aktualisiert: 21.12.2010 17:12 Uhr
Text
Text
SCHWEINFURT
Keßler-Rosa verlässt die CSU
Diakoniechef behält Bezirkstags-Mandat als Parteiloser – Haderthauer gab letzten Anstoß
Der Bezirksrat und frühere Stadtrat Jochen Keßler-Rosa ist aus der CSU ausgetreten. Der 53-Jährige bestätigte auf Anfrage seinen Schritt nach 16 Jahren Mitgliedschaft. Als Gründe nannte der Chef des Diakonischen Werks das Fehlen jedes sozialpolitischen Spektrums bei der Schweinfurter CSU und das „offensichtliche Desinteresse an sozialpolitischen Themen im Austausch mit mir“. Allein hätte das gleichwohl nicht genügt: Ausschlaggebend seien die zahlreichen Aussagen und Auftritte von Sozialministerin Christine Haderthauer etwa zu Hartz-IV-Empfängern und Asylbewerbern in jüngerer Zeit gewesen.
Diesen „Populismus in Richtung Abgrenzung auf Stammtischniveau“ habe er als Geschäftsführer eines großen Wohlfahrtsverbandes nicht mehr tolerieren können, es ihm letztlich unmöglich gemacht, das CSU-Parteibuch zu behalten.
Keßler-Rosa wird allerdings sein Mandant als Bezirksrat behalten. Als jetzt Parteiloser wird er weiterhin der CSU-Fraktion im Bezirksgremium angehören, das sich ja bekanntermaßen sozialen Themen zu widmen hat. Diese „Einladung“ habe er, zumal sie auch seinem Wunsch entspreche, „gerne angenommen“. Sie drücke auch aus, dass er zumindest im Bezirkstag respektiertes Mitglied sei.
Keine sozialen Themen
Keßler-Rosa, als Bezirksrat kooptiertes Mitglied im CSU-Kreisvorstand, hat auch bei diesen Zusammenkünften jede Diskussion um soziale Themen vermisst. „Sie standen nicht auf der Tagesordnung“, bedauert er. Aber auch auf anderen Ebenen habe es keinen Gesprächsfaden zu ihm gegeben. „Die Junge Union hat mich schon vor zwei Jahren zu einem Gespräch einladen wollen, es hat bis heute nicht stattgefunden“. Der Schweinfurter CSU habe nichts an „mir und meiner Lebens- wie Berufserfahrung gelegen“. Soziales sei nur dann Thema gewesen, wenn „ich es initiiert habe“.
Der Diakoniechef bestätigte, dass ihm der Schritt nicht leicht gefallen sei. In einem Schreiben an die CSU habe er im Oktober noch ein Umdenken gefordert, seine Mitgliedschaft da lediglich als ruhend erklärt. Der Austritt sei auch keine „verspätete oder gar beleidigte Reaktion“ auf seine gescheiterte Kandidatur als OB-Kandidat. Er habe die Entscheidung für Remelé als demokratischen Vorgang respektiert, allerdings auf neue fachliche soziale Ansätze gehofft.
Als in den städtischen Haushaltsberatungen kein einziges soziales Thema seitens der CSU eingebracht worden sei, als weder die vorhandene Armut noch die Themenbereiche Nachbarschaftshilfe und Ehrenamtsbörse „eine Rolle gespielt haben“, habe ihm das gezeigt, dass „sich nichts ändert“. Fortgesetzt habe sich leider auch, dass er als der „OB-Kandidat mit der sozialen Komponente“ für die CSU nach wie vor kein Gesprächspartner ist.
Und schließlich Haderthauer. Keßler-Rosa erinnerte an den viel kritisierten Auftritt der Ministerin bei der Eröffnung der Unterfrankenschau, der wenig mit der Beteiligung zu tun gehabt habe, die die CSU als eines ihrer Merkmale bei der Mitgliederbewerbung vorgebe. „Es geht mir auch um den Respekt vor jedem einzelnen Geschöpf Gottes“, sagte Keßler-Rosa, der ja auch Pfarrer ist, bewusst.
Keine Kriegserklärung an die CSU
Der 53-Jährige, der seit 1992 in Schweinfurt wirkt, betonte ausdrücklich, dass sein Schritt keine Kriegserklärung an die CSU sei. Er bleibe gleichwohl weiterhin ein „politischer Mensch“, sprich, er wird seine Meinung sagen, sich einmischen. Ein Wechsel zu einer anderen Partei stehe „nicht zur Diskussion“, wenn es im Vorfeld der OB-Wahl auch Kontakte gegeben habe, gab er unumwunden zu.
CSU-Kreischef Hans-Gerhard Stockinger bedauerte den Schritt des Bezirksrates „außerordentlich“, wenngleich „ich Verständnis für sein Handeln habe“, ergänzte er seine Stellungnahme vielsagend.
Diesen Artikel
»Alle 8 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
|
christopher (52 Kommentare) am 23.12.2010 10:55
Austritt war FehlerIch sehe seinen Austritt als Fehler. Wenn er beklagt, dass der soziale Flügel in der Partei zu klein ist, dann darf er als Gallionsfigur nicht das Schiff verlassen: Und ich denke, der soziale Flügel hat auch Akzente gesetzt. Ich erinnere an das Familienbauförderprogramm oder die Vereinsförderung. Leider ist halt in Zeiten knapper Kassen nicht alles wünschenswerte auch finanzierbar. Der soziale Haushalt nimmt - auch in Schweinfurt - den größten Posten im Haushalt ein.Keßler-Rosa wäre auch beinahe als OB-Kandidat aufgestellt worden, das zeigt doch, wie ernst man Sozialpolitiker auch in der CSU nimmt. Sein Verweis auf Frau Hadertauer überrascht mich aber. Jeder, der sich ein bisschen in der Landespolitik auskennt, weiß das die gebürtige Norddeutsche ein großes Mundwerk hat und wenig (?) dahinter. Das ist schon seit Jahren so und eigentlich kein Grund auszutreten |
(0)
|
![]() |
-kfk- (170 Kommentare) am 23.12.2010 22:02
Familienbauförderung = soziale NullnummerWenn Sie das Familienbauförderprogram für eine soziale Großtat halten, ist wohl auch bei Ihnen der Blick fürs sozial Wesentliche schon abhanden gekommen. Im Rahmen dieses Programmes wurde einigen wenigen Familien, die wahrscheinlich ohnehin genug Geld haben/hatten, um sich ein Haus zu bauen/zu kaufen, ein fünfstelliger Geldbetrag geschenkt. Das war/ist wohl die Fördermöglichkeit, die mit Abstand den geringsten sozialen Wirkungsgrad hat. Für mich ist dieses Förderprogramm eine soziale Nullnummer, da hätte es Dutzende besserer Verwendungsmöglichkeiten gegeben.Früher förderte die Stadt den Bau von Sozialwohnungen z.B. durch zinsgünstige Förderdarlehen (die dann wieder an die Stadt zurückflossen, wodurch die Mittel erneut verwendet werden konnten) oder verbilligte die Sozialmieten durch die Gewährung von Zinszuschüssen. Diese Förderung kam dann für viele Jahre Hunderten von Haushalten (und nicht nur einigen wenigen) zugute, die sich aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse nicht einmal den Gedanken an einen Hausbau leisten konnten. |
(1)
|
![]() |
christopher (52 Kommentare) am 24.12.2010 11:35
Argumente aus dem KlassenkampfSorry, aber sie argumentieren folgendermaßen: "wahrscheinlich" "für mich ist"... das ist doch keine objektive Argumentation. Es geht bei dem Wohnförderprogramm nicht um sozialen Neid, sondern darum, dass junge Familien hohe Ausgaben wegen ihres Nachwuchses haben und dass es staatlich vernünftig ist - schon aus Selbsterhaltungszwecken wegen der demografischen Entwicklung - die junge Generation zu unterstützen. Ein Eigenheim ist die beste Alterssicherung und ein Schutz vor Verarmung im Alter in Zeiten unsicherer Renten. Ich wünsche außerdem jedem Kind, dass es ein Häuschen mit Garten hat, wo es mit seinen Geschwistern und den Haustieren herumtollen kann und nicht eine enge Sozialwohnung, wo die Kinder vor der Glotze abgestellt werden. Das ist mein Familienbild! Aber ich glaube in dem Artikel ging es doch um Herrn Keßler-Rosa und nicht um ein Familienförderprogramm, dass ich nur am Rande meines Kommentars gestreift habe, Herr kfk, oder? |
(0)
|
|
tom_jameson75 (19 Kommentare) am 22.12.2010 07:35
Christlichkeit in der täglichen ArbeitRichtig so. Soll sich auf seinen eigentlichen Job konzentrieren und für christliche(re) Bedingungen in den Pflegeheimen sorgen. Jetzt geht es aufwärts?! |
(0)
|
![]() |
axelk (75 Kommentare) am 22.12.2010 14:05
?Sehr geehrter Herr Jameson,leider verstehe ich Ihren Kommentar nicht. Würden Sie Ihre Meinung bitte noch einmal in anderen Worten ausdrücken. Vielleicht verstehe ich Ihre Intention dann. Vielen Dank! |
(0)
|
Direkt zur Redaktion
Gelesen
Kommentiert
|
|
SCHWEINFURT Sattelzug kippt mit 20 Tonnen Schrott um |
|
|
NIEDERWERRN 31-Jährige stürzt vom Balkon |
|
|
SCHWEINFURT Obere Straße freigegeben |
|
|
GEROLZHOFEN Faszination Storch: Adebar kehrt heim |
Prospekte
Beilagen
Stadtkultur Schweinfurt
Kunst und mehr Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
Fotografen und ihre Fotos
Grüsse aus der Region
Meine Maschine und ich
Recht auf Auskunft
Zeichen setzen
engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Wetter

















