aktualisiert: 16.03.2009 19:03 Uhr
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GRAFENRHEINFELD
Kleiner Anlauf und der Funke springt über
Varieté-Show begeistert die Besucher
Ins Varieté entführte Pierre Ruby die Besucher des Frühlingserwachens am Samstagabend. Dabei erwies sich die Kulturhalle mit ihrer ausgeklügelten Licht- und Tontechnik als perfekter Veranstaltungsraum, in dem die Künstler zur Glanzform aufliefen.
Den Franken wird Zurückhaltung und ein gerüttelt Maß an Introvertiertheit nachgesagt. In gewisser Weise ist dieses Vorurteil wohl gerechtfertigt, denn Ruby brauchte einen zweiten Auftritt für das Opening, um sein Auditorium zu ähnlich frenetischen Beifallsstürmen zu motivieren wie es Gottschalk in seiner Show gewohnt ist (O-Ton Ruby: „Ich liebe Wetten dass . . .“).
Dann aber sprang der Funke ständig über zwischen Darstellern und Publikum. Treppensteigen ist keine Kunst. Mountainbiker und BMX-Fans bringen das auch mit dem Fahrrad fertig. Dustin Waree zeigte mit seiner Einrad-Artistik, dass es auch ganz außergewöhnliche Wege gibt, 15 Stufen Höhe zu überwinden. Aber auch das war ihm offensichtlich noch zu langweilig. Denn flugs suchte er sich eine Schönheit aus der ersten Reihe als Assistentin aus. Diese bestätigte, dass die ihr gereichte Augenbinde absolut blickdicht ist. So tastete sich Waree zu seinem Einrad, um sich dann die Stufen hochzuarbeiten bis zum Podest in fast zwei Metern Höhe. Eine waghalsige Aktion. Das Publikum hielt den Atem an.
Einfach komisch dagegen: Der Magier Gerhardi, der – mit drei Beinen und drei Armen – genüsslich nahm die Tricks großer Magier auf die Schippe nahm. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als sie das vielfältige Talent des harmlos scheinenden Gerhardi später als Doc Shredder (wie zerreiße ich eine Papierrolle so, dass eine vier Meter hohe Leiter daraus wird?) und als den männlichen Part von Lex und Alina sahen. Letztere verblüfften durch sekundenschnelle Verwandlungen. So machten sie in ihrem knapp zehnminütigen Auftritt die gesamte Abendgarderobe eines normalen Ehepaares durch.
Die schöne Alina schaffte es sogar – an einen Pfosten gefesselt – sich in wenigen Sekunden ihrer schwarzen Abendgarderobe zu entledigen, um mit den gleichen Fesselstricken in einem knielangen blauen Kleid wieder aufzutauchen. Jeder sah, warum dieses Paar den Titel „Künstler des Jahres 2008“ erhalten hatte.
Für weitere artistische Höhepunkte sorgte DJ Wheels mit Balanceakten auf wackeligen Röhren und einem schwungvollen Intermezzo in einer Mini-Halfpipe auf Rollschuhen. Eine ganze Reihe von Stars zauberte Stimmenimitator Mr. Tomm auf die Bühne. In schneller Reihe gaben sich die Blues Brothers, Eros Ramazotti, Joe Cocker, Elvis Robin Gibb und viele andere das „Mikro“ in die Hand. Menschliche Marionetten der Doll Company schließlich beschlossen mit ihren „Nanaischen Puppenspielen“ den Varietéreigen.
Ruby verband die Programmpunkte in souveräner Art im Zwiegespräch mit seinen Bauchrednerpuppen Herr Esel, Weinbergschnecke Resi und Nilpferd Amanda. Mit seinem eigenen Programm „Hutrausch“ bewies er, wie viele unterschiedliche Figuren – von Napoleon über die Jedi-Ritter bis hin zu Seeräubern – sich mit einem zehn Zentimeter breiten Hutring darstellen lassen.
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