aktualisiert: 24.07.2011 15:28 Uhr
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GEROLZHOFEN
Juwelen mit bewegter Vergangenheit
Ein Oldtimer-Bus war der Hingucker bei der 15. ADAC-Steigerwald-Main-Oldtimerfahrt
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Fast wie in der guten, alten Zeit: Der Nash Special Six des Burgebrachers Martin Dorn war eines der ältesten Fahrzeuge im Feld der 15. ADAC-Steigerwald-Main-Oldtimerfahrt am Samstag. Hier passiert der schmucke Autoveteran Baujahr 1927 den Steigerwaldort Wustviel.Foto: Matthias Endriss -
Mit Freude dabei: „Es macht Spaß, ihn zu fahren“, sagt Horst Haida über den Oldtimer-Bus. Und den Spaß merkt man ihm auch an.Foto: Endriss
„Ich bin nicht alt, ich bin ein Klassiker.“ So ist es weiß auf schwarz auf dem T-Shirt eines der Teenager-Zeit längst entwachsenen Herrn zu lesen, der an diesem Samstagmorgen mit seiner Kamera auf Motivjagd über das Gelände der Mercedes-Niederlassung in der Adam-Stegerwald-Straße streift.
Ein Satz, den man getrost – wäre es nicht ein fürchterlicher Frevel – auch auf den Lack so ziemlich jedes Autos und Motorrades pinseln könnte, das dort geparkt ist und auf den Start zur 15. ADAC-Steigerwald-Main-Oldtimerfahrt wartet. Auch ein Gros der Fahrer, die sich bei der Besprechung noch die letzten Instruktionen bei Fahrtleiter Albert Bauer holen, könnte sich besagtes T-Shirt unwidersprochen überziehen.
Ein solcher ist Horst Haida. Doch er hat sich für ein anderes Outfit entschieden. Weißes Hemd, Krawatte, dunkelblaue Uniform mit goldglänzenden Knöpfen, rote Kappe mit schwarzem Schild. Passend zu dem Gefährt, mit dem er sich in Kürze auf die rund 110 Kilometer lange Strecke an die Mainschleife und durch den Steigerwald machen wird. Bei der Fahrerbesprechung steht er etwas abseits, denn ihm können der Ablauf der Sonderprüfungen und die dabei zu erwartenden Strafpunkte ziemlich egal sein. Seine Aufgabe wird es sein, im Auftrag der ausrichtenden Motorsportvereinigung (MSVg) ausgewählte Passagiere – darunter eine Delegation aus der ungarischen Partnerstadt Elek – über die Strecke zu chauffieren. Mit seinem Oldtimer – einem Omnibus Daimler Benz O 3500, Baujahr 1952.
40 Jahre lang ist Horst Haida für das von seinem Bruder Wolfgang geführte Familienunternehmen Bus gefahren. Häufig war er im Süden. Hat gearbeitet, damit andere Urlaub machen konnten. In Italien. In Griechenland. „Heute genieße ich mein Rentnerdasein und verdiene mir mein Gnadenbrot, indem ich den Oldtimer-Bus fahre“, sagt er und lacht dabei. So, als wollte er signalisieren: „Glaube ja nicht alles, was man Dir erzählt.“ Denn wenn man ihn beobachtet, wie er auf dem weinroten, lederbespannten Fahrersitz thront und am großen, weißen Lenkrad dreht, bekommt man kaum den Eindruck, dass man ihn zu dieser Tätigkeit zwingen müsste.
Ein ehemaliger Taubenschlag
Horst Haida startet den Motor, schließt die Türen und reiht sich mit seinen Passagieren ein in die Prozession der Vier- und Zweiradveteranen, die sich zunächst in Richtung Kolitzheim bewegt. Er erzählt von der bewegten Vergangenheit seines Vehikels. Wie es sein Bruder einst Anfang der 1980er Jahre im Ruhrgebiet entdeckt hat. Der Motor ausgebaut, umfunktioniert zum Taubenschlag. Ein unwürdiges Dasein für ein Fahrzeug, das einst zu den modernsten seiner Art zählte.
„Als wir den Bus gefunden haben, war er ein Schrotthaufen“, meint Haida, der sich noch daran erinnern kann, dass in den Nachkriegsjahren ein solches Modell auch zum Fuhrpark des eigenen Busunternehmens zählte. Sieben Jahre dauerte es, den Oldtimer zu restaurieren. Seitdem rollt er wieder. Am Steuer sitzen vornehmlich Horst Haida und sein Bruder Wolfgang. „Man kann nicht zu Jedem sagen, fahr mal diesen Bus“, gesteht er und erklärt: „Das ist lernbedürftig.“ Keine Servolenkung, ein nicht synchronisiertes Schaltgetriebe, bei dem Zwischengas gegeben werden muss, die bei heutigen Bussen unübliche Schnauze. Und über die mickrigen 90 PS, die für den Oldie jeden Berg zu einer echten Herausforderung werden lassen, können jüngere Kollegen, deren Busse heute bis zu 400 muntere Pferdchen unter der Haube haben, nur schmunzeln.
Horst Haida ist das egal. „Es macht Spaß, ihn zu fahren“, bekennt er, und es klingt schon fast ein wenig wie eine Liebeserklärung: „Man fällt auf damit, die Leute schauen.“
Gruß mit der Fanfarenhupe
Das ist wahrhaftig so, auch im Steigerwald und an der Mainschleife. Radfahrer entlang der Strecke bleiben stehen und winken, wenn Haida sie mit seiner Fanfarenhupe grüßt. Zahlreiche Fotografen nehmen den Bus ins Visier. Er ist der Hingucker bei der Oldtimerfahrt, auch wenn da noch das eine oder andere weitere Juwel mitrollt. Viele davon sind sogar rund vierzig Jahre älter als der Bus.
Kolitzheim ist erreicht und damit auch die wohl schwierigste Sonderprüfung. Die Fahrer müssen sich nach einer Abstandsvorgabe an zwei Gatter herantasten: Eines vor dem Fahrzeug, eines auf der Beifahrerseite. Gefühl ist gefragt, Augenmaß, und nicht zuletzt ein gutes Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer. Bei manch einem Co-Pilot bekommt man das Gefühl nicht los, er müsste gleich aus dem Auto oder dem Beiwagen purzeln beim Versuch, den Kompagnon am Lenker möglichst exakt einzuweisen.
Das gelingt nicht immer zur vollen Zufriedenheit. Die Messlatten sind unerbittlich und unbestechlich. Auch wenn es nicht jeder so ganz wahrhaben will, dass ihn das Augenmaß betrogen hat. „Sag' mal, gell bei Euch in Unterfranken gehen die Meter anders“, ruft Karlheinz Hahn aus dem mittelfränkischen Neuendettelsau dem Ehrenvorsitzenden der Gerolzhöfer Motorsportvereinigung, Günter Engert, zu. „Wir haben hier den Ur-Meter“, gibt dieser trocken zurück. Hahn, der mit einem Daimler von 1934 unterwegs ist, quittiert es mit einem Schmunzeln: „Naja, ich hab' daheim ohnehin keinen Platz für einen Pokal.“ Und seine Frau meint ergänzend vom Beifahrersitz: „Für uns ist das Dabeisein alles.“
Schaulaufen für die Adlers
Am Nachmittag wird es dann noch lockerer. Die Schleife durch den Steigerwald ist eine rein touristische Ausfahrt, ein Schaulaufen für die Adlers und Borgwards, für die Jaguars und Chevrolets, für die DKW, NSU, VW, BMW – und wie sie sonst noch alle heißen, diese jung gebliebenen Klassiker der Landstraße. Und für ihre Fahrer erst recht.
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