publiziert: 18.11.2010 16:10 Uhr
aktualisiert: 22.11.2010 16:46 Uhr
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Namen erinnern an das Grauen

Auch den 20 deportierten Gerolzhöfer Juden wird in Würzburg ein Denkmal gesetzt
  • Wider das Vergessen: Das Denkmal am so genannten Platz'schen Garten in Würzburg, das an die Deportation der Juden aus Unterfranken erinnert, mit dem Künstler Pater Meinrad Dufner. Auch für 20 Bürger aus Gerolzhofen begann hier die Fahrt in die Vernichtungslager.
    Foto: Thomas Obermeier
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(novo) Die Reichspogromnacht 1938 signalisiert den Beginn der brutalen Verfolgung der Juden. Zwei Jahre später begann 1940 ihre systematische Ermordung. Am ehemaligen Platz'schen Garten in Würzburg wurde nun ein neues Denkmal eingeweiht, das an die Opfer der Deportationen aus Unterfranken, darunter 20 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Gerolzhofen erinnern soll.

Ein geladener Kreis aus Kirchen, Politik und des gesellschaftlichen Lebens gedachte bei der Enthüllung der Pogrom-Nacht vom 9. auf den 10. November vor 72 Jahren. Unter den Gästen waren auch zahlreiche Vertreter vieler betroffener unterfränkischer Städte und Gemeinden erschienen.

Aufgrund ihres persönlichen Engagements waren aus Gerolzhofen Altbürgermeister Hartmut Bräuer und seine Frau Evamaria gekommen, die das Erinnerungsprojekt beide aktiv begleiten.

Evamaria Bräuer vertritt in der Projektgruppe, unterstützt von ihrem Mann, die in Vernichtungslagern umgekommenen 20 jüdischen Mitbürger aus Gerolzhofen, die mit dem dritten von sechs Transporten 1942 von Würzburg aus deportiert wurden.

Evamaria Bräuer verfasst auch ihre jeweiligen Biografien für die Internet-Seite www.wir-wollen-uns-erinnern.de.

Drei verlorene Schuhe

Das neue Denkmal soll an die Massendeportationen von Juden erinnern, die in Unterfranken im November 1941 begannen. Jüdische Bürger mussten sich damals im Platz'schen Garten sammeln und von dort aus zu Fuß zum Hauptbahnhof oder zum Verladebahnhof Aumühle marschieren. Von da begann dann die Fahrt mit Viehwaggons der Reichsbahn in den Tod.

Das Gelände in Würzburg entlang des Friedrich-Ebert-Rings gehört heute zum „Haus St. Benedikt“ der Abtei Münsterschwarzach. Entworfen wurde das in den Werkstätten der Abtei geschaffene Mahnmal vom Münsterschwarzacher Benediktinerpater und Künstler Meinrad Dufner. Er hat in das Kunstwerk die früheren Treppen aufgenommen, eine Jugendstilsäule und den Zaun. Ins Mauerwerk sind die Namen der Vernichtungslager und die Deportationsdaten eingraviert.

Auf den Treppenstufen aus rostigem Metall liegen drei verlorene Schuhe (aus Eisen) – ein Männer-, ein Frauenschuh und ein Kinderschuh als Symbol für die jüdischen Menschen aus ganz Unterfranken, die sich hier am Eingang zu Würzburgs damals bekanntestem Tanzlokal versammeln und dann unter Bewachung zum Verladebahnhof Aumühle laufen mussten. Ganze Familien wurden damals im KZ ausgelöscht.

Jeder der diese Schwelle sieht, kann sofort begreifen, dass mit den Besitzern der Schuhe „etwas passiert sein muss“, so der Künstler zu seiner Intention. Das frühere Würzburger Tanzlokal ist fortan kein unbeschwerter Ort mehr.

Erinnerungsweg in Arbeit

Das Denkmal soll allerdings nur der Anfang eines geplanten Erinnerungsweges sein, der seinen Endpunkt am Verladebahnhof findet.

Zwischen dem 27. November 1941 und dem 17. Juni 1943 wurden von Würzburg aus bei den insgesamt sechs erwähnten Deportationen exakt 2063 unterfränkische Männer, Frauen und Kinder jüdischer Abstammung wie Schlachtvieh auf der Schiene in die osteuropäischen Vernichtungslager gebracht. Anschließend wurde der „Gau Mainfranken“ offiziell als „judenfrei“ gemeldet.

Die 20 jüdischen Mitbürger aus Gerolzhofen gehörten dem dritten Transport am 25. April 1942 an, der sie nach Izbica bei Lublin in Polen führte und bei dem allein 852 Menschen deportiert wurden. An ihr aller Schicksal soll am 20. Mai 2011 erinnert werden. Nur 41 der Deportierten haben das Grauen überlebt.

Bei der Gedenkveranstaltung werden Teilnehmer Schildern mit Namen und Herkunft der einzelnen Opfer tragen und von dem neuen Denkmal aus auf einem „Weg der Erinnerung“ zum ehemaligen Verladebahnhof laufen. Den Weg der Opfer machen elf Betonschwellen sichtbar, die entlang der Strecke als visuelle Hinweise in den Boden eingelassen werden. Daneben informieren Gedenkstelen über die einzelnen Deportationen. Auch am Ende des Erinnerungswegs wird eine Gedenkstele errichtet.

Was die Einweihung des Gedenkwegs 2011 anbelangt, so ist geplant, dass 20 Gerolzhöfer, darunter auch Realschüler, die jeweiligen Schilder mit den Daten der Gerolzhöfer Opfer tragen sollen.

Mehr über die Aktion im Internet unter www.wir-wollen-uns-erinnern.de

    
    

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