aktualisiert: 03.03.2013 12:04 Uhr
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SCHWEINFURT
Polizei warnt vor Fleischködern mit Rasierklingen
Keine Spur von den Tierhassern – Beweise fehlen
Jeder hat schon von vergifteten Ködern für Katzen und Hunde gehört. Fast jeder kennt einen, der einen kennt, dessen Hund unter größten Schmerzen nach einem Biss in ein präpariertes Fleischstück verendet sein soll. Der Computer der Schweinfurter Polizei kennt jedoch keinen solchen Fall. Die Polizei bittet im Falle eines Falles sofort und dringend um Hinweise.
Das Din A 4-Blatt steckt in einer Schutzhülle aus Plastik, ist mit einer Schnur an einen Baum am Marienbach gebunden. Darauf steht: „Vorsicht!!!! Tierhasser in Schweinfurt. Am Oberen Marienbach wurden Fleischstücke mit Rasierklingen und Rattengift ausgelegt. Deshalb ist Vorsicht geboten!!!! Für alle Tierbesitzer. Augen offen halten!!!!!!!“
Das Foto war auch in Facebook zu sehen. Dort gibt es solche und ähnliche Warnungen öfters, sagt Birgit Forisch vom Tierheim in Schwebheim. Bei der Polizei löst der Anruf aus der Redaktion Betroffenheit aus. Aktuell liegt nichts vor. Der Beamte verspricht den Rückruf, löst seine Ankündigung nach 20 Minuten ein. Auf der Dienststelle ist nichts bekannt.
Nachgeschaut hat der Polizist auch gleich im Computer. Dort ist über Jahre kein solcher und kein ähnlicher Fall verzeichnet. Der Mann von der Öffentlichkeitsarbeit der Inspektionen Schweinfurt Stadt und Schweinfurt Land bittet um einen Aufruf: Betroffene sollen sich melden. Nur dann kann die Polizei handeln. Nur einer konkreten Spur könne man folgen, könne nicht aus der holen Hand ermitteln.
Der Polizist vermittelt an einen Kollegen, der tags darauf in der Inspektion ist. Doch dieser findet in den Akten ebenfalls keinen Fall, ist sich aber sicher, dass es „solche Leute“ gibt. Der städtische Sicherheitsreferent Jürgen Montag sagt, dass es „so etwas gibt“. Das Thema tauche in anderen Städten und auch in vielen Gemeinden immer wieder auf. Doch in Schweinfurt fehle jeder Hinweis.
Robert Orth von der Aufsicht in den städtischen Anlagen bestätigt Montag und fügt an, dass das Amt bei der Bekämpfung von Ratten immer wieder Ärger mit verängstigten Tierbesitzern habe. Orth versichert, dass man sich der Gefahr für Hunde und Katzen bewusst sei, die Bekämpfung mit Sachverstand durchführe. Sylvia Amrhein, Leiterin im Amt für öffentliche Ordnung, hat die Akten durchforstet und einen Hinweis entdeckt. Torkelnde Tauben hatte ein Spaziergänger an der Gutermannpromenade entdeckt. Der Ordnungsdienst fand ein nicht artgerechtes Futter: Schnapspralinen.
Das Tiergesundheitszentrum in der Athenstraße 6 berichtet von regelmäßigen Vergiftungsfällen, wobei es sich in der Regel um „versehentliche“ Vergiftungen mit Rattengift handele, also um die Aufnahme eines gegen Ratten/Mäuse ausgebrachten Köders. Solche Köder, die zwar farblich markiert sind und auch abstoßend schmecken sollen, werden immer wieder von Hunden und Katzen verschluckt. Zuletzt hatte die Praxis vor zwei Wochen eine Katze mit Vergiftungssymptomen, bei der sich Rattengift als Ursache feststellen ließ.
Als Grund hat das Tiergesundheitszentrum einen relativ sorglosen Umgang mit den Ködern ausgemacht, obwohl es Behältnisse gibt, die weder von Kindern noch von Katzen oder Hunden zu öffnen sind. Viel zu oft würden die Köder frei zugänglich ausgelegt. Vorsätzliche Fälle hat man in der Athenstraße in den letzten Monaten nicht notiert. Ein Teil der angeblich absichtlichen Vergiftungen beruhe lediglich auf Vermutungen. Konkrete Zusammenhänge könnten eigentlich nie ermittelt oder bewiesen werden, heißt es. Zu Rasierklingen in Fleischstücken wird mitgeteilt: „In den letzten zwölf Jahren ist uns ein solcher Fall nicht bekannt geworden.“
Im Schwebheimer Tierheim weiß man von der Warnung am Oberen Marienbach. Im letzten Herbst hangen ähnliche Hinweise am Flugplatz bei Schwebheim. Das Tierheim nimmt die Warnungen ernst, meidet beim Ausführen der Hunde die angegebenen Gebiete. Beweise für die Taten von Tierhassern hat man noch nicht gesehen, aber schon tote Hunde, die vergiftet wurden. Ob aus Absicht, ist ungeklärt. Birgit Forisch: „Passt auf, mehr können wir den Tierhaltern auch nicht raten.“
Anonym wird der Tierschutzverein immer wieder einmal auf kriminelle Vorgänge oder vermeintliche Täter aufmerksam gemacht. Doch Konkretes sei nicht dabei. Am Schluss des Gesprächs hat Birgit Forisch noch eine Vermutung: Wird so mancher Warnhinweis von Leuten aufgehängt, die damit die Hundebesitzer und ihre Vierbeiner ganz ohne Gift vertreiben wollen?
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