aktualisiert: 27.01.2011 15:07 Uhr
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SCHWEINFURT
Nur auf die Schulter geküsst?
Neues Operettentheater Salzburg begeistert mit Millöckers „Bettelstudent“ im Theater
Glückwunsch an die Salzburger Konzertdirektion Schlote: Mit der Gründung eines eigenen Operettentheaters vor zwei Jahren haben die Theatermacher sicher auch ihren Glauben an die Zukunft der Operette dokumentiert. Und dass sie dabei auf anspruchsvolle Pflege der klassischen Operette setzen, bewiesen Solisten, Ensemble, Chor und Orchester des Operettentheaters Salzburg nun zum ersten Mal im Schweinfurter Theater, und zwar sehr überzeugend: Mit ihrer Version von Karl Millöckers „Der Bettelstudent“ in der inspirierten Inszenierung von Lucia Meschwitz. Auch eine Zusatzvorstellung war schnell verkauft: zweimal also eine wohlklingende, kurzweilige Visitenkarte der gutgelaunten Operetten-Anwälte aus Salzburg.
„Der Bettelstudent“ spielt in Krakau im Frühjahr 1704 unter der Fremdherrschaft König Augusts des Starken von Sachsen. Der Gouverneur der Stadt, Oberst Ollendorf, ist außer sich, weil die von ihm umworbene Komtess Laura ihn mit einem Schlag ins Gesicht hat abblitzen lassen. „Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“. Zudem hat ihre Mutter, Gräfin Nowalska (Christine Kubelka) noch die gesamte „Sächsische Soldateska“ als ordinär heruntergemacht. Das schreit nach Rache. Die Gräfin sucht für ihre beiden Töchter nur adelige Freier? Die soll sie bekommen. Ollendorf schmiedet ein raffiniertes Komplott: Zwei im Gefängnis inhaftierte Bettelstudenten sollen als Fürst Wybicki und sein Privatsekretär die Töchter umwerben - bis Ollendorf die Komödie auffliegen lassen will.
Neben dem stimmigen liebevoll gestalteten Bühnenbild (Christine Sadjina-Höfer) fällt eine durch ein großes Podest geschaffene Spielfläche auf. Das ist einmal praktisch für die verschieden großen Bühnen einer Tournee, daneben gibt es dem gesamten Spiel irgendwie auch etwas Herausgehobenes, Besonderes. Und für das prächtig gestaltete Tableau des ersten Akt-Finales ist diese erhöhte Fläche direkt ideal. Dazu kommen die farbenfrohen prächtigen Kostüme aus dem Fundus des Salzburger Landestheaters.
Russi Nikoff als Oberst Ollendorf ist ein polternder eingebildeter Maulheld, wähnt sich als gerissener Drahtzieher und ist letztlich doch der Genasführte. Großartig seine Klage über den verschmähten Schulterkuss und sein Couplet „Schwamm drüber“. Auffallend ist das gleichmäßig hohe Niveau der gesanglichen und schauspielerischen Leistungen aller Solisten. Da wird es überflüssig, welcher der beiden Tenöre etwa die Höhen forciert oder welche der Sopranistinnen ein wärmeres Timbre hat. Daniel Zihlmann verkündet als stolzer Symon, dass er nach dem „Knüpfen manch zarter Bande“ nun zur Erkenntnis gekommen sei „Der Polin Reiz bleibt unerreicht“. Und seine Enttarnung, seinen Rauswurf quittiert der Lebenskünstler mit einem kecken „Ich hab kein Geld, bin vogelfrei“.
Seine Partnerin Cecilia Berglund als Laura verfügt wie Zihlmann über Charme und Spielfreude, wunderschön ihr Duett „Ich setz den Fall“. Das andere Liebespaar Jan (Stefan Reichmann) und Bronislawa (Susanne Rath) haben nur einen Wunsch „Nur das eine bitt‘ ich dich, liebe mich“. Das bulgarische Orchester unter Katalin Doman serviert mit Akkuratesse auch diese melodienselige Millöcker-Komposition, trägt wie der Chor und die Tanzsolisten zum guten Gelingen der Aufführung bei.
Von Anfang bis Ende begleitet ein kauziges sächselndes Männchen das turbulente Geschehen: Es ist der dem Hochprozentigen zugetane Kerkermeister Enterich. Komödiant Rollie Braun macht daraus eine umwerfend komisch-liebenswürdige Paraderolle. Großer langer Applaus für die Gäste aus Salzburg, für eine vorzügliche Ensembleleistung: Mit einem solch rundum gelungenen „Bettelstudenten“ ist nicht nur Polen, sondern auch das Genre Operette noch lange nicht verloren.
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