aktualisiert: 05.02.2012 17:05 Uhr
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Mein Wochenende: Die Ketten rasseln nicht mehr
Am Küchenfenster sehe ich die Heeresstraße. Dort donnern noch manchmal die Panzer runter ins Dittelbrunner Tal, bremsen und quietschten, dann drehen die Motoren hoch. Weiter geht es Richtung Schießhaus.
Auf dem Balkon stand ich schon manchmal in aller Frühe, weil die Amis zu nachtschlafender Zeit nicht nur marschieren, sondern zu Links, Zwei, Drei und Vier singen, also lärmen. Mich ärgert, dass ich mit dem Auto nicht über die Heeresstraße nach Niederwerrn fahren darf, noch mehr, dass ein nicht zu kleiner Rest der Welt dies trotz des Verbotes macht.
In wenigen Jahren ist es damit aus und vorbei. Beim Wandern muss ich dann nicht mehr von der Straße, um stählernen Kolossen Platz zu machen. Ich werde dort allerdings sowieso nicht mehr wandern, weil künftig erlaubt und deshalb ohne Unterlass die Autos von meinem Balkon bis nach Niederwerrn fahren werden. Ich werde dort nicht mehr wandern, weil die Dittelbrunner den Sonnenteller vergrößern und Baugebiete nicht zu meinen bevorzugten Freizeitzielen gehören.
Ich werde sicherlich noch oft auf dem Balkon stehen und an die Amis denken, die eigentlich gar nicht so oft gefahren und marschiert sind oder gesungen haben. Und nur noch in der Erinnerung gibt es dann auch die Rehe, die an der Heeresstraße standen und schauten, warum und welche Zweibeiner vor Sonnenaufgang mit dem Sack auf dem Rücken durch die Landschaft hechelten.
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