publiziert: 15.08.2010 16:46 Uhr
aktualisiert: 15.08.2010 16:52 Uhr
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Pocket Bikes im Kampf um die erste Kurve

Lauf um die Deutsche Meisterschaft im Steigerwald Motodrom
  • Wichtige Phase: Die Pocket-Bikes am Start zum zweiten Lauf des zur Deutschen Meisterschaft zählenden Wertungslaufes auf dem Steigerwaldmotodrom.
    Fotos: Thomas Brandl
  • Fahrerlager: Auch zwischen den Läufen gibt es reichlich Arbeit, um die Maschinen auf das nächste Rennen optimal vorzubereiten.
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Boxengasse, Fahrerlager, Pole Position und Rennmotorräder, alles Begriffe, die man in Zusammenhang mit großem Motorsport bringt. Genau diesen Motorsport, nämlich den 3. Lauf zur Deutschen Meisterschaft für „Pocket Bikes“ für Junioren, gab es am Wochenende auf dem Steigerwald-Motodrom zu bestaunen. Ausrichter war der ADAC Ortsclub Würzburg, mit Rennleiter Manfred Herget.

    
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Pocket Bike im Geodrom
Gerolzhofen
15.08.2010
    

Pocket Bikes haben sich in Deutschland bereits Anfang der 90er Jahre etabliert und seit dieser Zeit gibt es auch Deutsche Meisterschaften. Mehr als 50 Prozent aller Teilnehmer fahren anschließend weiter Motorradrennen. Prominentes Beispiel eines Aufsteigers ist Sandro Cortese, der aktuell in der 125 ccm Motorradweltmeisterschaft fährt.

Wertungsläufe wurden in fünf verschiedenen Klassen (Junior A + B, Senior A + B, sowie B Plus) ausgetragen. Alle Klassen absolvierten am Vormittag zwei Trainings- und zwei Zeitläufe, wobei wie bei den großen Vorbildern die Zeit aus dem „Qualifying“ die Startaufstellung für das eigentliche Rennen ergibt.

Wie bei den großen Vorbildern

Nach der Mittagspause beginnen die Wertungsläufe, gefahren werden je zwei. In der Klasse Junior A dürfen dabei Kinder von sechs bis neun Jahren starten und in der Klasse Junior B von zehn bis 13 Jahren. Es gibt viel zu bestaunen. Allein das vorgeschriebene Outfit mit Rennkombi, Rückenprotektor und Helm flößt mächtig Respekt ein. Der Start läuft dabei wiederum wie bei den großen Vorbildern ab. Nachdem die Rennfahrer entsprechend ihrer Platzierungen im „Qualifying“ ihren Startplatz eingenommen haben und die „Stewarts“ die Strecke frei gegeben haben, gibt Starter Norbert Ederer die Aufwärmrunde frei. Alle Piloten umrunden einmal die Strecke und nehmen dann ihren Startplatz ein. Wenn die Startampel von Rot auf Grün springt, geben alle Rennfahrer Gas und versuchen, einen möglichst optimale Platzierung vor der ersten Kurve zu erreichen. Gefahren werden jeweils 14 Runden.

Pech hat im zweiten Wertungslauf der Junioren A die Startnummer 99, Nicholas Niemann, dessen Bike nach einem harmlosen Sturz in der ersten Kurve einen Defekt an der Lenkung aufweist. Trotz instabilen Fahrverhaltens fuhr er verbissen weiter, und als er mit der sogenannten Ampelflagge durch Rennleiter Herget aus dem Rennen genommen wird, will der Junge das Rennende für ihn nicht wahrhaben.

Im ersten Wertungslauf der Senioren A (Alter ab 14, Motoren mit 40 ccm, ohne Gewichts- und Leistungsbeschränkung) bildet sich recht bald eine Gruppe aus sechs Fahrern, die um gute Platzierungen kämpfen. In der zehnten von 19 Runden kommt David Müller kurz vor einer Linkskurve mit anschließender Kehre nach rechts von der Strecke ab, touchiert mit Lenker und Körper rechts einen Reifenstapel, überschlägt sich und bleibt benommen auf dem Seitenstreifen liegen. Sein Bike kommt nach einem Überschlag auf der Strecke zum Liegen. Zwei weitere aus der Gruppe kommen dadurch ebenfalls zum Sturz, können jedoch sofort aufstehen und ohne Blessuren weiterfahren. Das Rennen wird sofort mit roten Flaggen abgebrochen und das BRK mit Rennarzt Dr. Spies kümmert sich um den Verletzten, der ins Krankenhaus Gerolzhofen zur Untersuchung kommt. Das Rennen wird anschließend neu gestartet.

Im Rennen der Senioren B und B Plus, (ab 14 Jahren, Motoren 50 ccm), geht der Lokalmatador Jürgen Sünderhauf aus Frensdorf bei Bamberg an den Start. Der 27-Jährige fährt seit fünf Jahren Pocket Bike und seit zwei Jahren bei Meisterschaften. Aktuell ist er durch einen Rippenbruch, den er sich Anfang Mai beim Training zugezogen hat, gehandicapt.

Ältester Teilnehmer 40

Obwohl an diesem Tag auch sein Bike nicht optimal funktioniert („Mein Bike mag heute nicht so wie ich“), wird er in der Addition der beiden Wertungsläufe immerhin Vierter. Souveräner Sieger der Klassen Senior A und B wird der aus St. Gallen/Schweiz stammende Sven Rohner, der sich in beiden Klassen durchsetzen kann.

Ältester Teilnehmer ist der 40-jährige Jörg Belcykowski (Duisburg), der seit drei Jahren Rennen fährt. „Als ich meinem Sohn ein Pocketbike gekauft, habe gefiel mir das so gut, dass ich auch damit angefangen habe“, so Belcykowski. Dass man auch mit 40 für diesen Sport nicht zu alt ist, bewies er dann im Rennen. Immerhin konnte er den zweiten Platz herausfahren.

Bei der Siegerehrung erhalten schließlich die ersten drei der jeweiligen Klassen Pokale. Hier kann auch der wieder aus dem Krankenhaus entlassene David Müller mitjubeln. Glücklichweise ging sein Sturz ohne größere Blessuren aus.

Siegerliste:

Klasse Junior A: 1. Dirk Geiger (Mannheim), 2. Dennis Stelzer (Dohma), 3. Leon Orgis (Arnsdorf)

Klasse Junior B: 1. Lukas Tulovic (Eberbach), 2. John Pedro (Ulm)

Klasse Senior A: 1. Sven Rohner (Au/St. Gallen/Schweiz), 2. Cas van Dorth (Delden/Niederlande), 3. Michael Neumann (Dresden)

Klasse Senior B: 1. Sven Rohner, 2. Cas van Dorth, 3. Kevin Jung (Neuenstadt)

Klasse Senior B plus: 1.Thomas Stegk (Heidenheim), Jörg Belcykowski (Duisburg), 3. Andreas Mattesz (Heidenheim)

Pocket Bike

Pocket Bikes sind Minimotorräder (Gewicht etwa 20 Kilo, Maße bis 106 x 62 Zentimeter), die sich in ihrer Form meist exakt an existierende Rennmotorräder (so genannte Replikas) anlehnen. Die Mehrzahl wird mit Zweitaktmotoren (39 bis 50 Kubikzentimeter) betrieben, es gibt aber auch Viertaktmotoren (bis 110 Kubikzentimeter). Üblicherweise haben alle ein Automatikgetriebe mit Fliehkraftkupplung, In den Juniorklassen ist der Hubraum auf maximal 40 Kubikzentimeter (Zweitakt) und 72 Kubikzentimeter (Viertakt) beschränkt, die Motoren haben sechs bis sieben PS und es sind bestimmte Motordrosseln vorgeschrieben. Die Motoren der Klasse Senior A haben ebenfalls 40 Kubikzentimeter, die Senioren B Klasse bis 50 Kubikzentimeter (Zwei- takt) und 110 Kubikzentimeter (Viertakt), aber es sind keine Drosseln vorgeschrieben. Hier ist auch Motortuning erlaubt. Werksmotoren haben 16 PS, eine Drehzahl von etwa 16 000, beschleunigen in rund vier Sekunden bis zu ihrer Höchstgeschwindigkeit von 90 bis 110 km/h (je nach Übersetzung).

Von unserem Mitarbeiter Thomas Brandl
    
    

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