aktualisiert: 23.12.2012 12:03 Uhr
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WASSERLOSEN
Rettet die Theater-AGs: Eine Schule macht's vor
Nachdem Lehrerstunden für kreative Arbeitsgemeinschaften gestrichen wurden, hilft sich die Grundschule Wasserlosen selbst
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Gestohlene Geschenke: Die Theatergruppe zeigte, was sie bei Mahela Wiedner gelernt hat.Foto: Ursula Lux -
Sterne für einen guten Zweck: In der vierten Klasse ist das Bastelfieber ausgebrochen. Die Sterne gaben die Schüler gegen Spende weiter.Foto: Ursula Lux -
Der kleine Engel: Mit viel Aufwand präsentierte die vierte Klasse die Geschichte des kleinen Engels als Schattenspiel.Foto: Ursula LUx
„Wenn viele kleine Leute viele kleine Schritte tun, kann das Antlitz der Erde verändert werden“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Auch wenn die Verantwortlichen der Grundschule Wasserlosen nicht gleich die Welt verändert haben, ihren Schulalltag haben sie doch maßgeblich positiv beeinflusst. Vor den Sommerferien erfuhren viele Schulen im Landkreis, dass die Lehrerstunden für die Arbeitsgemeinschaften wie Schulchor und Schulspiel vom Kultusministerium gestrichen werden. Schulleiterin Heike Stahl ergriff sofort die Initiative – nahm Kontakt auf zum Fränkischen Theater Schloss Maßbach, das ihr spontan eine Theatergruppe sponserte.
Theaterpädagogin Mahela Wiedner kommt seit Schuljahresbeginn einmal in der Woche und betreut die Theatergruppe. „Das macht uns froh und gleichzeitig traurig“, sagt Stahl. Die vier Lehrerinnen der Grundschule haben alle selbst schon Schulspielgruppen betreut, „wir könnten das auch selbst“, versichert Stahl. Den Schulchor betreut seit diesem Schuljahr Markus Joppich, Lehrer bei der Musikschule Schweinfurt. Beide Angebote finden zur normalen Unterrichtszeit statt. „Dadurch erreicht man viel mehr Kinder“, erklärt Joppich.
Die Eltern zahlen für diese Zusatzangebote sieben Euro monatlich. Den Erfolg ihrer Investitionen sahen sie bei der Weihnachtsfeier der Schule. Rund 240 Gäste versammelten sich in der Dr.-Maria-Probst-Halle und ließen sich von den Aufführungen der Kinder verzaubern. Die zweiten und dritten Klassen boten mit Instrumenten untermalt Sprechspiele dar. Die erste Klasse begeisterte mit einem Spiellied. Auch hier gibt es ein „Weihnachtszeichen“ der kleinen Schritte. Karin Heymanns hat seit 14 Tagen ein kleines Mädchen aus dem Iran in ihrer Klasse. Die Familie hofft auf Asyl. „Die Kleine spricht kein Wort Deutsch, aber das Weihnachtslied hat sie mit viel Spaß dabei mitgesungen“, berichtet die Lehrerin.
Etwas Besonderes hat sich auch die vierte Klasse einfallen lassen. Sie führte sehr professionell das Schattenspiel vom kleinen Engel auf. Außerdem riefen die Kinder eine eigene Sternenaktion ins Leben. Lehrerin Jutta Pfister erzählt: „Wir hatten eine andere vierte Klasse zu Besuch und haben Sterne gebastelt. Dann gerieten vor allem die Jungs ins Sterne-Bastel-Fieber.“ Schnell war die Idee geboren, die Sterne gegen eine Spende bei der Weihnachtsfeier zu „verkaufen“. Über 70 Euro haben die Kinder so eingenommen.
Für Einnahmen bei der Weihnachtsfeier sorgt auch ein sehr rühriger Elternbeirat. Die Vorsitzende Sandra Sandow übernahm mit einem Team von 20 Helfern nicht nur Dekoration und Bewirtung „mit viel Spaß“, sondern trat zusammen mit ihrer Stellvertreterin Diana Fischer auch noch mit einem „englischen Weihnachtsgedicht“ auf die Bühne.
Die 680 Euro an Einnahmen werden wohl zu großen Teilen wieder für die Klassen-Büchereien genommen, die die Schule im vergangenen Jahr eingerichtet hat. Die Gemeinde sponserte die Möbel, mit den Geldern aus der Weihnachtsfeier 2011 wurden die ersten Bücher und Pausenspiele angeschafft.
Theaterpädagogin Mahela Wiedner erklärte den Anwesenden die Genese des Stückes und den Wert ihrer Arbeit. Die Idee für das kleine Theaterstück haben die Kinder selbst entwickelt, sie habe es nur in ein Manuskript verwandelt. Theaterspielen fördert Schlüsselqualifikationen wie Konzentration, Wahrnehmung, Teamgeist und nicht zuletzt das Selbstbewusstsein. Außerdem würden die Fantasie und das Textverständnis trainiert. Das kennt auch Schulleiterin Heike Stahl. „Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen von Kindern, die am Anfang ganz schüchtern und leise waren und jetzt selbstbewusst auf der Bühne stehen“, sagt sie.
Jetzt hofft die Schulleiterin gemeinsam mit ihren Kolleginnen, den Schülern und Eltern, dass die Theatergruppe weitergeführt werden kann. 500 Euro bräuchte man dazu für das zweite Halbjahr. Der Ortsverband des katholischen Frauenbundes legte hierfür schon den Grundstock. Vorsitzende Brigitte Paulick überreichte der Schulleiterin 220 Euro, die der Frauenbund durch den Verkauf von Kräuterbüscheln eingenommen hat. So viel Unterstützung und Eigeninitiative lässt auf ein weiteres halbes Jahr Theatergruppe hoffen.
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