aktualisiert: 17.01.2012 17:59 Uhr
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GEROLZHOFEN
Starkes Identitätsmerkmal für Stadt und Altlandkreis
Gerolzhöfer wollen Wiedereinführung des einstigen Autokennzeichens beantragen – Nut zwei Gegenstimmen im Stadtrat
Geomaris, Geomed, geo-net – von bedeutenden Einrichtungen der Stadt bis hin zur politischen Gruppierung haben viele das ehemalige Autokennzeichen für den 1972 aufgelösten Landkreis Gerolzhofen als Namensbestandteil. Und im Volksmund heißt Gerolzhofen schlicht und einfach Geo, nicht nur in der Stadt, sondern auch in der weiteren Umgebung.
Nun bestehen gute Chancen, dass das Kennzeichen schon in naher Zukunft wieder auf den Straßen zu sehen ist. Eine endgültige Entscheidung über den Vorstoß der „Initiative Kennzeichenliberalisierung“ des Heilbronner Professors Ralf Bochert ist zwar noch nicht gefallen, doch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat die Länder gebeten, Städte mitzuteilen, die ihr ehemaliges Autokennzeichen gerne wieder haben möchten.
Auf bayerischer Ebene kümmert sich das Wirtschaftsministerium um das Thema. Von Wirtschaftsminister Martin Zeil ist bekannt, dass er der Wiederzuteilung der ehemaligen Kennzeichen aufgeschlossen gegenübersteht.
Der Stadtrat hat in dieser Angelegenheit zwar keine Entscheidungskompetenz, sprach sich jedoch am Montag mit großer Mehrheit für eine Wiedereinführung des GEO-Kennzeichens aus.
Auslöser für die Diskussion war ein Antrag von elf Stadträten, den Thomas Vizl (geo-net) initiiert hatte und den auch Heinz Lorz (Die Republikaner) sowie die kompletten Fraktionen von Freien Wählern und SPD unterzeichnet hatten.
Die Antragsteller hätten bereits alleine die Mehrheit gehabt, erhielten dann aber noch durch Einzelkämpfer Thorsten Wozniak (Die Jungen) sowie die CSU-Fraktion, bis auf Lieselotte Feller und Burkhard Wächter, Unterstützung.
Nach dem Beschluss beantragt die Stadt nun beim Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie die Wiedereinführung des alten Kfz-Kennzeichens als „Markenzeichen und Identitätsmerkmal Gerolzhofens und des Umlandes“, wie es im Antrag heißt. Die Bürger sollen künftig frei wählen können, ob sie das SW- oder das GEO-Kennzeichen am Auto haben möchten.
Welche Bürger das allerdings für welches Kennzeichen können, ist noch recht diffus. Im Landkreis Schweinfurt wäre es entsprechend der Gebietsreform von 1972 auch möglich, ehemalige Kennzeichen von Hammelburg (HAB), Karlstadt (KAR), Hofheim (HOH) zu führen. Wahrscheinlich, so Thorsten Wozniak, Pressesprecher am Landratsamt Schweinfurt, würde ein Gesetzesentwurf so aussehen, dass alle Bürger eines Altlandkreises ihr ehemaliges Kennzeichen beantragen können. Im Falle des Altlandkreises Gerolzhofen müsste das dann je nach Wohnort in den jetzigen Kreisstädten Schweinfurt, Kitzingen, Haßfurt und Würzburg passieren.
Zumindest in der Anfangsphase würde die Wiedereinführung einen personellen Mehraufwand erfordern und damit Kosten verursachen, sagt Wozniak. Auch der Bürger müsste wohl 10,20 Euro extra für seine Kennzeichen zahlen. So viel verlangt die Zulassungsstelle für ein Wunschkennzeichen. Als solches würde die GEO-Nummer wohl geführt werden.
GEO-Wortführer Thomas Vizl sah dagegen im Stadtrat in der Wiedereinführung eine Optimierung der Außendarstellung der Stadt, die außerdem kostenneutral sei. Überall sei man auf der Suche nach regionaler Identität. Für den Landkreis Schweinfurt habe das keine Nachteile; das Kennzeichen ändere nichts an der Zugehörigkeit der Gerolzhöfer zum Kreis.
Lieselotte Feller wollte dem Kennzeichen zwar nicht einen gewissen Charme aberkennen, sagte aber, der Kreis investiere schon lange und besonders dieses Jahr sehr viele seiner Mittel in Gerolzhofen. Feller, selbst Kreisrätin, möchte deshalb nicht den Eindruck von Separatismus entstehen lassen.
Burkhard Wächter sprach von Nostalgie. Das GEO-Kennzeichen könne man höchstens für Oldtimer zulassen. Es bedeute zusätzliche Bürokratie und bringe keine einzigen Touristen mehr nach Gerolzhofen.
Bernd Ludwar (Freie Wähler) sprach dagegen von einem wichtigen Vorschlag. In anderen Ländern könne man sogar seinen eigenen Namen aufs Autoschild schreiben. Erich Servatius (SPD) wollte Fellers Sorgen nicht teilen. Der Landkreis selbst verwende das GEO in seiner Geomed-Klinik. Und sogar im Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) sei von einer ReGEOn die Rede. Der Begriff GEO sei im Altlandkreis noch fest verankert, sagte Heinz Lorz. Er ist gespannt, wie die Jugend, die den alten Landkreis nicht mehr kenne, das Angebot annehmen würde.
Landrat Harald Leitherer sagte am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung, ein GEO-Kennzeichen werde nichts am Engagement des Landkreises in der Stadt ändern, „jedenfalls nicht, solange ich da bin.“ Gerolzhofen werde deswegen kein anderes Gewicht haben als jetzt. In einer gesamtdeutschen Landkreiskonferenz habe sich allerdings kein einziger der jetzigen Kreise für die Wiedereinführung alter Kennzeichen ausgesprochen.
Leitherer gab klar zu erkennen, dass ihm die Entwicklung einer gemeinsamen Identität des jetzigen Landkreises mehr am Herzen liegt als das GEO-Autokennzeichen.
Für die Polizei würde ein solches Kennzeichen keine erschwerten Arbeitsbedingungen bedeuten, solange es eine Zulassungsstelle für den gesamten Kreis gibt, sagte der Gerolzhöfer Inspektionsleiter Jochen Dietrich am Dienstag.
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