publiziert: 14.02.2012 12:03 Uhr
aktualisiert: 14.02.2012 16:57 Uhr
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Schnäppchen und Kostbarkeiten bei eBay

Erich Schneider stellt zwei neue Stücke aus der Schweinfurt-Sammlung vor: eine Messingdose und eine kostbare Tasse
  • Fein bemalt: Kostbare Tasse mit Stadtansicht von Schweinfurt aus dem Biedermeier, um 1840.
    FotoS: Matthias Langer
  • Herkunft unbekannt: Messingdose mit den Wahrzeichen von Leningrad und Schweinfurt auf der Vorderseite.
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Auch Museumsleute nutzen längst das Internetauktionshaus eBay und machen dort hin und wieder auch Schnäppchen. So konnte Erich Schneider, Leiter der Museen und Galerien, für 20 Euro eine ungewöhnliche Messingdose erstehen, die in die Sammlung mit Schweinfurt-Gegenständen kommt.

Sehr viel weiß Schneider noch nicht über das Fundstück, aber er vermutet, dass sie von einem russischen Zwangsarbeiter angefertigt wurde – vielleicht für die Aufbewahrung von Tabak. Auf dem Deckel sind zwei Gebäude eingraviert: Der „goldene Turm“, ein Wahrzeichen der Stadt Leningrad, und die Fassade des Alten Rathauses, Wahrzeichen von Schweinfurt. Darunter stehen die Namen der beiden Städte, zwischen den Gebäuden stehen die Initialen „JK“ in einem Ziermotiv.

Auf der Rückseite hat der Unbekannte die Peterstirn verewigt, im Hintergrund sieht man den Main und Hügel. Ein einfaches Gebäude links könnte die Wehrmachtsbaracke sein, die als Unterkunft für die Männer an der Flakstellung diente.

Auch der zweite Fund bei eBay zeigt die Peterstirn – ist davon abgesehen aber kaum vergleichbar mit der handgemachten Dose und war auch nicht unbedingt ein Schnäppchen. Die Rede ist von einer Bildertasse aus Porzellan aus der Zeit des Biedermeier.

Das Besondere: eine sehr fein gemalte Miniaturansicht der Stadt. Das von einem Goldrand gerahmte Bild misst gerade einmal sechs mal elf Zentimeter. „Von einem Aussichtspunkt auf der Peterstirn gleitet der Blick über grüne Weinberge und den von mehreren Schiffen befahrenen Main auf die östliche Ansicht von Schweinfurt mit den beiden Mainbrücken. Im Hintergrund verschwimmen einige Dörfer im Dunst“, schreibt Erich Schneider in einem Text über die kostbare Tasse.

Interessant ist seine Datierung um 1840 sozusagen im Ausschlussverfahren, die gleichzeitig ein Stück Stadtgeschichte in Erinnerung bringt. Noch trennt keine Eisenbahnlinie die Stadt vom Fluss, also muss die Darstellung vor 1852 entstanden sein. Trotz des kleinen Maßstabs ist deutlich zu erkennen, dass der Turm des Rüfferhauses bereits erhöht und zu einem Schrotturm umgebaut ist. Sogar der 1817/18 angebrachte Schacht, durch den das flüssige Blei herabtropfte und sich im Erkalten zur Kugel formte, ist zu erkennen, schreibt Schneider.

Das zwischen 1832 und 33 abgebrochene Brückentor fehlt, dafür sticht das rote Ziegeldach des Harmoniegebäudes am Main, das zwischen 1833 und 35 erbaut wurde, ins Auge. Auch der Blick auf die Brücke hilft bei der Datierung. Die alte hölzerne Staubbrücke (errichtet zwischen 1574 und 1578) wurde 1830 abgebrochen und durch eine Bogenbrücke ersetzt, die aber – wie Erich Schneider weiß – so schlampig ausgeführt war, dass sie schon 1858 durch einen Neubau, die Maxbrücke, ersetzt werden musste.

Dank einer Lithographie von Georg Lauer weiß man, wie die Bogenbrücke aussah – nämlich wie auf der Bildertasse. Ein weiteres Merkmal ist die 1836 von Adolf Wüstenfeld erbaute „Runkelrübenzuckerfabrik“ – das rote Ziegelgebäude links vom Mühltor. All das ergibt eine Datierung des guten Stücks auf die Zeit nach 1836 und vor 1842.

Blieb noch die Suche nach der Manufaktur. Hier spreche sehr vieles für die Porzellanfabrik Schney bei Lichtenfels, sagt Erich Schneider. Dort wurden solche Prunktassen, die auf vergoldeten Löwentatzen ruhen, gefertigt. Die kostbaren Stücke waren beliebte Geschenk in wohlhabenden Bürgerkreisen.

Von unserem Redaktionsmitglied Katharina Winterhalter
    
    

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Die neuesten Kommentare

christel2 (451 Kommentare) am 14.02.2012 19:17

"... durch den das flüssige Blei

herabtropfte und sich im Erkalten zur Kugel formte ..."

Da fehlt jemandem ein "wichtiges Teil": Das Sieb. Dadurch wurde das flüssige Blei gegossen und formte sich im freien Fall zu Kugeln, die in einem unten aufgestellten Gefäß aufgefangen wurden.
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