aktualisiert: 03.03.2011 17:32 Uhr
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SCHONUNGEN
Vier Generationen, ein Vermächtnis
Schonungerin bewahrt Geschirr aus dem Besitz von Siegfried Rosenbaum auf: Er hat Nachfahren in den USA
Offenbar gibt es rechtmäßige Erben eines Tafelservices aus jüdischem Besitz, das Rosemarie Reusch in der dritten Generation in Schonungen aufbewahrt. Siegfried Rosenbaum hatte es vor seiner Deportation 1942 Reuschs Großvater Karl Hussy zu treuen Händen übergeben (wir berichteten). Wie Elisabeth Böhrer, die die Geschichte der Schonunger Juden erforscht, nun herausgefunden hat, ist damals dem Sohn Rosenbaums die Flucht aus Deutschland gelungen: Seine Nachkommen leben in den USA.
Kurt Goldsmith ist der Enkel von Siegfried Rosenbaum und Sohn von Kurt Rosenbaum. Böhrer hat er die Lebensgeschichte seines Vaters erzählt. In knapper Version, was die Umstände der Flucht Kurt Rosenbaums und den Aufbau einer neuen Existenz noch spannender erscheinen lassen. Kurt Rosenbaum war gerade mal zwölf Jahre alt, als er seine Eltern zurückließ, um den immer heftiger werdenden Drangsalierungen der Nazis zu entgegen. „Er machte sich am 13. März 1939 am Würzburger Hauptbahnhof auf die Reise – mit einem einzigen Anzug als Kleidung.“
Zunächst kam er im belgischen Antwerpen unter. Als Deutschland im Mai 1940 auch dieses Nachbarland überfiel, floh das Kind nach Frankreich. Drei Monate verbrachte es in einem Kinderheim, bevor es per Eisenbahn bis nach Lissabon weiterreiste. Dort begann für Kurt Rosenbaum ein neues Leben: Als Nummer 34 auf der Passagierliste des Schiffs „Mouzinho“ ging es in die Neue Welt.
In New York, so beschreibt es sein Sohn Kurt Goldsmith heute, drückte man dem Buben einen Dollar in die Hand. Zum ersten Mal in seinem jungen Leben fühlte er sich reich: „Er kaufte sich einen Kamm für fünf Cent.“ Doch Rosenbaums Reise war noch lange nicht zu Ende. Nach einem Aufenthalt in einem Kinderheim ging es über mehrere Stationen weiter an die Westküste. Über zwei Jahre nach dem Start seiner Flucht in Würzburg kam er in Portland im US-Bundesstaat Oregon an.
Kurt Rosenbaum fand eine Arbeit als Hausgehilfe bei einem Anwalt namens Arthur Goldsmith, ebenfalls ein jüdischer Auswanderer. Kurt nahm als 17-Jähriger dessen Namen an und nannte sich seitdem Kenneth Rosenbaum Goldsmith. Er machte seinen Oberschulabschluss, kämpfte mit der US-Armee auf der japanischen Insel Okinawa. Danach besuchte er erfolgreich die Universität: Kenneth Goldsmith arbeitete schließlich als Betriebsprüfer für den Staat Oregon und gründete eine Familie. Am 29. Februar 1996 ist er 69-jährig gestorben. Dem jüngsten Sohn seiner vier Kinder hat er den Namen gegeben, den er selbst einmal getragen hat: Kurt.
Von der Geschichte des geretteten Geschirrs hat Kurt Goldsmith erst durch die Recherchen von Elisabeth Böhrer erfahren, die sie nach dem Bericht in dieser Zeitung in Israel und den USA aufgenommen hat. Als Rosemarie Reusch gegenüber dieser Zeitung diese Randnotiz der Schonunger Historie erstmals öffentlich erzählt hat, hatte sie auch geäußert, sie fühle sich nur als Besitzerin und würde das Service den rechtmäßigen Eigentümern zurückgeben. Kurt Goldsmith hat 2005 mit seinem Sohn Jason Schonungen besucht – von der Existenz des Tafelservices seiner Großeltern hat er damals nichts gewusst.
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