aktualisiert: 27.05.2009 23:28 Uhr
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Stahlkoloss im Sechserpack: Neue Windräder geplant
Windkraft-ProjektIm Staatswald nahe des Ellertshäuser Sees sind sechs neue Windräder geplant. Die größten im Kreis. Dagegen laufen nun Kommunalpolitiker Sturm und üben Kritik an den Staatsforsten.
Mitten im Staatswald südwestlich des Ellertshäuser Sees sind sechs Windkrafträder geplant. Eine millionenschwere Investition. Während Kommunalpolitiker wie Stadtlauringens Bürgermeister Friedel Heckenlauer Auswirkungen auf die Naherholungsfunktion des Sees befürchten, bringt der Plan Landrat Harald Leitherer in die Zwickmühle: Er ist dagegen, muss aber wahrscheinlich die Bauten genehmigen.
Der Investor juwi – ein derzeit kräftig expandierendes und weltweit aktives Unternehmen aus Rheinland-Pfalz, spezialisiert auf regenerative Energieerzeugung – hat bereits Genehmigungsanträge für die sechs Rotoren im Staatswald bei Reichmannshausen gestellt. Genauer: entlang des Wirtschaftsweges zwischen dem Golfplatz Löffelsterz und Ebertshausen.
Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Anlagen eine maximale Höhe von 185 Metern erreichen. Zum Vergleich: Der benachbarte Rotor bei Hesselbach bringt es auf 152 Meter und ist so hoch wie der Kölner Dom. Im Umgriff der Masten müssen zudem jeweils 6000 Quadratmeter Wald gerodet werden: insgesamt also 3,6 Hektar, für die die Behörden mit Sicherheit Ausgleichsmaßnahmen fordern dürften. Landrat Harald Leitherer hatte unlängst von einem Hektar je Anlage gesprochen; beim möglichen Verpächter Bayerische Staatsforsten geht man von nur 1000 bis 2000 Quadratmetern aus.
Weitere Details sind bislang öffentlich nicht bekannt; in der juwi-Presseabteilung war am Mittwoch wegen anderer Termine keine Auskunft zu bekommen. Weitere Anlagen auf Staatswald-Flächen sind aber laut Information der Bayerischen Staatsforsten im Landkreis Schweinfurt nicht geplant. Bislang gibt es im Kreis zwölf Windräder– allesamt auf ehemaligen Äckern.
Das juwi-Projekt war auch der Grund, weswegen Landrat Leitherer vor wenigen Wochen im Regionalen Planungsausschuss vehement darauf gedrängt hat, Windränder nicht nur in Landschaftsschutzgebieten zu verbieten, sondern auch in geschlossenen Waldgebieten. Zwar erhielt der Landrat dafür eine Mehrheit (wir berichteten), aber ob dieser Beschluss die juwi-Investition juristisch verhindern kann, ist fraglich. Denn Windkraftanlagen gehören zu privilegierten Bauten in der Landschaft. Gegen sie spräche etwa das Vorkommen seltener Fledermäuse oder des geschützten Roten Milans. Doch diese Tiere sind zwischen Ebertshausen und Reichmannshausen noch nicht gesichtet worden. Insofern blickt der Landrat neidisch gen Nordrhein-Westfalen, wo Windräder in Wäldern generell verboten sind.
Unisono bedauern Leitherer, Friedel Heckenlauer und Schonungens Bürgermeister Kilian Hartmann die Pläne. „Sie konterkarieren die touristischen Bemühungen der Oberland-Gemeinden“, findet der Landrat, der befürchtet, dass die Naherholungsfunktion des Ellertshäuser Sees, für den derzeit ein touristisches Konzept entsteht, getrübt werden könnte. Er geht davon aus, dass die Rotoren vom See aus zu sehen sein werden.
Im Fokus der Kritik stehen daher die Bayerischen Staatsforsten, die dem Investor die Flächen verpachten will. „In jedem Gartenbauverein sagen wir, wie wichtig die Bäume sind. Ich finde es daher grundsätzlich nicht gut, dass die Staatsforsten Gewinnerzielung auf Kosten des Waldes betreiben“, wird Leitherer deutlich.
Auch Bürgermeister Heckenlauer ist sauer: „Die Staatsforsten sollten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren.“ Die Körperschaft, die nach der Forstreform 2005 die Wälder des Freistaats und somit elf Prozent der Gesamtfläche Bayerns bewirtschaftet, arbeitet höchst profitabel. Im vergangenen Jahr erzielte sie nach eigenen Angaben bei 340 Millionen Euro Umsatz einen Überschuss von 62 Millionen Euro, was einer Rendite von 18 Prozent entspricht. Und längst haben die Staatsforsten ihr Geschäftsgebiet jenseits der Holzvermarktung unter anderem auf regenerative Energien wie Windkraft erweitert.
„Wir stellen Investoren lediglich die Fläche zur Verfügung“, erklärt auf Anfrage von mainpost.de Staatsforsten-Pressesprecher Joachim Keßler das Modell. Mit einem Betreiber werde wie im Fall Ebertshausen/Reichmannshausen ein „Standortsicherungsvertrag“ geschlossen, wonach das Unternehmen die Eignung des Geländes erkunden kann. „Erst wenn die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind, werden die Flächen vergeben“, sagt Keßler. Und diese rechtliche Würdigung ist nun Sache des Landratsamtes. Das allerdings kann eine Genehmigung gar nicht versagen, wenn alle Voraussetzungen für den Bau erfüllt sind. Was wiederum Standort-Gegner Leitherer in die Bredouille bringt.
Ein ganz anderes Konfliktfeld hat Schonungens Bürgermeister Hartmann ausgemacht, dem juwi die Planung am Dienstag vorgestellt hat und der sich aus ökologischen Gesichtspunkten („Man will regenerative Energie fördern und dafür Wald opfern.“) gegen die sechs Masten ausspricht. Es gebe einige Privatpersonen, die in diesem Bereich seit alters her verschiedene Holzrechte innehaben. Sie seien offenbar über die Pläne nicht informiert worden und hätten via „Buschtrommeln“ davon erfahren: „Das ist unerträglich.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass die Rechtebesitzer ihre Privilegien aufgeben wollen, sagt Hartmann: „Auch das ist ein Stück Heimat.“ Er will das Windkraft-Projekt am 30. Juni im Gemeinderat behandeln.
Eine andere politische Dimension erhält die Sache, blickt man auf die organisatorische Zusammensetzung der Bayerischen Staatsforsten: Im Beirat, der den Aufsichtsrat berät, hat Leitherers Parteifreund, CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Gerhard Eck (Pusselsheim), den Vorsitz.
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