publiziert: 05.08.2012 17:33 Uhr
aktualisiert: 07.08.2012 12:04 Uhr
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SWL und prosw kuscheln wieder

Bürgerfest: Vor FW-Landeschef Aiwanger gemeinsame Liste zur Stadtratswahl verkündet

Es herrschte bestes „Fusionswetter“ beim zehnten Bürgerfest der Schweinfurter Liste (SWL) auf dem Georg-Wichtermann-Platz. So sagt es Peter Seifert, Chef der Freie-Wähler-Fraktion im Kreisrat und Bürgermeister von Niederwerrn. Er hat wohl gewusst, was kommt: Die Spitze der Schweinfurter Liste, Adi Schön und Stefan Labus, verkünden die Wiedervereinigung mit „Pro Schweinfurt“, die sich 2003 im Streit von der gemeinsamen SWL abgespalten hatte. Prosw-Vereinschef Andreas Wessing und der Fraktionsvorsitzende Karlheinz Knöchel bestätigen die Wiedervereinigung. Zur Stadtratswahl 2014 wollen sie allesamt in einer Freie-Wähler-Liste antreten. Darüber staunte auch der Moderator des Festes, Holger Laschka, nicht schlecht. Er leitete die politische Podiumsdiskussion.

Im Herbst 2003 waren die Stadträte Karl- Heinz Knöchel, Frank Weber und Andreas Traub aus der siebenköpfigen Fraktion der SWL ausgetreten und hatten sich unter dem Namen „Pro Schweinfurt“ als dann vierte Fraktion im Stadtrat formiert. Die Gründe? Es wurde geschwiegen, galt aber als offenes Geheimnis, dass das Trio vor allem mit Stefan Labus, der den SWL-Verein führte, und der bei der CSU in Ungnade gefallenen Ulrike Schneider nicht klarkam. Während Knöchel als Fraktionschef einen umgänglichen Ton auch mit OB und CSU pflegte, griff vor allem Schneider beide immer wieder scharf an. Labus wiederum war offensichtlich mit dem Führungsstil Knöchels nicht einverstanden und soll ihn wiederholt zu schärferer Gangart aufgefordert haben. Nun also die veritable Überraschung, dass die seinerzeit Geschiedenen es noch einmal miteinander versuchen wollen.

Ein weiteres „Schmankerl“ aus Sicht der Veranstalter ist die Bereitschaft von Bezirksrat Jochen Keßler-Rosa, sich künftig bei den „Freien Wählern“ zu engagieren. Der Diakonievorstand war 2010 nach jahrelanger Mitgliedschaft aus der CSU ausgetreten – aus Unzufriedenheit über die Sozialpolitik der Union. Er gehört dem Bezirkstag seitdem als parteiloses Mitglied an.

Dann aber der Freie-Wähler-Chef: Um „die Themen der kleinen Leute“ geht's Hubert Aiwanger. Der Bundes- und Landesvorsitzende wird mit dickem Stützschuh nach oben gehoben, ein Sehnenleiden: Da habe er dem politischen Gegner wohl zu kräftig hinten rein getreten, sagt der gelernte Landwirt aus Rottenburg launig, gibt in skriptfreier Rede den kantigen Volkstribun: Die Politik müsse „Volkes Meinung ernster nehmen“. Klassen mit höchstens 25 Kindern und mehr Lehrer fordert er, bessere Bezahlung für Erzieherinnen, bessere Bildungsangebote. Die Staatsregierung verspreche Lehrer und schicke sie dann in Pension.

G8 ist für Aiwanger ein „Desaster“, ein „Werk von Scharlatanen“ – insgeheim sei man wieder zum neunklassigen Gymnasium zurückgekehrt, mit Hilfe eines „Etikettenschwindels“. Atomkraft? Zu teuer, die FW wollten immer den raschen Rückbau, aber „es musste Fukushima kommen“. Verfehlt auch die bayerische Verkehrspolitik, so Aiwanger, Thema dritte Startbahn in München: Hier werde der Nürnberger Flughafen beschädigt und Geld, das man nicht habe, für Flüge ausgegeben, die man nicht brauche.

Aiwanger forderte die Staatsregierung auf, den Bürgerentscheid der Münchner ernst zu nehmen: „Geht ehrlich mit den Menschen um.“ Der Landtagsabgeordnete wünscht sich Volksentscheide auf Bundesebene und die Direktwahl des Bundespräsidenten. Wulff sei doch nur für Merkel aus der Schusslinie genommen worden. Bayern bestehe nicht aus München allein, die Milliarden müssten gerechter verteilt werden.

Harsche Kritik übt der Freie-Wähler-Chef auch an einer Eurorettung zu Lasten des (nie zum Euro befragten) Steuerzahlers. Es ist eine Politik von unten, die der Niederbayer propagiert, die Freien Wähler seien schließlich einmal „aus den Kommunen gekommen.“ Freundlicher Applaus der „kleinen Leute“ für eine kurze, druckvolle Rede.

Zuvor kam Tamara Bischof zu Wort, die als Landrätin von Kitzingen wiedergewählt werden will. MdL Günther Felbinger berichtete von Erfahrungen im Landtag, Hans Jürgen Fahn, Amtskollege aus Aschaffenburg, nutzte die Gelegenheit, um erneute Überflüge von Kampfjets am AKW Grafenrheinfeld zu geißeln. Zum Schluss entrollen die FW-Spitzenvertreter der Region ein gemeinsames Plakat: Einigkeit wird groß geschrieben. Der Rest ist am Samstag ein Volksfest mit Schweinfurter Weinprinzessin, Square Dance, Musik von Steffi List und Benny Freibott, heißen Zumba-Rhythmen und dem neuen Kader der „Mighty Dogs“.

Von Uwe Eichler und Stefan Sauer
    
    

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Die neuesten Kommentare

Politologe (50 Kommentare) am 06.08.2012 05:45

Kalte Fusion ohne Ihnalte

Wenn es um Postencharerei geht sind beide Lokalparteien groß im Kuscheln und Wiedervereinigen. Aus der Sache ist politisch für SW nicht viel zu erwarten.

Und es gibt noch die Piraten, die sind auf Kaperfahrt und schlucken gerne kleine Kuschelparteien.
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mainufer (241 Kommentare) am 05.08.2012 17:06

Aus der Not eine Tugend gemacht!

Ist ja auch einfacher 44 statt 88 Schweinfurter zu finden, die sich bereit erklären unter der Führung der Persönlichkeiten Labus und Knöchel auf eine Stadtratsliste zu gehen grinsen
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