publiziert: 23.02.2010 12:41 Uhr
aktualisiert: 23.02.2010 12:42 Uhr
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Karrieren im Zweiten Bildungsweg

Fortsetzung der Bayernkolleg-Reihe „Lebenswege“ – Ehemalige berichten
  • Ehemalige am Bayernkolleg: Sie haben ihr Abitur auf einem Umweg, aber dennoch Karriere gemacht. Über ihre Lebenswege berichteten ehemalige Bayernkollegiaten (von links), eingerahmt vom Schülersprecher Omid Haji (ganz links) und Schulleiterin Johanna Bonengel (ganz rechts): Roland Meder, Moderatorin Ilse Gebhardt-Gögercin, Sabine Dittmar, Beate Glotzmann und Dag-Michael Philipp.
    Foto: Bayernkolleg
Bild von

(hh) „Was aus uns geworden ist“. Das ist das Motto einer Veranstaltungsreihe des Bayernkollegs, vom Förderverein der Schule initiiert und seit Jahren beliebtes Forum zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch. Dieses Mal waren vier ehemalige Absolventen zu Gast.

Schulleiterin Johanna Bonengel betonte in ihrer Begrüßung, dass die Schüler live erleben könnten, was man aus seinem Leben machen kann: „Man muss nur die Lust haben, sich neu zu finden.“ Eine Talkrunde mit Bayernkolleg-Lehrerin Ilse Gebhardt-Gögercin stand am Anfang. Die Runde zeigte deutlich, welche Bedeutung der Zweite Bildungsweg für das Leben der Ehemaligen hatte.

Sabine Dittmar legte 1985 am Bayernkolleg ihre Abitur ab, studierte Physik, dann Medizin und ist heute in Maßbach als Ärztin niedergelassen. Seit Herbst 2008 sitzt sie für den Landkreis Bad Kissingen als SPD-Abgeordnete im Landtag. Da sie aus einfachen, im heutigen Sprachgebrauch „bildungsfernen“ Verhältnissen stamme, sei es für ihre Eltern nie eine Überlegung gewesen, die Tochter auf eine weiterführende Schule zu schicken. Auch sie selbst habe mit zehn Jahren die Bedeutung des Lernens noch nicht erkannt gehabt. Erst mit 14 habe sie „mit Erstaunen begriffen“, dass Lernen Spaß machen kann und neue Wege eröffnet. So habe sie nach dem Quali zunächst eine Ausbildung gemacht, die Mittlere Reife erworben und sich dann am Bayernkolleg beworben. Dass die Ausbildung finanziell durch BAföG unterstützt wird, „hat meine Entscheidung erst möglich gemacht“, betonte Sabine Dittmar.

„Der Zweite Bildungsweg hat mir ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, ich wäre längst nicht da, wo ich heute stehe“, berichtete Beate Glotzmann (Abiturjahrgang 1990). Sie habe sich in den ersten Wochen erst wieder an das „still Sitzen in einer Schulbank gewöhnen müssen“, nachdem sie vorher fünf Jahre lang als Arzthelferin auf den Beinen war. Glotzmann studierte nach dem Abitur Geografie und leitet heute seit einigen Jahren die Tourismusinformation der Stadt Gerolzhofen. Ihrer Aussage schlossen sich auch die beiden Männer an. Dag-Michael Philipp (Abi 1995) war Krankenpfleger, bevor er beschloss, das Abitur nachzumachen. Alles, was ihm die Schule bot – vom Sprachunterricht über die Naturwissenschaften bis hin zu den frei wählbaren Theater- und Musikkursen – habe er „aufgesogen“ und sich die Grundlage geschaffen, um selbstbewusst seinen beruflichen Weg zu finden. Ein Studium des Verkehrsingenieurswesens in Leipzig führte ihn schließlich zu dem, was ihn heute beruflich ausfüllt: Er ist Leiter des Traffic Managements der DB Schenker Rail und koordiniert die europaweiten Transportketten im Schienengüterverkehr.

Roland Meder umschrieb seinen Lebensweg mit den Worten: „Umwege erhöhen die Ortskenntnis.“ Als gelernter Kfz-Elektriker kam er 1989 ans Bayernkolleg, 1992 Abitur, dann Forstwissenschaftsstudium in Freiburg. Nach erfolgreichem Abschluss nahm er eine Stelle in Bad Brückenau an, wo er als Agenda-21-Koordinator für die nachhaltige Kommunalentwicklung zuständig war. So kam er zur Politik, bewarb sich zurück nach Freiburg, wo er heute in der Stabsstelle des Bürgermeisters arbeitet und den Kulturbereich leitet. In die Talkrunde mischten sich immer wieder die interessiert lauschenden Schüler ein.

    
    

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