aktualisiert: 01.02.2012 16:19 Uhr
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SCHWEINFURT
Russisch ist Heimat
Serie Integration: Eine Familie, zwei Sprachen – Julia und Maxim Korol aus Kasachstan haben hier Deutsch gelernt – Die beiden Töchter wachsen zweisprachig auf, sprechen aber besser Deutsch
An diesem Morgen ist Eugenia Korol in der Schule etwas komisches passiert. Ihr ist ein Wort auf Russisch heraus gerutscht. Niemand hat es gehört und als sie am Nachmittag ihrer Mutter davon erzählt, scheint es, als sei die Elfjährige deswegen ein wenig erleichtert. „Ich habe mich selbst gewundert“, sagt sie noch, denn russisch spricht sie in ihrem Gymnasium normalerweise nicht. Russisch ist ihre Familiensprache, die gehört zu Mama, Papa und Oma, Deutsch spricht sie in der Schule, mit den Freundinnen und meistens auch mit ihrer jüngeren Schwester Emily. Wenn dieses kaum hörbare rollende „R“ nicht wäre, das doch ein wenig anders klingt als das fränkische, niemand käme auf die Idee, Deutsch wäre nicht Eugenias Muttersprache.
Ihre Schwester, die achtjährige Emily geht in die Ganztagsklasse in Niederwerrn. Wenn sie nach einem langen Tag aus der Schule kommt, erzählt sie immer erst einmal auf Deutsch. Ihre Mutter Julia antwortet auf Russisch und nach einer Weile switcht auch Emily auf die Familiensprache um. Die beiden Mädchen haben sicher wesentlich bessere Bedingungen als viele andere Kinder aus russischen, griechischen oder türkischen Familien. Julia Korol und ihr Mann Maxim gehen sehr bewusst mit dem Thema Zweisprachigkeit um.
Als Julia und Maxim Korol 2002 nach Schweinfurt kamen – beide waren 24 Jahre alt – haben sie sehr schnell ein gutes, sehr korrektes Deutsch gelernt. Sonst hätte Maxim nicht Elektrotechnik studieren können und Julia, die in Kasachstan Ingenieurin und Englischlehrerin war, hätte nicht so schnell beruflichen Anschluss gefunden. Derzeit arbeitet sie als Sprachdozentin für Russisch und Englisch bei der vhs Schweinfurt, sie macht Hausaufgabenbetreuung in Niederwerrn und arbeitet für „gern daheim“ der Stadt Schweinfurt, unter anderem beim Projekt „Kinder lernen spielend Deutsch“ in verschiedenen Kindergärten.
Das Thema Integration und Zweisprachigkeit ist Julia Korol ein großes Anliegen. Sie weiß, wie wichtig es ist, die Sprache des neuen Landes zu lernen und wie schwer es die Menschen haben, die hier jahrzehntelang leben, ohne richtig Deutsch zu sprechen. Und wie schwer diese es ihren Kindern machen. Deswegen gibt es auch das Projekt „Mama lernt deutsch“ – auch hier ist Julia Korol aktiv.
Sie weiß aber auch, wie wichtig es für die Sprachentwicklung von Kindern ist, die Muttersprache möglichst gut zu beherrschen. Wenn ein Kind die Grammatik seiner Familiensprache gut beherrscht und einen großen Wortschatz hat, wenn also diese Strukturen gut in seinem Gehirn verankert sind, dann lernt es auch die zweite Sprache viel schneller und besser. Das sei erwiesen, sagt Julia Korol, und sie selbst hat es nicht nur bei ihren eigenen Töchtern, sondern auch im Kindergarten oft erlebt.
Aber das ist nicht der einzige Grund, warum bei Korols zuhause Russisch gesprochen wird und die Mutter ihren Töchtern bis heute russische Kinderbücher vorliest. Auch wenn alle gut Deutsch sprechen bleibt Russisch doch die Herzenssprache, mit der sich Gefühle und wichtige Themen viel besser ausdrücken lassen als mit der erlernten Sprache. Russisch ist ein Stück Heimat und das wollen die Korols auch in ihrer zweiten Heimat erhalten.
„Wenn ich den ganzen Tag deutsch spreche, muss ich mich sehr konzentrieren. Mit russisch am Abend kann ich mich ausruhen“, formuliert es Julia Korol sehr anschaulich. Man sieht, wie sorgfältig und bewusst sie jedes Wort wählt und kann nachvollziehen, dass es anstrengend ist. Ihre beiden Töchter sprechen längst besser Deutsch als ihre Eltern und auch besser als Russisch.
Julia Korol ist bis heute dankbar für die Förderung. Eugenia war in der Grundschule in einer Sprachlernklasse, intensiv betreut von einer sehr guten Lehrerin. Einmal in der Woche durften die Eltern mit in den Nachmittagsunterricht. „Auch ich habe hier viel gelernt“, sagt Julia Korol. Bei Emily begann die Förderung schon im Kindergarten. In einem Vorkurs bereitete eine Lehrerin die Kinder vor. Unterschiede wie zwischen spuken und spucken oder Bären und Beeren, die Julia Korol bis heute nicht wirklich hören kann, waren für ihre Töchter sehr schnell kein Problem.
Seit Emily in die Ganztagsklasse geht, spricht sie noch mehr deutsch als russisch und dann kommt es schon vor, dass ihr beim Abendessen alle Wörter, die mit der Schule zu tun haben, auf deutsch herausrutschen. Julia und Maxim Korol haben nichts dagegen, dass ihre Mädchen auch untereinander Deutsch sprechen. Nur eines wollen sie nicht, dass sie sich eine Mischmasch-Sprache angewöhnen.
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Windrose45 (114 Kommentare) am 03.02.2012 18:07
Ich weiss nicht was der Artikel soll.Ist das ein Zeitungsfüller oder wissen sie nicht mehr was sie schreiben sollen.Jeder hier weiss das man in der Sprache des Landes spricht wo man lebt. Ist woanders genauso. Wie sie es daheim halten geht keinen was an. In ihren vier Wänden können sie es halten wir sie wollen. Es gibt gewisse Anstandsregeln an der man sich zu halten kann. Wir können auch nicht nach Russland und verlangen das sie unsere Sprache sprechen nur weil wir uns nicht intergrieren wollen. |
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average (143 Kommentare) am 02.02.2012 21:14
Diese Familieist offensichtlich tausendmal besser für unser Land als ihr, die ihr hier wieder mal euren [...]Ein Teil dieses Kommentars [...] wurde gelöscht, da er gegen unsere Netiquette oder AGB verstößt. Die Multimedia-Redaktion. |
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deutzi (163 Kommentare) am 02.02.2012 10:29
Wenn die Familiezu Hause russisch spricht finde ich das in Ordnung,wenn aber in der Öffentlichkeit russisch gesprochen wird,und über die Einheimischen gelästert wird,finde ich das nicht in Ordnung.Ich habe seit 16 Jahren Nachbarn aus Russland und höre 16 Jahre nur russisch auf dem Balkon und im Garten und überhaupt.Also liebe Spätaussiedler in Deutschland wird deutsch gesprochen. |
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bfrog (12 Kommentare) am 02.02.2012 09:11
Doppelmoral ?Wenn Russisch doch die Herzenssprache der Fam. Korol ist, dann sollten sie doch [...]Ein Teil dieses Kommentars [...] wurde gelöscht, da er gegen unsere Netiquette oder AGB verstößt. Die Multimedia-Redaktion. |
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nessi69 (29 Kommentare) am 02.02.2012 10:18
Typisch für DeutschlandMeine Schwester wurde in Amerika 1974 geboren. Unsere Mutter ist Deutsche. Da sie aber 1974 geboren worden ist, hat sie nur die amerikanische Staatsangehörigkeit. Im Moment wird sie in Deutschland "geduldet". Sie darf nicht arbeiten will aber. Es ist egal, dass sie eine deutsche Mutter hat... komisch aber jeder anderer scheint keine Probleme zu haben hier zu arbeiten... Ich bin wahrhaftig nicht ausländerfeindlich, da ich auch nicht 100% deutsch bin, aber bei sowas bekomme ich das Kotzen.. es gibt mehrere Familien die Zweisprachig aufgewachsen sind...warum wird diese Familie hier so aufgepuscht??? |
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