aktualisiert: 26.01.2012 17:02 Uhr
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THEATER
Puppenspieltage: Figurentheater als Theaterkunst
24. Schweinfurter Puppenspieltage: Vom Märchenklassiker bis zur tragischen Komödie nach Dürrenmatt – in acht Produktionen und 13 Vorstellungen sollen vom 28. Februar bis 3. März möglichst viele Altersstufen angesprochen werden.
Ein gutes Beispiel für die Mischung zwischen Tradition und Innovation am Theater Schweinfurt sind die Puppenspieltage, die 1973 vor fast 40 Jahren zum ersten Mal stattgefunden haben und somit zu den ältesten Figurentheaterfestivals im deutsprachigen Raum zählen. Aus der Taufe gehoben vom damaligen Kulturamts- und Theaterleiter Günther Fuhrmann und Uwe Brockmüller, hatte sich bald ein Zweijahresrhythmus eingependelt. 23 Puppenspieltage standen unter der mehr als kundigen Hand des Enthusiasten Uwe Brockmüller, der völlig unerwartet im Juni 2009 gestorben ist.
Um diese gewachsene Tradition nicht abreißen zu lassen, stand die Entscheidung schnell fest, dass Theaterdirektor Christian Kreppel die Planungen für die nun bevorstehenden 24. Puppenspieltage übernahm, die vom 28. Februar bis 3. März auf der Studiobühne des Theaters und unter dem Titel „Figurentheater als Theaterkunst“ stehen werden. In acht Produktionen und 13 Vorstellungen sollen möglichst viele Altersstufen angesprochen werden.
Das Theater auf der Zitadelle Berlin-Spandau beginnt die 24. Puppenspieltage am 28. Februar um 9, 11 und 15 Uhr mit „Das Rotkäppchen“ nach den Gebrüdern Grimm für Kinder ab fünf Jahren. Das Rotkäppchen erhielt unter anderem den IKARUS 2010 für eine herausragende Inszenierung eines Kinder- und Jugendtheaters in Berlin. Aus der Begründung der Jury: „Ein sehr dichtes Spiel voller Spaß und Ironie, aber auch Grusel, Kitsch und großen Gefühlen, das sowohl kleine als auch große Zuschauer in jeder Sekunde fordert und unterhält.“ Daniel Wagner spielt den Jäger, der diese unglaubliche Geschichte von einem Mädchen mit einer roten Kappe erzählt. Das Rotkäppchen geht mit Kuchen und Wein zu der kranken Großmutter. Die lebt aber mitten im Wald. Wenn das Rotkäppchen immer schön auf dem Weg bleibt, kann gar nichts passieren. Nun, wir alle wissen, wie das Märchen weitergeht, aber haben wir es so schon gesehen? Und der Wurzelzwerg spielt mit!
Wieder gedacht für Kinder ab fünf Jahren ist das Musical „Ritter Rost“ am 29. Februar um 9, 11 und 15 Uhr, präsentiert vom Theater con Cuore Schlitz. Zur Handlung: Artur hat es wirklich nicht einfach in seiner Bücherei. Für die wahren, echten Heldengeschichten mit überraschenden Wendungen zeigt niemand mehr Interesse. Auch seine nächste Kundin nicht. Doch getrieben von einer „Stimme“ macht Artur sich an die Arbeit und bietet seiner Kundin etwas ganz anderes an: „Ritter Rost, ein rostiger Blechhaufen mit Glupschaugen?“ fragt diese. Das Musical mit der Musik von Felix Janosa beeindruckt durch die frechen und unkonventionellen Lieder und nicht zuletzt durch seinen „wahren“ Helden. Gespielt in der offenen Bibliotheksbühne mit großen Tischfiguren und Schauspiel. Es spielen Virginia und Stefan P. Maatz in der Regie von Stefan P. Maatz.
Es folgt „Der Kleine Muck“ nach Wilhelm Hauff am 1. März, 9 und 11 Uhr des Moussong Theaters mit Figuren Thannhausen für Kinder ab fünf Jahren. Es ist die wunderliche Geschichte eines kleinwüchsigen Herrn und seines abenteuerlichen Lebenslaufs. Ein humorvolles Theaterstück mit ausdrucksstarken, geschnitzten Figuren, aus der Sicht eines Gezeichneten, der für seinen ungebrochenen Optimismus und Tatendrang mehrfach belohnt wird. Fast hätte der Reisende die bemerkenswerteste Begegnung seines Lebens übersehen und die erstaunliche Geschichte von Herrn Muck – einem Zwerg – nie gehört. Und das Unglaublichste: Diese kleinwüchsige Gestalt behauptet von sich, die Gnade sei mit ihm. Während Herr Muck erzählt, erwachen die Auslagen des alten Basar-Ladens zu Schauplätzen seines Lebens. Zur sonnendurchglühten Stadt, in der er als Kätzchen seinen Hunger bekämpft, zur Maulbeerbaumoase oder zum prächtigen Palast eines führungsschwachen Sultans, der vergnügungssüchtig Mucks Talente missachtet. Die Menschen verwenden ihn als Kätzchen, als Spielzeug oder als Goldbeschaffer, aber als Person wird er, der Zwerg, nicht wahrgenommen. Schmerzvoll lernt er ihre Boshaftigkeit kennen – und die Unverlässlichkeit gekaufter Freunde. Stoff für ein Trauerspiel – wären da nicht noch Zauberpantoffeln, ein Zauberstöckchen und eine Hundefee: Hilfen zu einer wunderbaren Wendung, die ihm das „Wunderbare“ schließlich überflüssig macht. Text, Spiel und Figuren von Sven Tömösy-Moussong in der Regie von Sven und Kerstin Tömösy-Moussong.
Thalias Kompagnons Nürnberg hat mit seiner Version der „Zauberflöte“ im Januar 2011 das Schweinfurter Publikum begeistert. Jetzt steht „Macbeth für Anfänger“ (nach „Macbeth all' improvviso“ von Gigio Brunello und Gyula Molnar, am Donnerstag, 1. März, 19.30 Uhr auf dem Programm für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. Regie: Gyula Molnar; Puppen und Bühne: Joachim Torbahn; Bearbeitung und Spiel: Tristan Vogt. Zur Handlung: Der Puppenspieler, von Ehrgeiz besessen, plant eine Aufführung von Shakespeares Macbeth. Als seine alten Kasperpuppen erfahren, dass sie nicht mitspielen dürfen, kommt es zum Aufstand: Hinter dem Rücken des Puppenspielers beginnt das Ensemble auf eigenes Risiko mit der Tragödie. Doch schon bald geraten die unschuldigen Anfänger in den verhängnisvollen Sog der Shakespeare'schen Dramaturgie. Und unbarmherzig erfüllt sich an ihnen das Schicksal des Macbeth. . . „Ein brillanter Theaterspaß, in dem derbe Volkstheater-Komik und die Shakespeare'sche Tragödie zu einer anarchischen Einheit verschmelzen“. (Die deutsche Bühne)
Das Theater der Nacht Northeim wird am Freitag, 2. März, 11 Uhr „Momo“ nach Michael Ende für Kinder ab sieben Jahren und Erwachsene spielen. Momo wurde im September letzten Jahres im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage 2011 aus Anlass des zehnjährigen Bestehens uraufgeführt und hoch gelobt. Endes 1973 erschienener Roman hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Der Autor übt in Form einer fantastischen Geschichte Kritik an unserer Gesellschaft, die das ganze Leben dem Streben nach Nützlichkeit und Wachstum unterordnet. Das Theater der Nacht begibt sich mit diesem Projekt auf die Suche nach neuen Verbindungen zwischen Bühnengeschehen und Musik. Das Theater der Nacht präsentiert Michael Endes Märchen als Figurentheater mit Live-Musik. „Zeit ist Geld“, sagen die grauen Herren und stellen alles unter das Diktat der Effizienz, bis Freude und Vergnügen aus dem Leben verschwunden sind und die Welt so grau aussieht wie sie selbst. Zum Glück aber gibt es jenes kleine Mädchen mit unzähmbarem Lockenkopf und nackten Füßen, das sich den Zeitdieben und ihren seelenlosen Management-Ideen entgegenstellt. Michael Endes hintergründiger Roman ist längst ein Klassiker der Kinderliteratur, eine unvergleichliche Fabel über die Dinge, auf die es im Leben wirklich ankommt. Das Theater der Nacht hat den Stoff nun in ein poetisches Puppenspiel verwandelt, für das Beo Brockhausen im Auftrag der Niedersächsischen Musiktage eine Musik verfasst hat, die den Zauber der Vorlage in hinreißende Klänge und Melodien übersetzt.
Es folgt die tragische Komödie nach Friedrich Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“ am Freitag, 2. März, 19.30 Uhr. Das Hohenloher Figurentheater Herschbach (Spieler: Johanna und Harald Sperlich) wird diesen Klassiker für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene spielen. Friedrich Dürrenmatt hält mit dieser Tragikomödie der bürgerlichen Gesellschaft einen Spiegel vor. Die Geschichte vom Besuch der alten Dame ist keine Utopie, sondern allgegenwärtig. Das Hohenloher Figurentheater folgt mit dieser Inszenierung dem Trend des Puppenspiels, sich zu einer eigenständigen Theaterkunst zu entwickeln. Es nutzt die Puppen für Effekte und Bedeutungen, die mit menschlichen Akteuren so nicht möglich wären. Es stellt die belebte Materie in den Vordergrund des Spiels und entspricht damit der von Dürrenmatt dargestellten materialistischen Gesellschaft des Handlungsortes.
Die beiden letzten Produktionen liegen in den Händen des Theaters Kuckucksheim Adelsdorf. „Ronja Räubertochter“ (Spiel: Stefan Kügel) am Samstag, 3. März, 15 Uhr, soll die Freunde von Astrid Lindgren ins Theater locken und ist für Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene gedacht. Zum Inhalt: Potz, Pestilenz! Als Borka mit seiner Sippe in die geteilte Burg des Räuberhauptmanns Mattis einzieht, ist der Ärger zwischen den Banden programmiert. Während diese sich anfeinden, freunden sich Ronja Räubertochter und Birk heimlich an und erleben allerlei Abenteuer im Wald, der voll ist von sonderbaren Gestalten. . . „Es sind Fabulierfreude und Fantasie pur, die hier ihre Häupter erheben. Spannungsvoll und wortreich entwirft Stefan Kügel die Lindgrensche Sage und visualisiert sie gleichzeitig geschickt.“ (Erlanger Nachrichten)
Am Schluss (Samstag, 3. März, 19.30 Uhr) steht „Woyzeck – Der Fall von Franz und Marie“ nach Georg Büchner für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. Im Zentrum der Kuckucksheim-Inszenierung (Spiel: Stefan Kügel) steht die Deformation eines Menschen unter dem Druck gesellschaftlicher Strukturen. Daneben spielt Musik eine wichtige Rolle. Als Grundlage für die eigens komponierten und im Stück gesungenen Lieder dienen Gedichte von Büchner und seinen Zeitgenossen sowie Volkslieder, aus denen Büchner Texte und Fragmente in sein Stück integriert. Das Wichtigste auf der Welt ist für den Soldaten Franz Woyzeck seine Liebe zu Marie. Für sie und die Versorgung des gemeinsamen, unehelichen Kindes zehrt der von Visionen Getriebene sich auf. Um sich zu seinem kargen Sold ein Zubrot zu verdienen und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, hetzt Woyzeck von einem Nebenjob zum nächsten, lässt sich ausnützen und degradieren und kommt dabei nie zur Ruhe. Marie indessen träumt von besseren Zeiten und betrügt ihn mit dem stattlichen Tambourmajor. Dies führt bei Woyzeck zu einem folgenschweren Ausbruch. CK
Der Vorverkauf für die Nachmittags- und Abendvorstellungen hat bereits begonnen. Karten für die vormittags stattfindenden Schulvorstellungen bekommt man ab Donnerstag, 9. Februar, nur telefonisch unter Tel. (0 97 21) 51 742.
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