publiziert: 06.01.2012 14:13 Uhr
aktualisiert: 06.01.2012 14:14 Uhr
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Linken-Landesvorsitzende erklärt ihren Rücktritt

Eva Mendl leitete auch das Bürgerbüro der Linken in der Hadergasse – Umzug mit Mann nach Sachsen
  • Eva Mendl: Gregor Gysi ist die Linke räumlich wieder näher.
    Foto: Ruppert
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Als die Linkspartei nach heftigen Personalquerelen im April 2010 Eva Mendl und Michael Wendl (München) auf einem Sonderparteitag in Schweinfurt zum neuen weißblauen Führungsduo auserkoren hatte, lenkten die Nachnamen ein wenig von den Streitigkeiten ab. Mendl/Wendl, das hatte was für die Medien. Aber nicht lange, weil der männliche Teil des neuen Landes-Duos zwei Monate später wieder genug hatte. Und nun ist auch Eva Mendl abgetreten. Die 56-Jährige ist nach Sachsen umgezogen, in die Nähe von Zittau. Daher stammt ihr Mann Ulrich Wernicke, den es offensichtlich zurückzog.

2006 kam Eva Mendl aus Berlin, wo sie viele Jahre Stadträtin für die PDS war, nach Unterfranken. Sie lebte mit ihrem Mann in Obertheres. Beide arbeiteten in Schweinfurt, sie im Bürgerbüro der Linken in der Hadergasse. Mendl engagierte sich wie schon in Berlin weiter in der Politik, seit 2008 als Kreisrätin in den Haßbergen, als zweite Sprecherin im Kreisverband der Linken Main-Rhön, sie trat als Landratskandidatin an und wurde im April 2010 eben Parteichefin in Bayern.

Und da gab es weiter mächtig Zoff. Der erbitterte Feind des hiesigen MdB Klaus Ernst, der Ex-Landeschatzmeister Ulrich Voß, hatte die Linken mit dem Vorwurf manipulierter Mitgliederzahlen bundesweit in Misskredit gebracht. Beim legendären Landesparteitag Ende 2010 in Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth kam Voß mit seinem Rücktritt seinem Sturz zuvor.

Voß war bei diesem Parteitag aber auch der Mitinitiator für Angriffe auf Mendl. Der Versuch scheiterte aber, die Co-Landesvorsitzende – Xaver Merk aus Neu-Ulm war für Wendl aufgerückt – aus dem Ernst-Lager überstand den Abwahltantrag und später auch ein Parteiausschlussverfahren.

Das alles hat wohl an der kämpferischen Frau genagt. „Politisch gab es keinen Grund zu gehen“, sagt Wolfgang Ziller. Der Schweinfurter, seit 2008 Mitglied im 20-köpfigen Landesvorstands der Partei, erinnert, dass sogar schiedsgerichtlich bestätigt worden sei, dass die Manipulationsvorwürfe contra Mendl „abstrus waren“.

Hauptgrund für die Entscheidung, Unterfranken zu verlassen, sei die erfolgreiche Jobsuche ihres Mannes, sagt der mit dem Paar auch befreundete Ziller. Mendl habe ihren Rücktritt schriftlich angekündigt, bei der letzten Linken-Vorstandssitzung 2011 dann auch noch einmal persönlich vorgetragen.

Beim Landesparteitag im April 2012 in Weilheim werden sämtliche Funktionen neu gewählt. Ob dem verbliebenen Landeschef Xaver Merk bis dahin kommissarisch ein(e) Co zur Seite gestellt wird, glaubt Ziller eher nicht.

Mendl ist bei der Vorstandssitzung am 17. Dezember 2011 auch gleich verabschiedet worden, Ziller mutmaßt, dass das beim Parteitag noch einmal offiziell geschieht.

Das von vier der sechs Linken-MdB Bayerns – darunter der ehemalige Schweinfurter IGM-Chef Klaus Ernst – finanzierte Bürgerbüro in der Schweinfurter Hadergasse, das Mendl bis zuletzt leitete, wird wieder besetzt. Das bestätigte der Schweinfurter Linkenchef und Stadtrat Sinan Öztürk. Er rechnet sogar mit einer Aufwertung: Mendl war in Teilzeit tätig, über Vollzeit werde nachgedacht. Die Stelle ist ausgeschrieben, die Vakanz soll schon im Februar beendet sein. Ziller fordert die Besetzung mit einer Kraft, die die Region und die Wähler in Schweinfurt kennt.

Mendls Sitz im Kreistag Haßberge nimmt Sabine Schmidt aus Sand ein. Im Kreisausschuss ist sie schon verabschiedet worden. Haßberge-Landrat Rudolf Handwerker dankte Mendl dabei für ihre konstruktive Arbeit. Mendl war wegen des Umzugs nicht erreichbar. Dass sie auch in Zittau weiter politisch tätig sein wird, ist aber anzunehmen, zumal eine Aussage beim Abschied aus Schweinfurt lautete: „Ich bin ein zutiefst politischer Mensch."

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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Die neuesten Kommentare

Kuchen (6 Kommentare) am 08.01.2012 14:36

abstruse Mitgliedszahlen

lt. website der Bundeslinken hatte die Bayern-Linke ende 2009 3218 Mitglieder, ende 2010 waren es nur noch 2847. Fürs letzte Jahr sind noch keine Daten veröffentlicht, aber es werden noch Wetten angenommen. Im Landesverband des Klaus Ernst Vorgängers an der Parteispitze der Linken, im Saarland mussten fast 1000 Mitglieder nach ähnlichen Manipulationsvorwürfen gestrichen werden. Die Piratenpartei hat derzeit übrigens 4100 Mitglieder in Bayern, ob die alle auch brav ihren Beitrag zahlen, ist nicht bekannt.
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