aktualisiert: 01.12.2010 11:13 Uhr
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SCHONUNGEN
Vier jüdische Gefallene fehlen
Unvollständige Liste auf Mahnmal – Gemeinde lässt Namen der Toten überprüfen
„Ich war überrascht“, sagt Bürgermeister Kilian Hartmann. Negativ überrascht. Auf den Gedenksteinen für die Opfer von Kriegen und Gewalt im Alten Friedhof fehlen vier Namen von im Ersten Weltkrieg gefallenen Schonungern, alle jüdischen Glaubens. Angesichts der Diskussion um das gescheiterte Mahn-Projekt „Stolpersteine“, für das sich auch das ARD-Magazin „Kontraste“ interessiert, kommt diese Entdeckung für die Gemeinde zur Unzeit. Sie stellt nun weitere Nachforschungen an und will die Liste ergänzen.
Bei den „Vergessenen“ handelt sich um Isidor Steinberger, einem Vorfahren des in Bad Kissingen geborenen Physik-Nobelpreisträgers Jack Steinberger, sowie um Simon Rosenbaum, Simon Jakob Rosenbaum und Siegfried Stern. Einer der vier soll nicht bei Kampfhandlungen, sondern durch eigene Hand ums Leben gekommen sein. Entdeckt hatte den Missstand Elisabeth Böhrer, die in Schonungen die Historie der Steinberger-Familie und des jüdischen Lebens erforscht hat; sie hat ihre Kenntnisse auch der Gemeinde mitgeteilt.
Die Stelen im ehemaligen Leichenhaus des Alten Friedhofs an der Hofheimer Straße stammen aus dem Jahr 2001. Die Daten der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs hatte im Vorfeld der damalige Vorsitzende der Reservistenkameradschaft, Artur Höhl, aufwändig recherchiert. Die der Toten aus dem Vorgängerkrieg habe man von einer über 80 Jahre alten Tafel aus der Alten Kirche übernommen, die heute als Kultur- und Veranstaltungssaal genutzt wird. „Wir mussten davon ausgehen, dass die Namen stimmen“, sagt Hartmann. Auch Höhl sagt heute, dass es keinen Zweifel an der Auflistung gegeben habe: „Wir haben nicht nachgeforscht. Das haben wir nicht für nötig gehalten.“
Aber bereits auf der Kirchentafel fehlen jene vier jüdischen Gefallenen. Eine Erklärung könnte laut Böhrer sein, dass man die Namen nicht in einem christlichen Gotteshaus verewigt hat, weil Juden ihrer Gefallenen üblicherweise in ihrer Synagoge gedachten. „In den vergangenen 80 Jahren hat keiner die Angaben angezweifelt“, sagt Bürgermeister Hartmann.
Keine Spur in Ortschronik
Auch in der Ortschronik von Josef Ryba, die aus den 1960er Jahren stammt, sind in der Liste der dort aufgeführten 34 Gefallenen des Ersten Weltkriegs die vier jüdischen Einwohner der Gemeinde nicht berücksichtigt. Auch er könnte sich alleine auf die Tafel in der Alten Kirche verlassen haben.
Vor drei Wochen hat sich der Gemeinderat darauf verständigt, dass die Namen nachgetragen werden sollen. Sofern der Platz ausreicht. Denn laut Hartmann ist die Verwaltung derzeit dabei, anhand des Archivs die komplette Liste der im Ersten Weltkrieg gestorbenen Soldaten aus Schonungen zu recherchieren. Dabei seien zusätzlich (christliche) Personen aufgetaucht, die bislang nicht erfasst sind: Die Gemeinde geht derzeit von weiteren drei Namen aus. Man müsse eine Lösung finden, sollte der Platz für die Gravuren nicht ausreichen, so Hartmann.
Allerdings scheut das Rathaus offenbar eine öffentliche Debatte: Wie schon beim Stolperstein-Projekt vor einigen Monaten hat der Gemeinderat das Thema hinter verschlossenen Türen behandelt. Hartmann sagte gegenüber dieser Zeitung, dass man gleichzeitig den Auftrag für die Ergänzungen habe vergeben wollen – das geschehe nicht öffentlich. Hätte man die Diskussion und die Auftragsvergabe getrennt, „hätten wir die Besucher vor die Tür schicken müssen“.
Keineswegs wolle man die Öffentlichkeit ausschließen, argumentiert Hartmann: Man habe die Sache bekannt geben wollen, wenn der Auftrag erteilt ist. Also im Nachhinein. Zudem habe der Verwaltungsausschuss darüber beraten: Dieses vorberatende Gremium besteht aus den beiden Fraktionschefs sowie Bürgermeister und Stellvertreter. Auch diese Gruppe tagt nicht öffentlich.
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Die neuesten Kommentare
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christel2 (451 Kommentare) am 19.11.2010 23:03
Isidor Steinbergerist kein Vorfahre von Jack Steinberger, sondern ein naher Verwandter.Diese Mitteilung erfolgt im Auftrag von E. Böhrer |
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