publiziert: 04.03.2011 11:45 Uhr
aktualisiert: 06.03.2011 15:01 Uhr
» zur Übersicht Landkreis Schweinfurt
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEBHEIM
Kampfjets über Atomkraftwerk: Schwebheim appelliert an Merkel

In einem offenen Brief an die Kanzlerin fordert Bürgermeister Fischer, Übungsflüge in der Nähe des Atomkraftwerks zu verbieten
  • Leben am KKG: Auch Übungsflüge der US-Army über dem Kernkraftwerk beunruhigen die Bevölkerung. In Schwebheim hat ein Statement des Verteidigungsministeriums die Gemeinde auf den Plan gerufen.
    Foto: U. Lux
Bild von

Ein Artikel der Main-Post hat die Gemüter im Schwebheimer Gemeinderat erregt – und dazu geführt, dass Bürgermeister Hans Fischer beauftragt wurde, der Bundeskanzlerin einen offenen Brief zu schreiben. „Auch künftig Kampfjets über dem Atomkraftwerk“ titelte die Main-Post am 24. Februar, und stellte die lapidare Antwort des Verteidigungsministeriums auf den Brief einer Leserin vor; sie hatte das Ende von Übungsflügen über dem AKW gefordert. Ganz klar aber werden im Antwortschreiben „weitere Übungsflüge“ angekündigt.

„Das kann doch nicht sein!“, empörte sich Bürgermeister Hans Fischer und vermutet, dass das Verteidigungsministerium vielleicht nicht viel zu sagen hat, weil es sich um amerikanische Militärflugzeuge handelt. Einigkeit bestand im Schwebheimer Rat darüber, dass ein „Atomkraftwerk sicher kein geeignetes Objekt für militärische Übungsflüge“ ist. Durch die Vertuschung von Schäden am Kernkraftwerk sei das Vertrauen der Bevölkerung ohnehin schwer angekratzt, so der Tenor im Rat.

Einzig Peter Guse stellte die Frage nach der Zuständigkeit der Gemeinde. Die aber, so Fischer, müsse die Belange der Bevölkerung vertreten und sei für deren Schutz zuständig. „Bei einem Unfall sind wir als Gemeinde dann sehr schnell wieder gefragt“, bekräftigte Fischer.

In seinem Schreiben an die Bundeskanzlerin fragt Fischer, ob man denn schon vergessen habe, „dass 1985 ein Phantom der Bundeswehr nur drei Kilometer vom Atomkraftwerk abgestürzt ist“. Und ob es denn nicht bekannt sei, dass in Grafenrheinfeld seit 2006 ein Atomzwischenlager in Betrieb sei, „in Form einer besseren 'Betonscheune‘, die in keiner Weise gegen Flugzeugabstürze gesichert ist.“

Auch der 11. September scheint in Vergessenheit geraten zu sein, mutmaßt Fischer und wundert sich, dass niemand nachempfinden kann, „welche Angst dieses Handeln bei den Anwohnern um ein Atomkraftwerk auslöst.“ Er fragt: „Sind wir denn noch ein von den Amerikanern besetztes Land, dass die amerikanischen Einheiten, gerade an einem so hoch gefährlichen Objekt, Flugübungen durchführen müssen?“

Die Aussage des Verteidigungsministeriums, dass 600 Meter Höhe und 1,5 Kilometer Seitenabstand immer eingehalten würden und daher zu keiner Zeit eine Gefahr bestünde, nennt der Bürgermeister „menschenverachtend“. „Wie soll man Vertrauen in die Politik bekommen, wenn die Sicherheitsvorsorge so mit Füßen getreten wird. Die Menschen, die in der Nähe solcher kerntechnischen Anlagen leben müssen, haben an sich schon ein viel höheres Risiko zu tragen. Muss man dies mit unverantwortlichen militärischen Übungsflügen noch herausfordern?“, fragt er in dem offenen Brief an Angela Merkl.

Fischer bittet die Bundeskanzlerin, sich im Verteidigungsministerium und bei den „Verbündeten“, die er hier nur noch in Anführungszeichen setzen könne, dafür stark zu machen, „dieses sträfliche Vorgehen einzustellen“.

Der vorweggenommenen Argumentation vieler Gemeinden und Landkreise, dass Kommunen hier keine Zuständigkeit hätten, erteilt Fischer eine klare Absage. „Ich fühle mich verpflichtet, mich zu Wort zu melden. Denn sollte eine Katastrophe eintreten, sind wir es, die dann in die Pflicht genommen werden, um uns um unsere Bevölkerung zu kümmern.“
 

Der offene Brief als Original:
 
 
Übungsflüge über dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld
 
 
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
 
ein Zeitungsartikel in der „Mainpost“, über die Aussage des Verteidigungsministeriums, ist Auslöser dieses offenen Briefes an Sie. (Der Artikel liegt in Kopie bei.) Hier werden Übungsflüge, die von militärischen Kampfjets der US-Streitkräfte durchgeführt wurden, gerechtfertigt und gleichzeitig angekündigt, dass diese Vorgehensweise auch weiter praktiziert werden soll.
 
Ich bin Bürgermeister von Schwebheim, einer Gemeinde die 5 km östlich des Atomkraftwerkes Grafenrheinfeld liegt. Die Ängste der Bevölkerung nehme ich sehr ernst und verstehe auch den Unmut, den solch ein Handeln und die Aussage des Verteidigungsministeriums auslöst.
 
Es kann doch nicht sein, dass ein Atomkraftwerk Anflugziel von Kampfflugübungen ist.
 
Ist es schon vergessen, dass 1985 ein Phantom der Bundeswehr nur 3 km vom Atomkraftwerk abgestürzt ist?
 
Ist es nicht bekannt, dass seit dem 01.03.2006 ein Atomzwischenlager am Standort Grafenrheinfeld in Betrieb ist? In Form einer besseren „Betonscheune“, die in keiner Weise gegen Flugzeugabstürze gesichert ist.
 
Ist das Datum 11. September 2001 schon in Vergessenheit geraten? Kann niemand nachempfinden, welche Angst dieses Handeln bei den Anwohnern um ein Atomkraftwerk auslöst?
 
Sind wir denn noch ein von den Amerikanern besetztes Land dass die amerikanischen Einheiten, gerade an einem so hoch gefährlichen Objekt, Flugübungen durchführen müssen?

Wenn ich sehe welche Angst gerade Amerika vor Terroranschlägen hat, kann man dieses Handeln, dass sie hier bei uns in Deutschland an den Tag legen, nicht verstehen.

Die Aussage des Verteidigungsministeriums, dass 600 m Höhe und 1.500 m Seitenabstand immer eingehalten waren und daher zu keiner Zeit keine Gefahr bestand, ist schlichtweg menschenverachtend und verkennt das große Gefahrenpotential, das hier zusätzlich durch solche Flugmanöver ausgelöst wird.
 
Wie soll man Vertrauen in die Politik bekommen, wenn die Sicherheitsvorsorge so mit Füßen getreten wird. Die Menschen, die in der Nähe solcher kerntechnischen Anlagen leben müssen, haben an sich schon ein viel höheres Risiko zu tragen. Muss man dies mit unverantwortlichen militärischen Übungsflügen noch herausfordern?
 
Ich möchte Sie bitten, sich bei unseren „Verbündeten“ aber auch im eigenen Verteidigungsministerium dafür einzusetzen, dieses sträfliche Vorgehen einzustellen.
 
Der Krug sollte nicht so lange zum Brunnen gehen bis er bricht.
 
Hier wäre der politische Wille ausreichend, um ein an sich schon sehr hohes Gefahrenpotential nicht noch weiter zu erhöhen.
 
Ich halte nichts von der Argumentation vieler Gemeinden und Landkreise, dass hier bei uns keine Zuständigkeit liegt und ich fühle mich verpflichtet, mich zu Wort zu melden. Denn sollte eine Katastrophe eintreten sind wir es die dann in die Pflicht genommen werden, um uns um unsere Bevölkerung zu kümmern.
 
Ein Abdruck dieses Schreibens geht an alle Stimmkreisabgeordneten und an das Verteidigungsministerium.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Hans Fischer
1. Bürgermeister

 

ul
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

»Alle 9 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

fam. feuerstein (2510 Kommentare) am 06.03.2011 13:54

Die Kampfjets können genau so gut ÜBER

das Fichtelgebirg´, die einsame Rhön oder den schönen stillen Steigerwald donnern....

ABER AUSGERECHNET ÜBER EIN ATOMKRAFTWERK ??? traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig

DAS

befürworten wir auch nicht !!! traurig
(0)
Sunnyboy97 (1035 Kommentare) am 05.03.2011 10:31

Wetten, dass

das ganze Larifuf absolut Nichts bringt? Frau M. muss doch weiterhin tief in den Enddarm unserer Besatzungsmacht kriechen! traurig
(0)
tungsten (24 Kommentare) am 05.03.2011 09:29

Amerikanische Medien

Wir wissen aus Erfahrung, wie wenig bei uns Appelle an die Verantwortlichen nutzen; im besten Falle wird die Sache hinausgezögert bzw. in die unterste Schublade gelegt oder stur ausgesessen.
Ein wirksamer Weg könnte sein, sich an amerikanische Medien zu wenden. Die amerikanische Öffentlichkeit ist oft sehr sensibel, hat man doch immer noch das Atom-Unglück vom 30. 03. 1979 in Harrisburg / Pennsylvania vor Augen. So wäre es vorstellbar, dass sich dort Umweltgruppen aktivieren und öffentlich protestieren. Im Zeitalter von Facebook und anderen modernen Kommunikationstechnik könnte das sehr effektiv und damit erfolgreich sein.
(0)
punkbone (700 Kommentare) am 04.03.2011 18:22

der Brief landet in den Weiten des Bundestages...

Frau Merkel bekommt täglich hunderte Briefe um diese persönlich alle zu lesen und zu beantworten hat Sie keine Zeit und keine Lust.

Einfachste Methode: Kernkraftwerk ausschalten und die Sache ist erledigt. zwinkern
(0)
KuSKom (163 Kommentare) am 04.03.2011 16:43

Sofort abschalten der Trettmine

Wegen dieser Gefahr da das KKW nicht gegen Flugunfälle gesichert ist, ist diese doch eine Tretmine für Terroristen. Da frage ich mich auch was die anderen Gemeinden machen.
Gut ist , das sich heute wieder mehr Bürger sich Informieren und diesen Wahnwitz diere Ungelösten unsicheren Energieform ablehnen, nur die Bevölkerung wurde hier nie gefragt ob Sie diese Tretmine mit den vielen Hochspannungsleitungen über Ihren kopf haben wollen, ja die Regierung die die Verlängerung und für die Sicherheit zuständig ist wurde durch das palementarische Wahlsystem gewählt.
(1)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Direkt zur Redaktion 

E-Mail, Telefon und Brief
Auf diesem Weg finden Ihre Informationen den direkten Weg zu unserer Lokalredaktion. »mehr
    
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
Anzeige
    

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
    
    
Anzeige
WG-Gesucht.de gibt Ihrer Region eine Stimme

Hier finden Sie Ihre WG in Schweinfurt.

WG-Gesucht.de, die kostenlose WG-Börse im Internet.

    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr
    
    

Meine Maschine und ich 

Außergewöhnliches
Wir stellen Menschen vor, die eine besondere Beziehung zu einem technischen Gerät haben. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr