publiziert: 25.06.2012 18:16 Uhr
aktualisiert: 27.06.2012 12:03 Uhr
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Windkraft aus der Vogelperspektive

26 Vogelarten gelten als „kollisionsgefährdet“ – Bei der Planung von Windanlagen muss das berücksichtigt werden.

Die Planungen für den Ausbau der Windkraft in der Region Main Rhön sind derzeit recht hochfliegend. Allerdings sind wohl manche davon auch vom Absturz bedroht. Denn spätestens, wenn sich zum Beispiel die Rotoren und seltene Vogelarten in die Quere kommen könnten, ist die Freiheit der Windkraftplaner über den Hügeln von Schweinfurter Rhön und Steigerwald nicht grenzenlos. Und seltene Vogelarten gibt es in der Region besonders viele.

Vor allem Tiere der Offenlandschaft sind nach Angaben der Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg, die eine zentrale Fundkartei verwaltet, vom „Vogelschlag“ an deutschen Windkraftanlagen betroffen. Im Freistaat sind es in erster Linie Greifvögel und Großeulen, denen Rotorblätter oft gefährlich werden.

Im Bayerischen Winderlass vom Dezember 2011 sind deshalb 26 Vogelarten aufgezählt, deren Horstgewohnheiten, saisonales Flugverhalten und Nahrungssuche über mehrere Monate gutachterlich in Augenschein genommen werden müssen, bevor in Nähe ihrer Reviere Windkraftanlagen genehmigt werden dürfen.

Denn eines ist klar, der Artenschutz hat bei derartigen Vorhaben höchste Priorität. Kenner der Materie glauben, dass bei der Genehmigung von Rotoren sogar in Bezug auf sensible Kriterien – wie die vorgeschriebenen Abstände zur Wohnbebauung, möglicherweise wahrnehmbaren Geräuschen oder die Ausweisung von Abstandsflächen – unter bestimmten Vorzeichen kleinere Abweichungen möglich bleiben. Nicht aber beim Artenschutz.

Sollten auch nur wenige Baumfalken oder Wiesenweihen das künftige Windrad vielleicht bei der Nahrungssuche umkreisen, könnte das für die Planung einer Anlage das endgültige Aus bedeuten. Auch wenn Horst Hanselmann von der Unteren Naturschutzbehörde bislang kein Beispiel kennt, dass im Landkreis Schweinfurt ein Projekt tatsächlich daran gescheitert wäre.

Auf der Liste „kollisionsgefährdeter Vogelarten“, die im Bayerischen Winderlass neben Koloniebrütern aufgelistet sind, finden sich zwölf Vogelarten, von denen es Brutbestände im Landkreis gibt: Wiesenweihe, Rohrweihe, Schwarzmilan, Rotmilan, Baumfalke, Wanderfalke, Wespenbussard und Uhu.

Von Bedeutung ist besonders der Rotmilan, auch wenn er am Main weniger häufig vorkommt als etwa in Rhön-Grabfeld: Laut Dieter Weisenburger von der dortigen Naturschutzbehörde existiert die größte Population dieser weltweit vom Aussterben bedrohten Greifvogelart. Auf 20 bis 30 Brutpaare schätzt Weisenburger den Bestand.

Dementsprechend ist es nicht problemlos, im Landkreis Flächen für Windparks zu finden. Dabei ist es nicht so, erläutert Weisenburger, dass das Vorkommen eines Brutpaares den Bau von Windanlagen ausschließt. Sein Kollege Hanselmann ergänzt: Bei jedem geplanten Windrad muss der Bauherr ein Gutachten in Auftrag geben. Biologen überprüfen dann, wie viele Vögel sich in der Nähe des Standorts aufhalten, indem zum Beispiel Nester gezählt werden. Ziel sei es, „signifikante Beeinträchtigungen“ der Population zu verhindern, wie Hanselmann sagt. Das Ergebnis dieser Einzelfallprüfungen sei offen.

Probleme mit dem Artenschutz bedeuten allerdings nicht automatisch das Aus für Windräder. In einigen Fällen werden Auflagen gemacht: So müssen Anlagen zu bestimmten Zeiten abgeschaltet werden. Auch im Fall von Fledermausvorkommen werden bestimmte Algorithmen definiert, nach denen die Windräder stillstehen müssen. Dabei würden so genannte „Bat-Recorder“ eingesetzt, um die Intensitäten des Fledermausflugs zu kontrollieren.

Wie Hanselmann und der Sprecher des Schweinfurter Landratsamts, Thorsten Wozniak, sagen, seien aus Artenschutzgründen bereits Standorte im Regionalplan ausgeschlossen worden. Flächen im Steigerwaldvorland sind zugunsten des Naturschutzes weggefallen.

Nicht vergessen darf man auch die Zugvögel, die auf ihren Wegen ins Sommer- und Winterquartier regelmäßig den Landkreis überqueren. Das Maintal ist ein wichtiger Zugkorridor. Vor allem am Altmain bei Grafenrheinfeld und im Vogelschutzgebiet Garstadt machen viele Vögel Rast.

Wie geht es weiter, wenn die Windräder stehen? Gezielte Überprüfungen sind laut Hanselmann zwar nicht vorgesehen, aber er schließt auch nicht aus, dass bereits bestehende Anlagen mit Auflagen bedacht werden, sollten verstärkt Kadaver von bedrohten Vogelarten im Umfeld auftauchen. Aber er räumt ein: „Da fehlt uns noch die große Erfahrung.“ Denn das Gros der im Landkreis Schweinfurt geplanten Windräder ist noch im Planungsstadium.

Von Isolde Krapf, Thomas Pfeuffer und Josef Schäfer
    
    

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Die neuesten Kommentare

percy (176 Kommentare) am 25.06.2012 19:25

Fuchs

du hast die Gans gestohlen! in diesem Falle kontrollieren Füchse die Windräder und freuen sich über die Vogelkadaver die wir nicht mehr finden. Dies wurde von mehreren Jägern im
Norddeutschen Raum und bei großen Windparkanlagen im Osten Deutschlands beobachtet! Daher auch immer die Feststellung der Windradbefürworter man fände keine oder vereinzelt tote Vögel!
(1)
ropel (456 Kommentare) am 25.06.2012 21:33

hallo percy

sicherlich wird es zu verletzten oder toten vögeln kommen.
im ersten quartal 2012 hatten wird 23% EEG-strom im netz. vor jahren haben die vier großen evus prophezeit: "auch langfristig werden nicht mehr als vier % ökostrom möglich sein. angela M. war damals umweltministerin unter helmut kohl und hat diesen schmarrn kurze zeit später wiederholt.

D hat die krisen der letzten jahren viel besser gemeistert als viele andere länder, die konjunktur boomt, es werden viele fachkräfte gesucht.

es geht uns so richtig gut. vielleicht liegt es auch am EEG !!
(2)
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