publiziert: 25.06.2010 18:24 Uhr
aktualisiert: 25.06.2010 18:32 Uhr
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Neubauer-Insolvenz: Wenn nicht mehr klar ist, wem das Getreide gehört

Bauernverband sucht nach Neubauer-Insolvenz nach neuen Sicherungsinstrumenten
  • Foto: Waltraud Fuchs-Mauder
    Insolvent: Seit Januar stand die Firma Neugebauer aus Schwanfeld unter vorläufiger Insolventverwaltung. Da ein Verkauf des gesamten Unternehmens scheiterte, wird es nun zerschlagen.
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(ac) Bei den Bauern kehrt keine Ruhe ein. Die Insolvenz der Firma R. Neubauer Agrarhandel in Schwanfeld sorgt noch immer für Ärger unter den Landwirten. Für viele steht fest: Das Unternehmen hat zu spät Insolvenz angemeldet.

Aus dem Insolvenzbericht, der der Redaktion inzwischen vorliegt, geht hervor, dass das Unternehmen offensichtlich seit Jahren nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet hat. Von Verlusten im sechsstelligen Bereich pro Jahr ist dort die Rede.

Zum Problem seien unter anderem langjährige Verträge mit Landwirten und Abnehmern geworden, heißt es in dem Bericht. Sie seien „wirtschaftlich nicht vorteilhaft“ gewesen. Beispielsweise habe das Unternehmen in Zeiten schlechter Ernten Getreide zu deutlich höheren Preise auf dem freien Markt zukaufen müssen, um Lieferverpflichtungen einhalten zu können. Einer der Gründe für die Verluste. Insgesamt sollen Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten von 1,2 und gegenüber Banken von 1,5 Millionen Euro entstanden sein.

Angesichts dieser Zahlen rechnen viele Bauern nicht mehr damit, dass sie nach Ende des Insolvenzverfahrens ihr Geld bekommen. „Es wird wohl schwer werden, überhaupt die Banken zu bedienen“, sagt ein Betroffener.

Martin Beßler hat den Geschäftsführer des Unternehmens angezeigt. 252 Tonnen Weizen hatte der Landwirt aus Zeuzleben bei dem Agrarhändler eingelagert und Gebühren dafür bezahlt. Nach der Insolvenz war das Getreide weg, Geld habe er nicht erhalten, sagt Beßler. Er klagte wegen Unterschlagung, Mitte Mai war die Verhandlung. Geeinigt habe man sich auf einen Vergleich, erzählt Beßler. Er soll zumindest einen Teil des Geldes bekommen. „Wenn ich aber Gerichts- und Anwaltskosten abziehe, bleiben gerade einmal zehn Prozent“, sagt Beßler.

Wie er haben auch andere Bauern Verluste zu beklagen, auch wenn sie zum Schutz ihres Eigentums einen sogenannten Eigentumsvorbehalt mit dem Agrarhändler vereinbart haben. Der erwies sich im Fall Neubauer jedoch als wirkungslos. Denn in den Lagerhäusern wurde das Getreide mehrerer Bauern gemeinsam gelagert und somit auch vermischt. Der Bestand änderte sich ständig, da immer wieder Ware aus dem Lager verkauft wurde. Deshalb kann nun nicht mehr festgestellt werden, wem die Ware in den Häusern letztlich gehört, denn auch der Agrarhändler hatte dort bereits erworbenes Getreide eingelagert. Ihren Anspruch, welcher Anteil an Waren ihnen gehört und wie viel Geld ihnen dafür zusteht, können die Landwirte deshalb nur zur Insolvenztabelle anmelden.

Für die Bauern ist das aber nur ein Teil des Problems. Denn: Eine Bank hat sich den Inhalt der Lagerhäuser Schwanfeld, Arnstein und Waigolshausen als Sicherheit geben lassen. Und weil das Getreide – wie oben beschrieben – keinem Landwirt eindeutig zuzuordnen ist, geht der Erlös aus dem Verkauf an die Bank. „Nur weil nicht auf jedem Korn steht, wem es gehört, geht das Eigentum nun an die Bank“, schimpft Beßler, „das ist die größte Sauerei.“ Schließlich haben die Bauern, nicht die Banken, das Getreide geliefert.

Wie solche Verluste künftig verhindert werden können, ist eine Frage, mit der sich auch der Bayerische Bauernverband (BBV) beschäftigt. „Es ist ein Thema, das wir hin- und herdiskutieren“, sagt Manfred Kraus, Geschäftsführer des BBV in Schweinfurt. Allerdings sei es „eine juristisch knifflige Geschichte“.

Seit drei Jahren suche eine Arbeitsgruppe mit Juristen, Vertretern der Erzeugergemeinschaften und Ehrenamtlichen des BBV nach Lösungen. Die Neubauer-Insolvenz – laut Kraus „eine der größeren im Erzeugerbereich“ – habe wieder verdeutlicht, dass das bisherige Instrumentarium mit Eigentumsvorbehalt und Treuhandkonten nicht ausreiche. Allerdings müsse die Lösung praktikabel sein, „kein Bürokratiemonster, sondern ein einfaches, schlagkräftiges Instrument“. Und das ist keine leichte Aufgabe. Man werde Zeit brauchen, sagt Kraus. Für die Ernte 2010 kommt die Lösung sicher zu spät.

    
    

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Die neuesten Kommentare

grufti113 (23 Kommentare) am 27.06.2010 01:19

Neubauer Insolvenz

In dieser Firma wurden Leute bezahlt die außer "Guten Morgen und Lohnabrechnungen" zu einem sehr gutem Gehalt, wenig beigetragen haben zum Bestand der Firma. Außerdem wäre interessant, wann Heinz Neubauer sein Einfamilienhaus an seine Ehefrau überschrieben ließ.Im Jahre 2002 bzw zum Ende des Jahres 2002 wurde Ihm die Bürgermedaille verliehen er sollte diese schnellstens zurück geben
da er sehr viele Leute betrogen und belogen hat. Ich verweise nur auf den vorstehenden Artikel.

KL
(1)
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