publiziert: 18.02.2010 17:18 Uhr
aktualisiert: 18.02.2010 17:19 Uhr
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Schwarze und Linke eint nur der Heringstopf

Politischer Aschermittwoch: CSU, Linke und SPD nutzen den Traditionstermin vorwiegend zum OB-Wahlkampf
  • SPD-OB-Kandidatin Kathi Petersen mit Bayerns SPD-Vorsitzendem Florian Pronold.
    Foto: Fuchs-Mauder
  • Linke-OB-Kandidat Frank Firsching (rechts) mit dem designierten Bundesvorsitzenden Klaus Ernst.
    Foto: Fuchs-Mauder
  • CSU-OB-Kandidat Sebastian Remelé (CSU) hat sich vor 150 Zuhörern in der Dr.-Pfeiffer-Schule den Seinen vorgestellt. Einen „Promi“ von außerhalb gab's nicht, zwei Büttenredner rahmten seine Rede ein.
    Foto: Ruppert
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Manchmal verbindet die am weitesten voneinander entfernten politischen Gegner ausgerechnet am Politischen Hau-drauf-Aschermittwoch mehr, als sie glauben: Die Schwarzen in der Dr.-Pfeiffer-Schule und die Linken einen Steinwurf weiter, im TVO-Sportheim, labten sich an derselben marinierten Fastenspeise: „Neugebauers Heringstopf“. Die SPD servierte im Naturfreundehaus ebenfalls Fisch und die Rede ihres neuen bayerischen Vorsitzenden Florian Pronold.

Am Anfang steht beim „9. Oberndorfer Aschermittwoch“ der CSU – wie stets – das Fastenessen. Den Heringstopf und auch die restliche Veranstaltung – bestehend aus zwei Büttenreden und zwischen diesen der politischen Rede des OB-Kandidaten Sebastian Remelé – begleitet musikalisch die Sennfelder Combo mit Dixie-Jazz. Als „Fortsetzung des Faschings mit anderen Mitteln“ bezeichnet Fraktionschef Stefan Funk die Veranstaltung.

Wertekodex

Bis auf Remelés Rede über Wertekodex, Person, Familie und OB-Ziele ist es die Fortsetzung des Faschings mit denselben Mitteln: Günter Siebenbürger, aktiver Antöner Narr, im zivilen Leben Amtsgerichtsdirektor, liest als „Kleiner Mann“ in Reimform Parteien und ihren Akteuren die Leviten. Peter Kuhn, Bütten-Star der „Schwarzen Elf“ wie des fränkischen TV-Faschings in Veitshöchheim, gibt Angela Merkel als „Kapitänin“ des Traumschiffs MS Deutschland. Zwei Büttenreden aus der am Vortag beerdigten Session.

Remelé räumt im ersten Satz ein, er sei „kein begnadeter Bierzeltredner“. Stimmt. Er sehe zu jung aus, hört er immer wieder. Das sei eine Frage des Standpunkts, „meine Kinder halten mich für steinalt“, scherzt er. Dann wiederholt er ein paar Programmpunkte, die er in Podiumsdiskussionen schon x-mal vorgetragen hat, freut sich, dass die OB-Kandidaten bisher doch sehr fair miteinander umgegangen seien, und bittet die 160 Zuhörer um ihr Vertrauen bei der OB-Wahl. Sehr gediegen ist das alles, keinen Deut krawallig. Einen prominenten Redner von außerhalb gibt's nicht, Remelé ist sich quasi sein eigener Promi.

SPD im Naturfreundehaus. Rote SPD-Fähnchen auf den Tischen, OB-Kandidatin Kathi Petersen lächelt zweimal von Plakaten und einmal live auf die 150 Genossen im vollen Saal. Für 19 Uhr ist Pronold angekündigt, aber schon um Viertel vor Sieben – die meisten haben ihren Fisch noch gar nicht vertilgt – steht der Niederbayer in der Tür.

Petersen steigt kämpferisch mit Bundespolitischem ein und erinnert an die Alt-OB Petzold und Wichtermann, die auch etwas geleistet hätten. Beider Politik „hat sich am Gemeinwohl orientiert“, zielt sie auf Amtsinhaberin Grieser. Es müsse in Schweinfurt „wieder um Menschen statt Beton gehen“, ruft sie unter Beifall und erklärt damit ihren Slogan „Neues Miteinander“. Willy Brandt zitierend („Mehr Demokratie wagen“) kündigt Petersen an, dass sie die Bürger wieder „mehr einbinden wird“, beispielsweise durch Vorschlags-Foren und Stadtteiltreffs.

Elke Neugebauer und Mad Bob geben „Mackie Messer“. Pronold greift den Brecht-Song auf – und drischt aufs „Horrorkabinett“ um „Guido, Angela und Horst“ ein, dessen CSU er wegen des HGAA-Desasters geißelt. Der Außenminister ist „Wildwesterwelle“. Würden die täglichen Umfaller Seehofers in Energie umgewandelt, „könnten wir alle KKW abschalten“. Pronold hält ein Foto hoch, das Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Käpt'n Blaubär und Hein Blöd zeigt: „Käpt'n Blaubär habe ich sofort erkannt.“ Er zollt Petersen Respekt, dass sie trotz Schwarz-Gelb („Totengräbern der Kommunen“) OB werden will. Schließlich die Empfehlung: „Wer am 7. März sein Kreuz bei Kathi macht, der muss selber keins mehr tragen."

Der Linke-Promi im TVO-Sportheim heißt Klaus Ernst. Er ist hier wohlbekannt, als designierter Bundesvorsitzender aber alsbald ein echter Prominenter. OB-Kandidat Frank Firsching nutzt die Versammlung, um „aschermittwöchlich“ über seine Gegenkandidaten herzuziehen, will so Feuer in den Wahlkampf bringen. „Absolut ideenfrei“ ist für ihn seine „Lieblingsmitbewerberin“ Christiane Michal-Zaiser von „proschweinfurt“. Mit ihre ziehe mehr Herz ins Rathaus ein, zitiert er ihren Slogan und ätzt: Sie soll „lieber ihr Hirn mitnehmen“. Zur CSU: „Die ist dabei, sich selbst zu zerlegen“, er wünscht ihr viel Erfolg dabei. Zur SPD: „Wenn ich auf den Wahlplakaten so eine Verjüngungskur hinter mir hätte wie Kathi Petersen, könnte ich mich zur Einschulung anmelden.“ Stehende Ovationen für den Kandidaten.

Lafontaine kommt

„Frank hat das super gemacht, eigentlich könnten wir schon zum Bier übergehen“, feixt Klaus Ernst und kündigt – Überraschung – Oskar Lafontaine als Wahlkampfunterstützer für Firsching an: Anfang März, goldrichtig zum Endspurt. Schweinfurt sei so schon bekannt als Stadt mit Industrie, Kultur und Fremdenverkehr. Einen linken Oberbürgermeister würde jeder sehen wollen und hierher kommen.

Ernst gibt sich kämpferisch und unterhaltsam, knöpft sich in freier Rede Siemens (Stellenstreichung in Bad Neustadt), die Bankenkrise und Schaeffler vor. Immer wieder zieht er eine Miniaturausgabe der bayerischen Verfassung aus der Tasche und schlussfolgert.

„Der Verfassungsschutz muss die bayerische Landesregierung überwachen.“ Natürlich watscht er Westerwelle für seine Tiraden gegen Hartz IV-Empfänger ab – und mahnt am Ende ganz bierernst: Die Linke darf ihre Prinzipien in der Friedens- und Sozialpolitik nicht aufgeben. „Seit es uns gibt, bewegen sich die anderen auf uns zu.“ Firschings Aschermittwochsmahl ist übrigens der marinierte Hering, der rote Ernst bevorzugt Karpfen blau.

ONLINE-TIPP

Alle Berichte zur OB-Wahl und Videos im Internet im rechten Bereich unter schweinfurt.mainpost.de

Von unseren Redaktionsmitgliedern H. Helferich, A. Ritter, S. Sauer
    
    

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»Alle 11 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

henni (70 Kommentare) am 20.02.2010 10:47

Liebe/r (unbekannte/r) frika ....

... Oskar ist ein Linker, war immer ein Linker und wird immer ein Linker bleiben. Die Wendehälse finden sie in ihrer Lieblingspartei zuhauf.

Klaus Schröder
(0)
henni (70 Kommentare) am 20.02.2010 04:42

@-kfk-

Zum Schluss kommend: Frank Firsching hat sich nicht über das Aussehen von Kati Petersen lustig gemacht - sondern über das, was die Werbeabteilung der SPD (für ein Plakat) aus Kati Petersen gemacht hat.

Klaus Schröder
(0)
frika (18 Kommentare) am 20.02.2010 00:43

@henni

Endlich zugegeben, er fand keine Mehrheit für seine Politik, anstatt zu kämpfen zieht man sich schmollend in sein Heim zurück.
Verantwortung sieht für mich anders aus.
Quantität in verantwortungsvoller politischer Position ist nicht immer mit Qualität der geleisteten Arbeit in dieser Zeit gleichzusetzen.
Zum Schluß noch mal auf den Punkt gebracht, Herr Lafontaine ist einfach nur profilierungssüchtig und sucht immer den Weg der Ihm den geringsten Wiederstand und die größte Aufmerksamkeit sichert.
Eventuell muss das die Linke noch genauso bitter erkennen, wie es die SPD erfahren musste.
(0)
henni (70 Kommentare) am 19.02.2010 20:52

Liebe/r frika ....

... Oskar Lafontaine hat mehr Zeit in politischer Verantwortung (Bürgermeister, Ministerpräsident, Parteivorsitzender)verbracht, als die meisten anderen Politikern (kann man nachlesen- wenn man will). Oskar hat sein Amt als Finanzminister 1999 abgegeben, weil er in seiner SPD-Fraktion keine Unterstützung für seine Finanzpolitik mehr gefunden hat (auch das kann man nachlesen- wenn man will).
Und noch mal, auch das kann man nachlesen, die anderen Parteien schreiben von uns LINKEN ab, nicht umgedreht (z.B. Verlängerung ALG I; Zuverdienst Hartz IV; Mindestlöhne; Afghanistanpolitik).
ps: zum Thema Diffamierung: sie kennen sich scheinbar gut aus in Nordkorea und Burma - wo sie sich aber auch überall herumtreiben.

Klaus Schröder
(0)
-kfk- (170 Kommentare) am 19.02.2010 13:48

@henni

Ich gebe ihnen recht, dass am Aschermittwoch auch mal "zugeschlagen" werden darf, aber doch bitte mit etwas Niveau und Anstand. In Anwesenheit der Öffentlichkeit/Presse mit Bemerkungen über das Aussehen eines anderen Menschen ein paar Schenkelklopfer unter Gleichgesinnten einzusammeln, ist doch aber einfach nur armselig. Wenn Sie da keinen Unterschied zu anderen Vorträgen sehen, tun Sie mir wirklich leid.
(0)
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