aktualisiert: 16.11.2012 12:05 Uhr
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KREIS SCHWEINFURT
Von 21 „mobilen Reserven“ sind nur fünf real einsetzbar
BLLV-Schulleiter in Stadt und Landkreis fordern Entlastung: Es mangelt an Zeit, Geld und Personal – Für Pflichtfortbildungen darf kein Unterricht ausfallen
Als „untragbar“ bezeichnen Schulleiter ihren beruflichen Alltag: „Wir haben es satt, dass unsere Situation schöngeredet wird, die Politik ihre Probleme leugnet und sich in belanglosen Verständnisbeschwörungen erschöpft“, erklärte Andreas Sauer (Grettstadt), Leiter der Fachgruppe Schulleitung im BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) bei einem Treffen von Schulleitern an Grund- und Mittelschulen in Stadt und Landkreis Schweinfurt mit Staatssekretär Gerhard Eck.
„Was wir brauchen, sind spürbare Verbesserungen“, sagte Rektor Frank Maier (Schweinfurt), bevor er in Oberschleichach mit einer Bestandsaufnahme der für dieses Schuljahr nur ungenügenden Stundenzuweisung für Grund- und Mittelschulen begann.
An sämtlichen Grundschulen in Stadt und Landkreis Schweinfurt hätten keine Arbeitsgemeinschaften gebildet werden können, der Grundunterricht nur mit Schwierigkeiten gesichert werden können. Förderkurse seien gestrichen worden.
„Wie können hier Begabungen gefördert werden?“, fragte er. So etwas wie die Stundenzuweisung in diesem Schuljahr dürfe es nicht mehr geben. Die Bemessung der Stundenzahl nach Schülerzahl und nicht nach Klassen sei eine Fehlplanung.
Helmut Schmid (Gerolzhofen) ergänzte, dass mobile Reserven für Vertretungen fehlten. So seien zurzeit von den 21 mobilen Reserven für Grund- und Mittelschulen im Landkreis nur fünf real einsetzbar. An der Mittelschule Gerolzhofen, der größten im Landkreis, gebe es überhaupt keine. Bei Krankheit werde es kleinen Grundschulen schon problematisch, wenn eine Lehrkraft fehlt. Verpflichtende Fortbildungen könnten aber nur besucht werden, wenn der Unterricht gesichert ist. „Es sind einfach zu wenig Lehrer da“, so Schmid.
Dass nur eine gebildete Gesellschaft in Zukunft eine Chance hat, sieht auch Eck. „Hier muss der Staat Geld investieren“, betonte der Staatssekretär. Dass an den Grundschulen in Stadt und Landkreis alle Arbeitsgemeinschaften entfallen, sieht auch er als problematisch. In der derzeitigen Stundenzuteilung tauche eine zu große Differenz auf, stellte er fest.
Kein Verständnis hat Andreas Sauer, dass sich der Staatssekretär im Kultusministerium, Bernd Sibler, im vergangenen April in Werneck vor unterfränkischen Schulleitern deren Sorgen und Nöte angehört und notiert habe, in der Zwischenzeit aber drei von ihren eingereichten Petitionen abgelehnt hat.
Neben den traditionellen Aufgaben der Schulorganisation müssten nun auch Aufgaben wie die Organisation von Ganztagsangeboten, Einführung jahrgangsübergreifender Klassen und Schulverbünde, verpflichtende Kooperationen mit Partnern außerhalb der Schule, die Bildung von Schulprofilen, Ausarbeitung von Schulprogrammen, Begleitung der Inklusion, die Führung regelmäßiger Mitarbeitergespräche und die zusätzlichen dienstlichen Beurteilungen in Folge des neuen Dienstrechts geleistet werden.
Die überbordende Bürokratie durch Dutzende von Statistiken und Erhebungen sowie die Bewältigung der täglichen E-Mail-Flut stellten eine weitere Belastung dar. Eine zeitliche Neubewertung der Schulleitungstätigkeiten sei daher überfällig.
„Mehr Personal, mehr Geld und vor allem mehr Zeit werden benötigt“, so Sauer. Ansonsten könnten die vielen Aktionen und Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Alle Schulen müssten zudem ausreichend mit Schulsekretärinnen ausgestattet werden.
Treffen mit Kultus-Staatssekretär
Eck stellte als Resümee fest, dass die Situation der Schulleiter verändert werden müsse. Vernünftige Arbeit könne nur geleistet werden, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind. Darüber müsse nochmals mit Staatssekretär Sibler geredet werden. Eck sagte zu, demnächst ein Treffen mit Sibler im Kreis der BLLV-Schulleiter zu organisieren.
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Ententrainer (28 Kommentare) am 15.11.2012 18:29
Zwischen Placebo und ProfilierungSolche Veranstaltungen mussten schon immer für die Profilierungsbestrebungen der Beteiligten herhalten. Die einen benötigen Wählerstimmen, die anderen wollen ihren Verbandsmitgliedern zeigen, dass sie nicht untätig sind. Dazwischen und mittendrin bewegen sich link die Schulleiter als Leid(t)tragende, die in Kenntis ihres Abhängigkeitsverhältnisses und trotz der seit Jahrzehnten bekannten Miseren ihren Posten angestrebt haben - wahre Helden.Wer soll auf diese Spielchen noch hereinfallen? Noch nicht einmal die Junglehrer, von denen es verständlicherweise an HS und MS immer weniger gibt. Lehrer, Eltern oder Wähler? Nicht bei diesem Schulsystem, diesem Leitungspersonal, diesen Verbänden, diesem Schulklientel und diesen zur Zeit nuztlosen Scheinaktivitäten. |
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Dryocopus (217 Kommentare) am 15.11.2012 00:56
Der BildungspolitikerDer designierte (?) Bildungspolitiker will sich im Vorfeld der Landtagswahl auf jedem politischen Feld betätigen. Aber sind seine Verständnisfloskeln glaubwürdig? Er ist doch derjenige, der auf den Versammlungen seines Vereins Akademiker pauschal beschimpft, zumindest dann, wenn sie nicht seiner Meinung sind. Wie passt das zusammen - dort Gebildete zu beschimpfen und hier die "gebildete Gesellschaft" als Rettung der Zukunft anzupreisen? |
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