aktualisiert: 10.08.2012 17:10 Uhr
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MAINBERG
Verbotene Flüge
Extrem-Mountainbiker legen bei Mainberg illegale Trials an
Die Downhill-Radfahrer haben für ihr halsbrecherisches Hobby das Revier Mainberg entdeckt. Das Problem: Sie legen illegal Wege an.
Manche fahren auf dem Volksfest Achterbahn. Das ist aufregend, aber ziemlich ungefährlich. Manche fahren mit dem Mountainbike über Stock und Stein möglichst steile Hänge im Wald hinab. Das ist auch aufregend, aber ziemlich gefährlich. Und außerdem verboten.
Aber die Hügel zwischen Schweinfurter Höllental und Mainberg eignen sich nunmal hervorragend für dieses halsbrecherische Vergnügen. Weswegen Downhill- also Bergab-Enthusiasten die Hänge inzwischen mit einem Netz von so genannten Trails überzogen haben – Pfaden, die sich von einem möglichst hochgelegenen Punkt möglichst kurvenreich und möglichst steil ins Tal winden.
Nun ist im Bayerischen Waldgesetz ein Betretungsrecht der Wälder zum Zwecke der Erholung ausdrücklich festgehalten. Weitere Gesetze regeln, wie sich Waldbesucher zu verhalten haben. Da geht es um Achtung vor der Natur und gegenseitige Rücksichtnahme, schließlich muss der Wald einer Vielzahl von Bedürfnissen gerecht werden. Radfahrer zum Beispiel sind gehalten, „geeignete Wege“ zu benutzen. Geeignet im Sinne des Gesetzes ist ein Weg, auf dem Fußgänger und Radfahrer problemlos aneinander vorbeikommen, der also mindestens 2,50 Meter breit ist.
Das trifft auf keinen der Pfade abseits der breiten Forstwege zu. Und so beschweren sich immer mehr Fußgänger bei Revierleiter Hubert Feuchter über rücksichtslose Radfahrer. Denn neben den steilen Trails, auf die sich Fußgänger vermutlich eher selten wagen, gibt es genügend schmale Pfade, auf denen Radler und Wanderer aneinandergeraten können. Die einen auf der Suche nach Ruhe, die anderen auf der Suche nach dem Kick.
Das Szenario ist immer wieder ähnlich: Der Radler nähert sich schnell und nahezu lautlos, der Fußgänger bemerkt ihn im letzten Moment und erschrickt. Und springt zur Seite, falls die Zeit noch reicht.
Vergrämungsversuche nutzten nichts
Hubert Feuchter ist als Vertreter des Grundeigentümers Freistaat Bayern zuständig für die 2010 Hektar Staatswald des Reviers Mainberg auf Schonunger Gemeindegebiet und damit Forst- und Naturschutzbeauftragter. Als solcher hat er sogar polizeiliche Befugnisse und müsste eigentlich gegen den massenhaften Verstoß gegen Wald- und Naturschutzgesetz vorgehen, wie ihn das Anlegen von immer neuen Trails darstellt. „Aber das ist überhaupt nicht machbar.“
Die Biker sind übers Internet bestens vernetzt, die Mainberger Trails locken auch welche von außerhalb an. Am frühen Abend und am Wochenende rücken sie nicht selten in Trupps von bis zu 20 Leuten an, um sich in die Tiefe zu stürzen, hat Feuchter beobachtet. Manche tun es sogar nachts, mit Lampe am Helm. Hin und wieder haben die Forstleute einen Baumstamm über einen frischen Trail geworfen. Aber derlei Vergrämungsversuche haben niemand beeindruckt, weswegen Feuchter sie wieder eingestellt hat.
Immerhin: Seit drei, vier Jahren hat die Mode nachgelassen, „bauliche Veränderungen“ im Wald vorzunehmen. Die eine oder andere Schanze wird auch heute noch aufgeschüttet, aber in der Hochzeit schleppten die Biker Paletten stapelweise in den Wald, um daraus Steilkurven zu bauen, die sie mit Nägeln in Bäumen verankerten. „Das war dann auch noch Sachbeschädigung. Wir haben das Zeug zwar rückgebaut, aber die haben's 400 Meter weiter wieder aufgebaut.“
Heute hat der Besen den Hammer abgelöst, wenn auch hin und wieder noch ein störender Baum sichtlich unsachgemäß abgehackt wird. „Abgebibert haben wir das früher genannt“, sagt Feuchter und zeigt auf einen zerfledderten Stumpf am Rande eines Trails. Der Besen wiederum ist unentbehrlich beim Anlegen einer neuen Route: Zuerst werden Laub, Schalen, Äste akribisch beiseite gefegt, sonst trägt es den Biker aus der Kurve.
Der Trail selbst bildet sich sehr schnell heraus, sobald ein paar Dutzend Biker ihn benutzt haben: Die Stollenreifen schmirgeln kleine Unebenheiten ab und verdichten die blanke Erde. Nach ein paar Wochen sieht ein Trail aus, als hätte es ihn schon immer gegeben. Fünf bis sechs große Trails von mehreren Kilometern Länge kennt Feuchter, sie tragen Insidernamen wie „Kartoffelacker“. Dazwischen ein dichtes Netz von Querungen, Zubringern, Alternativrouten. Und ständig entstehen neue.
Sie haben ausdrücklich nichts gegen Mountainbiker im Wald, betonen Hubert Feuchter und Lothar Kiennen, Leiter des Forstbetriebs Arnstein, zu dem Mainberg gehört. Aber eine kleine Gruppe höchst risikobereiter Hardcore-Downhiller bereitet den Forstleuten langsam Kopfzerbrechen – und das nicht nur im besonders beliebten Revier in Schweinfurter Stadtnähe, sondern im gesamten Staatsforst zwischen Uffenheim und Münnerstadt, überall da, wo das Gelände hügelig genug und gut erreichbar ist.
Denn es passieren immer wieder Unfälle, mitunter auch schwere: „Wir hatten schon den Rettungshubschrauber im Wald“, sagt Feuchter. Die Biker tragen Integralhelme, Handschuhe, mitunter Knieschützer. Aber hin und wieder gibt es schwere Rückenverletzungen. „Wenn man sich in YouTube die – auch an der Dianenslust entstandenen – Videos mancher Talfahrt anschaut, wundert man sich, dass es noch keine Toten gegeben hat“, so der Revierleiter.
Auf eigene Gefahr
Grundsätzlich betritt der Mensch den Wald auf eigene Gefahr. Wo aber Wege ausgewiesen sind, hat der Eigentümer eine Verkehrssicherungspflicht. „Wir geben im Revier Mainberg jährlich 20 000 Euro aus, um diese Wege zu sichern“, sagt Hubert Feuchter. Das Entstehen neuer, wenn auch illegaler, Wege könnte irgendwann haftungsrechtliche Fragen aufwerfen. Im Grunde müsste der Eigentümer unsichere Wege offiziell sperren, aber das ist schon technisch nicht möglich. Außerdem, das zeigt sich auch bei Waldarbeiten immer wieder, ignoriert der passionierte Mountainbiker Sperrungen grundsätzlich.
Und dann wären da noch die Bedürfnisse der eigentlichen Waldbewohner. Große Teile des Staatswalds sind FFH- und SPA-Gebiet, also Bereiche, in denen der Lebensraum von Pflanzen und Tieren, namentlich Vögeln, besonders geschützt ist. Viele Trails aber führen mitten durch Einstände, die Rückzugsgebiete des Wilds während des Tages. Das Wild wird nun permanent aufgemüdet, wie die Forstleute sagen, also aufgescheucht. Hubert Feuchter ist schon am hellichten Tag offensichtlich desorientierten Wildschweinrotten begegnet.
In Würzburg versucht Forstbetriebsleiter Lothar Kiennen gerade mit den einschlägigen Vereinen ins Gespräch zu kommen, etwa der Mountainbike-Abteilung des Alpenvereins, wohl wissend, dass diese Klientel höchstwahrscheinlich nicht für die Trails verantwortlich ist. Hubert Feuchter wiederum versucht immer wieder, Mountainbiker bei sich im Wald anzusprechen. Und bekommt meistens bloß einen blöden Spruch zu hören. Dennoch hoffen die Forstleute auf Einsicht und Vernunft der Downhiller. „Es gibt schon Leute, die wissen, dass das verboten ist“, sagt Feuchter. Vielen sei aber offenbar nicht bewusst, wie tief ihr Tun in das Ökosystem Wald eingreift.
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dirtytea (2 Kommentare) am 10.08.2012 11:31
Mein Vorschlag:Begleiten Sie doch mal eine Gruppe Mountainbiker auf einer Tour durch den Wald und machen Sie sich ein persönliches Bild von der Lage. In aller Regel ist es nämlich eher so:- Mountainbiker sind freundliche, offene Menschen - bei Wanderern bedankt man sich, wenn sie Platz machen - Wanderer sind auch freundliche Menschen und grüßen den Mountainbiker zurück! - Mountainbiker sind hilfsbereit und helfen auch gerne Wanderern - Mountainbiker fühlen sich nicht gestört von Wanderern und hegen keine Groll gegen diese, sind daher auch stets rücksichtsvoll. Erleben Sie doch einmal selber, das Erlebnis im Wald zu biken. Überwinden Sie mal Ihren eigenen inneren Schweinehund in einer "extremen" Stelle, dann werden Sie merken, daß das nicht lebensmüde ist. Verausgaben Sie sich mal auf dem Mountainbike und fühlen sich abends glücklich von diesem sportlichen Highlight. Gerne stelle ich Ihnen mein Rad dafür zur Verfügung! Und keine Angst: Sie sind danach nicht vorbestraft
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dirtytea (2 Kommentare) am 10.08.2012 11:16
Also bitte...Mountainbiker sind doch keine Verbrecher!Es gibt KEINE 2,50m Regelung und ab wann ein Weg geeigent ist zum Radfahren ist nicht definiert und muß immer im einzelnen geklärt werden.Zur Haftung gibt es sogar Präzedenzfälle in denen das Landgericht Klagen gegen den Waldeigentümer abgewiesen hat (aber zugegebn - ist ein heikles Thema...) Zum eigentlichen Ärgernis: Da Ihre Worte z.T. gut gewählt sind, gehe ich nicht von schlechter Recherche, sondern von blanker Polemik aus. Da ich von einem guten Journalisten verlangen kann, daß er weiß wie seine Texte verstanden werden, ist dieser Artikel eine Verleumdung an alle Mountainbiker, die den Schweinfurter Wald befahren - denn jeder Nicht-Mountainbiker sieht in Zukunft im Mountainbiker nun einen Verbrecher, der verbotener Weise den Wald für seinen extremen Kick nutzt. Das wird den Konflikt somit automatisch fördern, da sich alle Wanderer nun als die einzig berechtigeten Wegebenutzer fühlen. Mountainbiker sind KEINE VERBRECHER |
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sonicht (111 Kommentare) am 09.08.2012 21:05
Jedem das Seinekann es wohl nicht geben. Wenn eine gemessen an der Gesamtbevölerkerung verschwinden geringe Gruppe von Bergradlern (was sind schon einige Hundert gegen 120.000 die in der Region wohnen und es nicht tun!) meint ihnen gehöre der Wald und auf die Gesetze und Naturschutz pfeifft, kann dies nicht hingenommen werden. Morgen kommen die Quad-Fahrer, dann die Motocrossler und die Jeepler, die auch ihre Trails fordern. Vielleicht kommen dann endlich die Nudisten, Männlein und Weiblein, die den Stadtwald für ihre Zwecke weiträumig von Schaulustigen abgesperrt haben wollen. |
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jahnel (432 Kommentare) am 09.08.2012 14:46
Gesundes nebeneinander ist auf Mainbrücke SW, teilw. auch nicht möglich !?Radfahrer, Inlineskater und Fußgänger etc sind auf Ludwigsbrücke in SW bzw zwischen SW und Mainberg, Schonungen etc viel viel größere Schwierigkeit !?Haben Forstamtsleiter etc wirklich nichts besseres bzw wichtigeres zu tun als alle Radfahrer jetzt evtl über einen Kamm zu Scheren ? oder sieht so die Forst- bzw Waldreform in Bayern im Klartext so aus ? bekommen Bayerns Forst- Angestellte bzw evtl Beamte dafür einen zu großen Zeitrahmen ?! oder soll evtl CSU Landratswahlkampf SW Thema werden ?! |
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JoeMue (5 Kommentare) am 09.08.2012 12:49
Wenn aus Ihrem Artikel eines deutlich werden kann, dann ist es, dass hier ganz deutlich eine...Natürlich ist es höchst unbefriedigend, wenn ein mühevoll angelegter Trail zerstört wird.Höchst gefährlich sind jedoch die nicht kontrollierbaren Raktionen militanter Fußgänger oder Waldarbeiter, die regelrechte Fallen für die Mtb-Fahrer aufstellen. In Hessen hat genau dieses Verhalten bereits ein Todesopfer unter den Mtb-Fahrern gefordert. Lassen Sie uns also in einem gemeinsamen Diskurs nach Möglichkeiten suchen, das definitiv stark vorhandene Verlangen nach geeigneten und legalen Mtb-Strecken in und um Schweinfurt zu befriedigen und damit den Wald zu entlasten. Denn: Wenn es einige legale Strecken gibt, die auch nicht zerstört werden, besteht nicht das Bedürfnis ständig neue Strecken anzulegen! Was ist bspw. mit den Hängen rund um den bald leer stehenden Truppenübungsplatz am Brönnhof ? Durch ein offizielles Angebot an geeigneten Strecken könnte auch Schweinfurt als Stadt enorm profitieren. |
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