aktualisiert: 18.04.2011 18:16 Uhr
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Kicken ohne hinzugucken
„Neue Sporterfahrung“ auch an der Trimbergschule in Niederwerrn
(ue)
Es hatte etwas von einem antiken Wagenrennen, das Duell der Rollstuhl- Basketballer in der Turnhalle der Hugo-von-Trimberg-Mittelschule: Stützräder krachten ineinander, Trittbretter prallten aufeinander, der orangefarbene Ball war hart umkämpft. Berührungsängste, nicht nur gegenüber dem Thema „Behindertensport“, wurden schnell abgebaut.
Tyron Zumbrunn, Trainer beim Behindertensportverein Schweinfurt (BSVS), achtete streng darauf, dass keiner der Schüler aufstand. Für die Niederwerrner Kinder war es nur eine Simulation. Allerdings steht der schnelle, kraftfordernde Sport auch Nichtbehinderten offen. „Rolliball“ geht in die Arme, man wirft von weiter unten. „Dunking ist nicht möglich“, sagt Zumbrunn, statt Höhenflügen mit Hineinstopfen des Balls in den Korb sind Ausdauer und Koordination gefragt, vor allem beim Dribbeln und gleichzeitigen Ziehen am Greifring der Räder.
Die Gefährte sind nicht ganz billig, über 3000 Euro kostet ein Sportrollstuhl, gefragt sind großzügige Sponsoren. Das Projekt „Neue Sporterfahrung“ wirbt jährlich an 150 Schulen um Verständnis und Toleranz für Menschen mit Behinderung – nun auch in Niederwerrn und Werneck. In Niederwerrn war der Bremer Christian Weber dabei.
Nebenan trainierte der Würzburger Bundesligaspieler Marcel Heim Blindenfußballer, die mit Schaumstoff-Kopfschutz und blickdichten Brillen die einfachsten Bewegungen lernen mussten. Jeweils vier „blinde Spieler“ und ein „sehender“ Torwart bilden ein Team, zwei Rufer dirigieren vom Rand den rasselgefüllten Klingelball. Der Sport hat seine eigene Würde und Ästhetik.
Nach ein paar Aufwärm-Übungen mit Rollstuhl und Basketball beziehungsweise im Blindenfußballfeld ging es los, je eine Stunde lang waren die Mittelschul-Klassen mit Elan dabei. Toleranz, Verständnis und Hilfsbereitschaft wecken, darum ging es Schulleiterin Ute Kempf, die das Projekt erstmals an die Wern holte – außerdem um eine Lebenserfahrung für die Schüler: im Sport wie im Leben ist alles eine Frage der Kommunikation.
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