aktualisiert: 06.02.2012 17:43 Uhr
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SCHWEINFURT
Schenkt man sich Rosen
Operettenbühne Wien präsentiert „Der Vogelhändler“
Nach der grenzwertigen Zwergerl-Inszenierung des „Vetter aus Dingsda“ hat Heinz Hellberg, Prinzipal, Regisseur und Dirigent der Operettenbühne Wien, wieder zu seiner alten Form als Anwalt der Operette zurückgefunden. Seine Neuinszenierung der Carl Zeller-Operette „Der Vogelhändler“ gefällt dem Publikum in zwei ausverkauften Vorstellungen: In einem guten Ensemble beeindrucken besonders die Stimmen und die schauspielerischen Leistungen von Thomas Markus als Vogelhändler Adam und Verena te Best als die Christl von der Post.
Für die Qualität dieser Operette spricht, dass viele Melodien immer noch (Uraufführung war 1891) die Popularität von Volksliedern besitzen. Damit schmückt sich natürlich auch das Finale des ersten und zweiten Akts: einmal mit dem Duett Adam/Kurfürstin „Schenkt man sich Rosen in Tirol“, dann mit Adams Walzerlied „Wie mei Ahnl zwanzig Jahr“. Zusammen mit dem aufmerksam musizierenden Orchester und der Klangfülle des Chores zaubern Zeller-Hellberg hier unverfälschte Operettenseligkeit: Das Publikum ist begeistert.
Schon in seinem Auftrittslied „Grüß euch Gott, alle miteinander“ beweist der Tenor Thomas Markus, langjähriges Mitglied der Wiener Volksoper, sein hohes sängerisches Potenzial: kräftig, wohlklingend in allen Lagen, strahlend in den mühelos eroberten Höhen. „Ich bin die Christl von der Post“, stellt sich Verena te Best vor und verteilt gleich fleißig ihre Autogrammfotos im Publikum. Christl kommt, um den Kurfürsten zu bitten, ihrem geliebten Adam die Stellung eines Menagerie-Direktors zu geben, damit sie heiraten könnten. Doch bis dahin gibt es noch einen langen Weg der unverzichtbaren Verwechslungen und Täuschungen.
Adam versucht inzwischen, mit der als Bauernmagd Marie verkleideten Kurfürstin nach rustikaler Art zu flirten. Angela Wandraschek spielt diese beiden Rollen mal unbekümmert, dann mit Würde und Eleganz. Wunderschön ihr sehnsuchtsvolles Lied „Als geblüht der Kirschenbaum“. Graf Stanislaus (Hristofor Yonov) als falscher Kurfürst macht dafür der Christl den Hof. Ihr gefällt es und beide singen „Schau mir nur recht ins Gesicht“.
So viel Liebesgeplänkel braucht zwischendurch natürlich auch mal Komik: Dafür sorgen Linda Rupp als heiratswütige Baronin Adelaide und das satirische Kabinettstück „Ich bin der Prodekan“ von Christian Müller und Peter Erdely. Weniger komisch das nicht zu bändigende Handy in der dritten Reihe, immer wieder störend. Trotzdem: großer Applaus für die Gäste aus Wien.
Manfred Herker
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