publiziert: 30.06.2010 17:33 Uhr
aktualisiert: 01.07.2010 07:55 Uhr
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Pfarrer Breitenbach muss aus der Dienstwohnung ausziehen

Bischof Friedhelm Hofmann kündigt dem Seelsorger von St. Michael die Dienstwohnung

Am Dienstag musste Roland Breitenbach, Pfarrer der kleinsten katholischen Gemeinde in Schweinfurt, zum Bischof nach Würzburg, zu dessen Aufgaben es in der Regel nicht gehört, Pfarrern im Ruhestand den Auszug aus der Dienstwohnung zu verordnen.

  • Weithin bekannter Seelsorger: Pfarrer Roland Breitenbach beim Motorradgottesdienst zu Beginn der Saison 2010.
    Foto: GAbi Kriese
  • Seine Tage sind möglicherweise gezählt: Das Dekanatszentrum in der Schultesstraße könnte abgerissen werden.
    Foto: Laszlo Ruppert
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Zur Unterstützung hatte Friedhelm Hofmann Generalvikar Karl Hillenbrand aufgeboten.

Der 74-jährige Breitenbach wollte noch zwei Jahre in der Wohnung bleiben, bei einem sanften Übergang von St. Michael in die Pfarreiengemeinschaft Heilig Geist/St. Kilian mitwirken. „Begonnene Projekte zu sichern, das war mein Ziel“, so Breitenbach. Doch jetzt muss er raus aus der Dienstwohnung, weil der neue Pfarrer für die drei Gemeinden, Joachim Morgenroth, vorerst nicht bei St. Kilian einziehen kann, weil dort die Wohnung erst noch renoviert werden soll. Allerdings kommt Morgenroth erst im November.

Seit Jahrzehnten erfolgreich

Breitenbach kam 1968 nach Schweinfurt, war fünf Jahre Religionslehrer am Olympia-Morata-Gymnasium, übernahm 1974 die Pfarrei St. Michael. Und diese verließ er auch nicht mehr, weil schon seit vielen Jahren klar ist, dass St. Michael nach der Ära Breitenbach keinen eigenen Pfarrer mehr bekommen wird.

Der Pfarrer war höchst erfolgreich, konnte alle Generationen und vor allem die Jugend für die Kirche begeistern. Bis zu 6000 Besucher kamen zu seinen Motorradgottesdiensten, bestens besucht ist sein „Ehe-TÜV“, was bei 1400 getrauten Paaren in der Pfarrei nicht verwundert. Zu den Jugendgottesdiensten kamen bis zu 1500 Besucher, nicht nur aus Schweinfurt, nicht nur aus ganz Unterfranken. Bei den Sonntagsmessen der 1100-Seelen-Gemeinde waren 600 Gläubige nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Soziale Projekte gesichert

Die meisten sozialen Projekte von St. Michael sind in trockenen Tüchern, werden von Diakon und Mitarbeiter Stefan Philips weiter betreut, profitieren von allen Honoraren aus dem Verkauf der 50 Bücher, die Breitenbach auf den Markt gebracht hat.

„Unter diesen Umständen gehe ich jetzt in den Ruhestand. Gott sei Dank, ich bin so frei“, sagte am Mittwoch ein frustrierter Roland Breitenbach dieser Zeitung. Mitnehmen in ein gemietetes Haus in Schweinfurt–Stadt oder -Land will er seine 86-jährige Haushälterin Maria Back, die seit nunmehr 70 Jahren Pfarrhaushalte führt. Umzug soll irgendwann nach seinem 75. Geburtstag am 7. August sein, wozu es keine große Feier, jedoch einen letzten Gottesdienst mit ihm als Pfarrer in St. Michael gibt.

Gefruchtet habe seine Anmerkung in Richtung Bischof nicht, dass durch die kurzfristige Entscheidung viele Projekte vor dem Aus stünden, beklagt der Pfarrer. Hofmann habe dazu erklärt, dass er die Verantwortung dafür auf seine Kappe nehme. Das Personal der Gemeinde war am Mittwoch schockiert, will ebenfalls gehen. Nicht mehr nach St. Michael werden nach diesem Sommer all die gehen, die dort noch einen Lebensmittelgutschein bekamen, wenn sonst nichts mehr ging. Sie kamen nicht nur aus der eigenen Gemeinde. Andere Pfarreien, die weit weniger Spenden bekommen, schickten Hilfsbedürftige ebenso wie die Bahnhofsmission oder das städtische Sozialamt.

Bei seinem Termin in Würzburg erfuhr Breitenbach in Sachen Immobilienbewirtschaftung durch das Bistum auch, dass das marode Schweinfurter Dekanatszentrum eventuell abgerissen werden, das Dekanat in das nicht mehr gebrauchte Pfarrhaus von Heilig Geist gegenüber übersiedeln soll. Die Entscheidung soll in vier Wochen fallen.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerd Landgraf
    
    

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