aktualisiert: 03.02.2012 17:50 Uhr
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MAINBERG
Oßwald steht
CSU-Bürgermeisterkandidat stellt sich in Mainberg unangenehmen Fragen – Gute Nachrichten und gute Worte vom Landrat
Martin Oßwald steht. Es ist zwar nicht unbedingt ein Fegefeuer, durch das er an diesem Abend im Mainberger Pfarrsaal muss. Aber es sind schon Fragen der unangenehmeren Art, die ihm die Bürger Volker Martin und Thomas Horling stellen. Der Bürgermeisterkandidat der CSU hat für sie keine bequemen Antworten. Und die überwiegende Mehrheit der Anwesenden goutiert das mit spontanem Applaus.
In der Heimatgemeinde des noch amtierenden Bürgermeisters Kilian Hartmann interessierten sich knapp Hundert für das Wahlkampfformat „Sie fragen, ich antworte“. Wie in jedem der neun Gemeindeteile hat Oßwald einen prominenten Mitstreiter eingeladen; Landrat Harald Leitherer war in Mainberg vorgesehen, die Situation des Landkreises darzustellen und das Hohelied auf den kandidierenden Parteifreund zu singen. Nach dem „erfolgreichsten Jahr in der Geschichte unseres Kreises“ war Ersteres für Leitherer kein Problem. Hohe Kaufkraft, niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Privatschulden: Gute Nachrichten verbreiten sich leicht.
Verlässlicher Partner
Aber auch die guten Worte über Martin Oßwald kommen dem Landrat leicht über die Lippen. Bei der Realisierung der neuen Realschule in der Gemeinde, bei der Vorbereitung der Altlastensanierung, da habe er in Kilian Hartmann und dessen Stellvertreter Oßwald „verlässliche Partner“ gehabt. Kontinuität in der Gemeindepolitik, das wäre Leitherer in diesen bewegten Zeiten das Liebste. Und für Kontinuität, das betont Oßwald, stehe er, „weil ich fit und erfahren genug bin, das Amt ohne weitere Einarbeitungszeit zu übernehmen“. Dass der Mitbewerber ihm sein Alter vorhält – Oßwald ist 61 –, findet er schäbig: „Die SPD will einen dann 65-Jährigen zum nächsten Ministerpräsidenten in Bayern machen“, verweist er auf Münchens OB Christian Ude, „ist Alter bei denen etwas anderes als bei uns?“
Das Modell mit einem jungen Bürgermeister an der Gemeindespitze und dem erfahrenen Mann weiter in zweiter Reihe, „nach dem Motto, wer Rottmann wählt, kann Oßwald trotzdem behalten“, werde es nicht geben: „Ich stehe nur als erster Bürgermeister zur Verfügung und kann der Gemeinde auch nur in dieser Position helfen.“
Helfen, bei der Bewältigung des demografischen Wandels (Schonungen wird älter und kleiner, in den kommenden 20 Jahren gehen Hunderte Einwohner verloren), helfen bei der Aufwertung der Ortskerne, beim Bau einer neuen Grundschule, einer „dringend benötigten Seniorenresidenz“ und bei der Entwicklung von Gewerbeansiedlungen am Standort Abersfeld, wo Oßwald nahe der Bundesstraße 303 gerne „eine Tankstelle und einen Einkaufsmarkt“ sähe.
In Mainberg interessiert man sich nicht nur für Mainberg. Auch wenn der Kampf um den Erhalt des Schlosses ein großes Thema ist, bei dem indes weniger die Lokalpolitik, mehr der Landkreis und der Freistaat Bayern gefordert sind. Volker Martin will von dem Kandidaten wissen, weshalb man die Schonunger Grundschule „in einem absolut stilvollen, erhaltenswerten Gebäude“ aufgeben möchte und partout einen Neubau hinter der Realschule anstrebt. „Die Sanierung wäre genauso teuer gewesen“, sagt Oßwald, „das Gebäude danach aber immer noch alt.“ Außerdem gebe es keinen Pausenhof, der Schulbus könne nicht anfahren. Punkt.
Kindergärten erste Priorität
Welche Konsequenzen der Kandidat aus dem sich abzeichnenden Bürgerschwund ziehe, fragt Thomas Horling. Ob es das Gemeindehaus in Hausen, den Anschluss von Rednershof, acht dezentrale Kindergärten überhaupt brauche? „Ich kann meine Gemeinde doch nicht jetzt schon aufgeben“, entgegnet Oßwald und ergänzt: „Die Kindergärten haben für mich erste Priorität – auch wenn das Geld knapp wird.“
Noch einmal wird Oßwald herausgefordert. Ob er auch an der durch seinen Vorgänger auf drei reduzierten Zahl jährlicher Bürgerversammlungen festhalten wolle, oder nicht doch lieber neun Veranstaltungen dieser Art in allen Gemeindeteilen abhalten wolle? „Nein“, sagt Oßwald, es gebe Bürgersprechstunden und bei besonderem Bedarf eben auch noch eine zusätzliche, von den Dorfbewohnern zu beantragende Versammlung. Und außerdem werde er auch nicht „sonntags auf drei Festen in der Gemeinde herumtanzen, sondern lieber bei einem bleiben und mit den Menschen reden“.
Der CSU-Mann, seit 1990 im Gemeinderat und früh in Verantwortung als Fraktionsvorsitzender, biedert sich an diesem Abend nicht an. Andere stehen für ihn auf: Kilian Hartmann, der frühere Gemeinderatskollege Peter Schmitt, Harald Leitherer. „Ich will Martin Oßwald, weil es auch nach dem 1. Mai gut weitergehen muss“, sagt Hartmann, seine Nachredner blasen ins selbe Horn. Der Kandidat aus Marktsteinach ist sichtlich zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Er hat sich nicht vor jeden Karren spannen lassen; aber gezeigt, dass er weiß, wo dieser hingezogen werden muss.
Von unserem Redaktionsmitglied
Holger Laschka
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Die neuesten Kommentare
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ditus (34 Kommentare) am 04.02.2012 09:51
Martin das hast Du doch nicht nötigIch war in allen Veranstaltungen von Stefan Rottmann. Dich habe ich dabei nie gesehen. In diesen Veranstaltungen hat Stefan Rottmann nur Aussagen gemacht, die von Wertschätzung Dir und dem amtierenden Bürgermeister Kilian Hartmann gegenüber geprägt waren. Schäbig war dabei nichts. Eventuell musst Du Dir Deine Informanden anschauen.Dietmar Güthlein |
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th.horling (92 Kommentare) am 03.02.2012 21:23
Kindergärten müssen erhalten werden!Ich habe Herrn Oßwald gefragt, welche Konsequenzen die deutlich sinkende Einwohnerzahl für die Gemeindepolitik haben wird. Ist es vor diesem Hintergrund und angesichts der geringen Finanzkraft Schonungens richtig, neue Infrastruktur aufzubauen (z.B. in Hausen und Rednershof)? Die Kindergärten waren nicht Teil dieser Frage. Ich bitte sehr darum, das richtig zu stellen, denn deren Notwendigkeit habe ich definitiv nicht in Zweifel gezogen. In meinen Augen müssen Kindergärten angesichts der demograhischen Entwicklung absolute Priorität haben. Vor allem müssen sich die Öffnungszeiten an den Wünschen berufstätiger Frauen orientieren.Thomas Horling |
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reporter_sw (3 Kommentare) am 04.02.2012 11:12
Drei FragenHallo Herr Horling, Sie haben nach meinen Aufzeichnungen drei Fragen gestellt, darunter die nach neuer Infrastruktur, aber auch die nach den Kindergärten - allerdings ohne Wertung. Ich habe nicht geschrieben, dass Ihnen Kindergärten nicht wichtig wären. Freundliche Grüße Holger Laschka |
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stefan86 (3 Kommentare) am 03.02.2012 16:45
Nur zur Klarstellung:Anders wie im Artikel beschrieben, habe ich keine Vorbehalte gegen Martin Oßwald's Alter. Im Gegenteil: Ich schätze ihn und seine Gemeinderatsarbeit sehr, was ich auch immer deutlich gemacht habe. Wer meine Veranstaltungen besucht hat, konnte sich davon selbst überzeugen, auch die Zeitung hat dies in ihrer letzten Berichterstattung so wiedergegeben.Wer tatsächlich mit der Diskussion um das Alter angefangen hat, ist aus dem beigefügten Artikel der Mainpost vom Juli 2011 ersichtlich: http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Die-Gemeinde-hat-mich-verdient;art763,6255321 Ich möchte an dieser Stelle aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Spitze der Gemeindepolitik, dazu zähle ich die Fraktionssprecher der SPD und CSU, aber auch 2. und 3. Bürgermeister, alle samt schon aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden sind und das 60. Lebensjahr überschritten haben. Es ist wichtig, dass sich alle Generationen im Rathaus wiederfinden und vertreten sind, gerade wenn es um eine Entscheidung für die nächsten 8 Jahre geht. Auch junge Menschen müssen Verantwortung tragen und nachrücken können: So wie es von den Altvorderen immer gefordert wird. Ich fände es sehr schade, wenn Martin Oßwald im Falle seiner Wahlniederlage sein Amt aus Trotz als Stellvertretender Bürgermeister niederlegt. Mich würde es freuen, wenn jung und alt zusammenarbeiten... und die Erfahrenen ihr Wissen an die nächste Generation weitertragen. Wenn ihm die Gemeinde so wichtig ist, dann führt er sein Stellvertreteramt weiter aus und bringt sich ein für unsere Heimatgemeinde. Meine Unterstützung hat Martin Oßwald sicher, egal ob Sieg oder Niederlage und so baue ich weiterhin auf einen fairen Wahlkampf. Stefan Rottmann, Bürgermeisterkandidat |
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