aktualisiert: 20.05.2011 17:10 Uhr
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Vom Richter zum Konfliktberater
Christian Grüning stellte beim Gefangenenhilfsverein „Schritt für Schritt“ sein Modell zur Konfliktlösung vor
Schritt für Schritt zu tun, manchmal auch einen zurück, das hat Christian Grüning in seinem bisherigen Leben gelernt. Aus Unzufriedenheit über die erlebte Herangehensweise bei der Lösung von Konflikten ist er als Rechtsanwalt und Richter mit sich selbst in Konflikt geraten. So hat er beide Anstellungen wieder aufgegeben und sich selbst auf die Suche nach einem eigenen, praxisorientierten Weg gemacht. Jetzt war er eben beim Verein „Schritt für Schritt“ in Ebrach zu Gast, um der stattlichen Runde das so entstandene Modell „Der Lösungsdialog – schwierige Gespräche führen und Konflikte lösen“ nahezubringen.
Die „Schritt für Schritt“-Mitglieder setzen sich ehrenamtlich in verschiedenster Weise dafür ein, um Gefangene in Bayerns größtem Jugendgefängnis, der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Ebrach, schon während der Haft Hilfestellung für die Zeit in Freiheit zu gewähren. Zugleich vermitteln sie den jungen Menschen durch ihr Engagement das Gefühl, dass diese trotz ihres „Absturzes“ in und von der Gesellschaft nicht abgeschrieben sind. Bei dieser Arbeit auf schwierigem Terrain können sie, weil fast ausnahmslos Laien und nicht vom Fach, hilfreiche Tipps gut gebrauchen, etwa um den richtigen Zugang zu den Gefangenen zu finden. Und da hatte der Wirtschaftsmediator, Dozent und Autor Christian Grü-ning, wenngleich erst 34 Jahre alt, den Frauen und Männern, unter die sich auch Anstaltsleiter Gerhard Weigand gemischt hatte, aufgrund seiner eigenen Biografie viel anzubieten.
In seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt für eine der weltweit führenden Wirtschaftsrechtskanzleien in München und als Richter für Zivilsachen am Amtsgericht in Nördlingen habe er den fehlenden Austausch in der Kommunikation als das gemeinsame Merkmal von Konflikten ausmachen können, so Christian Grüning.
Das Problem: Fehlende Informationen würden häufig durch Mutmaßungen, Spekulationen und Anschuldigungen ersetzt. Jeder Partei fehle es am Verständnis für die andere Seite. So rücke eine gemeinsame Problemlösung in weite Ferne.
Um die gängigen Mechanismen zu durchbrechen, hat sich Grüning selbstständig gemacht und nach zahlreichen Aus- und Weiterbildungen bei internationalen Größen wie dem „Vater“ der Gewaltfreien Kommunikation, Marshall Rosenberg, und der Mitarbeit in Konfliktlösungszentren, vor allem in den USA, sein eigenes System der Konfliktlösung entwickelt. Nicht von ungefähr wählte er auch „Die Kreativität in der außergerichtlichen Streitschlichtung“ als Thema für seine Doktorarbeit.
Während der Arbeit mit Unternehmen und Organisationen habe er festgestellt, dass der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Teams zu einem großen Teil in der Fähigkeit der Beteiligten liegt, mit Konflikten umzugehen. Gruppen würden dann besonders produktiv arbeiten, wenn die Mitglieder Probleme umgehend ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen würden. Bearbeitete Konflikte führten zu einer Weiterentwicklung und Verbesserung sowohl der Teamarbeit als auch der Strukturen und Prozesse etwa in einem Unternehmen. Dagegen wären erhöhter Krankenstand, Kündigungen, Dienst nach Vorschrift, entgangene Aufträge, verzögerte und gescheiterte Projekte häufig die Folge unbearbeiteter Konflikte. An dieser Stelle setzt Grünings Modell an, das er im Rahmen seines Unternehmens „Akademie & Verlag Grüning“ anbietet.
Kernpunkte sind ein neuartiges Lösungsmodell und ein neuartiger Lösungsprozess, um die Ursachen und Dynamiken eines Konfliktes umfassend zu verstehen. Denn, so Grüning: „Jedes negative Stressverhalten wird dazu führen, dass es doppelt und dreifach zurückkommt.“ Oder, so eine weitere Erkenntnis: „Selbst wenn jemand vor Gericht gewinnt, wird der Unterlegene versuchen, sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu revanchieren.“
Der von ihm entwickelte Fahrplan für die Praxis ermögliche es, Konflikte offen anzusprechen und zu lösen, unabhängig davon, ob sie sich am Arbeitsplatz oder im Privatleben zutragen. Unabhängig auch davon, ob jemand selbst am Konflikt beteiligt ist oder ob er andere als Vermittler bei der Konfliktlösung unterstützen will. Damit sich der Konflikt nicht, wie sonst aufschaukelt und eskaliert, seien richtiges Zuhören ebenso wie gegenseitiger Respekt und gegenseitige Wertschätzung wichtige Schlüssel zum Erfolg.
Sein Modell, so Christian Grüning, eigne sich dabei generell als Muster für erfolgreiche Kommunikation und das Führen von schwierigen Verhandlungen und Gesprächen. Das Buch, das Grüning zu seinem Lösungsansatz schreibt, soll noch in diesem Jahr erscheinen.
Wer im Verein „Schritt für Schritt“ mitarbeiten möchte, kann sich jederzeit bei der Vorsitzenden Sibylle Röding unter Tel. (0 95 53) 98 10 26 melden. Wer den auf Spenden angewiesenen, eingetragenen Verein finanziell unterstützen will, kann dies hier tun: Kontonummer 406040 bei der VR Bank Ebrach (Bankleitzahl: 770 620 14).
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