblieben, sagt Leitherer zu der Frage, warum nicht schon damals die erforderlichen Maße eingezeichnet wurden.

Für die Zurückhaltung des Landkreises hat die Abteilungsleitung Verständnis. Es sei nun Sache des Hauptvereins, die Markierung in Ordnung zu bringen.

Das soll auch geschehen, sagt Burkhard Dietz, der Vorsitzende des Hauptvereins. Die Linien werden in den Sommerferien umgezeichnet. Dafür sucht der Verein Sponsoren. Dietz weiter: „Es kann nicht sein, dass hier in Gerolzhofen hochklassiger Sport möglich wäre, aber keine Sporthalle – trotz Hallenneubau in den letzten Jahren – den Vorgaben des BHV entspricht.“ Damit kritisiert Dietz indirekt, dass der Bau am Lülsfelder Weg keine Dreifachhalle wurde.

Die Anschuldigung gegen Karl-Heinz Hauck habe man in einem internen Gespräch behandelt. Dabei sei für die Zukunft ein engerer Informationsaustausch zwischen Handballleitung und Hauptvorstand vereinbart worden. Hauck habe jedenfalls die Vereinsspitze nach dem Aufstieg der 1. Männermannschaft auf die gemäß den Landesliga-Statuten zu kurze Halle hingewiesen.

Mit der bewilligten Ummarkierung steht dem Start der Landesligahandballer in die neue Saison am 15. September nichts mehr im Weg.

Von unserm Redaktionsmitglied Norbert Finster
    
    

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