publiziert: 18.01.2012 17:42 Uhr
aktualisiert: 18.01.2012 17:47 Uhr
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Über den Kirchturm hinaus

Voluminöses Entwicklungskonzept für die Region
  • Weitblick: Im ILEK-Konzept für die Region zwischen Steigerwald und Main geht es für die zwölf Allianz-Gemeinden darum, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und eine vernetzte Entwicklung anzustreben. Das Bild entstand am Stollberg oberhalb von Handthal.
    Foto: Beate Glotzmann
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Bürger aus den zwölf Mitgliedsgemeinden der Region Steigerwald haben in Arbeitskreisen ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept zusammengestellt. Umsetzungsbegleiter Sebastian Restetzki stellte das fertige und ziemlich voluminöse Werk dem Stadtrat vor.

Das Konzept soll als Leitfaden für gemeinsames Handeln in der Region über gemeindliche und sogar über Landkreisgrenzen hinaus dienen. Denn neben den acht Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen gehören aus dem Landkreis Schweinfurt noch Kolitzheim, Wipfeld und Schwanfeld sowie die Marktgemeinde Eisenheim aus dem Landkreis Würzburg zur Allianz. Die Vorschläge nageln niemanden auf eine bestimmte Vorgehensweise fest; zur Umsetzung einzelner Projekte ist noch einmal die Zustimmung der betroffenen Stadt- oder Gemeinderäte notwendig.

Hier in stark geraffter Form die wesentlichen Unhalte des Konzepts, geordnet nach Handlungsfeldern

• Bauen und Innenentwicklung: Hier soll ein Internetportal mit einer Liste von schon bestehenden oder drohenden Leerständen in den Gemeinden entstehen. Die Leerstände sollen auch bewertet werden, etwa nach Bausubstanz oder Lage. Eine kostenfreie und fachlich kompetente Erstberatung soll Besitzer motivieren, es gar nicht erst zu Leerständen kommen zu lassen. Wenn junge Menschen ein altes Anwesen kaufen, soll es dafür einen Zuschuss geben. Es soll auch geprüft werden, ob sich die Gemeinden nicht für das neue Städtebauförderprogramm „Kleine Städte und Gemeinden“ bewerben sollten. Flächenutzung- und Bebauungspläne sollen interkommunal abgestimmt, weitere Dorferneuerungsverfahren angekurbelt werden.

• Verkehr: Hier soll es eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnlinie Schweinfurt-Gerolzhofen-Kitzingen geben, auch im Hinblick auf das neue Nachhaltigkeitszentrum in Handthal. Dazu will man Möglichkeiten ausloten, das Busnetz attraktiver zu machen.

• Soziales: Hier soll ein Bildungsplan für die Region entstehen. Ziel dabei ist es, eine kleinräumige Grundversorgung aufrechtzuerhalten und weiterführende Angebote an gut erreichbaren Standorten zu bündeln. Dazu gehört auch, erneut zu prüfen, ob nicht das Gymnasium Gerolzhofen für einen Vollausbau geeignet ist. Auch bei der Kinderbetreuung gelte es, ein wohnortnahes Angebot zu erhalten. Das alles soll einen Zeitraum bis 2030 abdecken. Auch in der Altenpflege und -betreuung sollen die Angebote gebündelt werden. Auf der Grundlage des Seniorenwegweisers in Gerolzhofen könnte es auch eine Seniorenfibel für die ganze Region geben. Denkbar wäre auch eine regionale Beratungsstelle für pflegende Angehörige.

• Marketing für die Region: Aus der Region Main-Steigerwald soll die ReGEOn werden im Sinne der Entwicklung eines Wir-Gefühls.

• Wirtschaft/Versorgung: Ein regionaler Ehrenamtstag soll entstehen. Um die Nahversorgungsangebote zu verbessern, könnten Dorfläden und mobile Angebote entwickelt werden. Die Geomed-Klink könnte den regionalen Gesundheitstag ausrichten. Einmal im Jahr soll es einen Regionaltag oder gar eine Regionalwoche geben.

• Kultur und Freizeit: Ein Veranstaltungsverzeichnis und ein Kulturführer sollen ebenfalls die gesamte Region abdecken. Kulturzentrale könnte der Bahnhof von Gerolzhofen als Kulturbahnhof werden. Laienspielgruppen sollen sich ebenfalls vernetzen mit dem Ergebnis einer regionalen Theater- oder Kabarettveranstaltung. Die Radwege in der Region sollen gezielt beworben, die Movelo-Angebote ausgebaut werden.

• Tourismus: Die Mainschleifenbahn von könnte Touristen aus dem Raum Würzburg in die Region bringen. Auf Wanderwege mit Ausblicken in die ReGEOn soll aufmerksam gemacht werden. Gastronomie- und Hotelleriebetriebe sollen sich austauschen und Trends früher aufnehmen, ein Kongresshotel könnte entstehen.

• Natur/Landwirtschaft/Energie: Hier stehen der Ausbau eines Nahwärmenetzes, der Windenergie und von Biogasanlagen im Mittelpunkt. Schon jetzt gilt es der drohenden Verbrachung von Weinbergen entgegenzuwirken, die nach der Aufhebung des Anbaustopps im Weinbau 2018 droht. Obst könnte regional besser vermarktet werden. Natürlich soll auch das Handthaler Nachhaltigkeitszentrum eng mit der Region verbunden sein.

In der Diskussion wollte Eva Maria Ott dem Bus den Vorzug vor der Bahn geben. Dazu Bürgermeisterin Irmgard Krammer: In den Arbeitskreisen war man sich einig, dass die Bahn das wesentlich schnellere Verkehrsmittel ist. Thomas Vizl: Die Bahn kann auch sehr preisgünstig sein. Es gibt zum Beispiel ein Ticket von Würzburg nach Straßburg für 22 Euro.

Für Thorsten Wozniak enthält das Konzept zu wenig im Bereich Kinder und Jugend. Thomas Vizl nannte das Entwicklungskonzept einen „schönen Wunschplan, in dem sicher nicht alles umgesetzt werden kann.“ Für Gemeinden, die nicht in einem Förderprogramm sind, sei das Konzept aber gut. Die Region müsse an einem Strang ziehen, es müsse sich ein Geben und Nehmen einstellen.

Der Stadtrat stimmte dem einhellig zu, ebenso der Bezeichnung ReGEOn. Gegen diese Bezeichnung hatte sich allerdings bereits der Gemeinderat von Kolitzheim gewandt.

Von unserem Redaktionsmitglied Norbert Finster
    
    

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