publiziert: 03.02.2012 13:48 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 13:52 Uhr
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Wird Kirche St. Anton abgerissen?

Eine Option in interner Diskussion – Heizung Energiefresser, nicht behindertengerecht
  • Anbau: Der Turm kam 1956 zur Kirche dazu.
  • Kirche St. Anton: Sie wurde 1952 gebaut, müsste dringend energetisch saniert werden. Das kostet aber mehr als ein Neubau. Deshalb wird derzeit auch über einen Abriss nachgedacht.
    Fotos: Günter Hübner, Waltraud Fuchs-Mauder, Hannes Helferich
  • Nicht behindertengerecht: Wer in den Gottesraum muss Treppen überwinden.
  • Der Innenraum: Schön, aber auch groß. Mit der alten Heizung kaum zu heizen.
  • Kirche St. Anton: Sie wurde 1952 gebaut, müsste dringend energetisch saniert werden. Das kostet aber mehr als ein Neubau. Deshalb wird derzeit auch über einen Abriss nachgedacht
    Fotos: Maximilian Stuhl, Laszlo Ruppert, Hannes Helferich
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Wer vom Hochfeld, Steinberg oder der Peterstirn auf Schweinfurt blickt: Die 1952 von Bischof Julius Döpfner eingeweihte Kirche St. Anton mit dem 1956 gebauten Glockenturm ist eines der herausragenden Bauwerke, fällt deshalb jedem Betrachter sofort ins Auge. Das könnte sich bald ändern: Aus vielerlei Gründen wird nämlich über einen Abriss von St. Anton nachgedacht. Das ist freilich nur eine Option. Es gibt auch Alternativen.

Pfarrer Stefan Redelberger kam 2005 nach Schweinfurt, übernahm zunächst Maria Hilf in der Gartenstadt. Die Pfarreiengemeinschaft, offiziell vollzogen 2009, war damals schon im Gespräch. Redelberger, heute Hauptverantwortlicher für Maria Hilf und St. Anton, schaute sich deshalb gleich zum Schweinfurt-Start beide Gotteshäuser genau an. „Hier kommt was auf Dich zu“, habe er zu sich gesagt.

In Maria Hilf ist mittlerweile viel geschehen: Eine energetische Sanierung der Pfarrei-Gebäude unter dem Motto „Energie sparen – Schöpfung bewahren" ist kürzlich beendet worden, die Investition liegt bei 765 000 Euro (wir berichteten). Zur „Energiewende“ habe man sich aus ökonomischen und ökologischen Gründen entschieden. „Wir haben mehr Geld verheizt, als wir an Spenden und Klingelbeutelgeld eingenommen haben“, sagt Redelberger. Und: „Umweltschutz heißt auch Bewahrung der Schöpfung“.

Energie ist auch bei St. Anton das Hauptproblem. Redelberger nennt die installierte Heizung „einen Energiefresser“. Es gibt aber weitere Baustellen. Ein Sorgenkind ist der Rückgang der regelmäßigen Gottesdienstbesucher. Nur an hohen Feiertagen ist St. Anton, das für 4200 Katholiken „zuständig“ ist, noch gut gefüllt. Und das, obwohl es in der Nachbarschaft zwei Altenheime gibt.

Damit ist das nächste Problem genannt: Mit einem Rollstuhl oder Rollator kann man den Kirchenraum ohne Helfer nicht erreichen. Vom großen Platz oben müssen elf, von unten via Deutschhöfer Straße sogar 33 Treppenstufen erstmal überwunden werden.

Der unansehnliche Innenanstrich oder der Taufstein, der in einer Nische im Chorraum steht und deshalb mehr oder weniger nicht benutzt werden kann, sind kleinere und leichter lösbare Probleme. Gleichwohl: Taufen sind wichtig, weil sie junge Eltern in die Kirche bringen. Denn: Auch die Altersstruktur macht Kummer. „Wer jetzt im Gottesdienst sitzt, ist in zehn Jahren im Himmel“, sagt Redelberger ganz offen und meint damit, dass eine auch räumliche Neuordnung neue Angebote möglich macht, die wiederum mehr jüngere Menschen sich mit der Kirche identifizieren lässt.

Eine Projektgruppe wurde ins Leben. Akteure von Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung und interessierten Laien gehören ihr an. Man sprach mit dem Behindertenbeiratsvorsitzenden German Saam, der Bau- und Kunstreferent der Diözese, Dr. Jürgen Lenssen war mehrfach Gast.

Die kreative Projektgruppe formulierte pastorale Anliegen ebenso wie sie sich tiefe Gedanken über bauliche Veränderungen machte. „Zugelassen“ war bei diesem Brainstorming auch Unkonventionelles. Eine der Ideen ist der Abriss und Bau einer neuen, kleineren, besser heizbaren Kirche.

Man stellt die Frage, ob neun katholische Kirchen in Schweinfurt in Zukunft nötig sind. Eine Grundsanierung samt Renovierung von St. Anton würde laut einer Grobberechnung drei Millionen Euro kosten, ein Abriss mit kleinerem Neubau wäre billiger, wäre für zwei Millionen Euro denkbar. Andererseits: Die Kirche St. Anton wirkt gerade wegen ihrer Größe und Proportionen, diese Wirkung ginge verloren. Das gilt auch für heute gute Akustik.

Ein weiterer Vorschlag ist die radikale Verkleinerung des Kirchenraums. Die Kirche bliebe im Kern erhalten, man würde den Innenraum nur neu ordnen, Bänke etwa im hinteren Hauptschiff entfernen, die Gläubigen könnten U-förmig um die Altarinsel sitzen, es entstünde ein neues Gemeinschaftsgefühl. In der Unterkirche, ein weiterer Gedanke, könnten Stelen zum Beisetzen von Urnen aufgestellt werden, ein Kolumbarium wäre geschaffen. In der Allerheiligenkirche in Erfurt gibt es das schon, eine Delegation hat sich das angeschaut.

Weitere Variante: kein Abriss, Bestand sanieren und eine Art kirchliches Zentrum schaffen mit Tagespflege (eventuell durch die Caritas) und Wohnungen (für Studenten und Senioren) via Brunowerk, dem ein Gebäudeteil gehört. Redelberger scheint dieser Variante viel abzugewinnen.

Auch Lenssen, sagt Redelberger habe alle diese Fragen gestellt, weil sowohl die Pfarrei wie das Bistum finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Eine größere finanzielle Unterstützung für St. Anton durch das Bistum sei erst in drei, vier Jahren denkbar. Domkapitular Lenssen habe deshalb vorgeschlagen, bei allen Überlegungen auch das Thema Abriss/Neubau oder/und Kolumbarium als Möglichkeit im Auge zu behalten.

Was sagen die St. Anton-Katholiken? Die Projektgruppe informierte via Pfarrbrief, machte eine Umfrage. Der Rücklauf war leider gering. Die Tendenz ging aber Richtung Erhalt mit Rückbau, sagte Hubert Goldstein aus dem Projektteam. Nur einige wenige wollten einen Abriss, einen Aufschrei dagegen gab es aber nicht.

Wie geht es weiter? Am 20. April findet eine so genannte „Open Space“-Veranstaltung statt. Jeder kann bei dieser öffentlichen Runde seine Meinung sagen. Möglicherweise ist dieser Abend weichenstellend.

St. Anton in Zahlen

1945: Errichtung einer Notkirche in der Deutschhöfer Straße und erster Pfarrer Antonin Grimm.

1947: Pater Ewald Neidig übernimmt die Pfarrei St. Anton.

1950: Abtrennung und Gründung der Pfarrei Maria Hilf.

1952: Einweihung von St. Anton durch Bischof Julius Döpfner.

1956: Bau des Kirchturms, Glockenweihe, Geläut aus fünf Glocken.

1962: Abbruch der Notbaracken und Notkirche in der Deutschhöfer Straße, Neubau des Pfarrheims mit Kita

1963: Beschluss über Gründung einer neuen Pfarrei: St. Peter und Paul.

1970: Nach dem frühen Tod von Pater Ewald Neidig (61) wird Pater Guido Ehemann neuer Pfarrer.

1979: Erweiterungsbau des Kindergartens.

1988: Außenrenovierung der Pfarrkirche und des Turms. 1992: Einweihung des Kindergartens St. Elisabeth Eselshöhe.

1993: Ausbau des griechisch-orthodoxen Kirchenraums.

1996: Pater Ehemann geht in den Vorruhestand. Auflösung des Klosters St. Anton durch Franziskaner-Orden. Gerhard Reitz wird neuer Pfarrer.

2009: Gründung der Pfarreiengemeinschaft St. Anton-Maria Hilf mit Pfarrer Stefan Redelberger.

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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»Alle 7 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Groschi (414 Kommentare) am 25.02.2012 19:18

Energiewende?

dann wäre schon mal ein Sockel für ein Windrad vorhanden^^
(0)
snswstefan (13 Kommentare) am 06.02.2012 12:04

Ein Umdenken der Kirche ist gefragt!

Grundsätzlich fände ich es schade, wenn ein solches Gebäude umgebaut (verkleinert) oder sogar abgerissen wird. Verständlich ist es natürlich, dass die Kosten bzw. der Aufwand im Verhältnis zu den Besucherzahlen liegen müssen.

Gefragt sind also die Kirchenverantwortlichen. Wenn die Kirchen nur an zwei Tagen im Jahr gefüllt sind, scheint da etwas falsch zu laufen.

Pfarrer die Ihre Kirchen durch zeitgemäße Gottesdienste regelmäßig füllen, denen wird das Leben schwer gemacht. Den letzten Gottesdienst, den ich in St. Anton genießen durfte, wurde von Kindern gestaltet. Eine schöne Veranstaltung der Kinder des Kindergartens.

Allerdings wurde hier nicht nur den Eltern, sondern auch dem Kindergartenfotograf mitten im Gottestdienste ein Verbot zum Fotografieren erteilt. Und das auch noch in einem äußerst unfreundlichen Ton des Pfarrers. Man muss auch anmerken, dass dort niemand störend durch die Gegend gelaufen ist.

Wenn die Kirche so weiter macht, könnten bald weitere Gotteshäuser geschlossen werden.
Ein Umdenken der Kirche ist gefragt!
(1)
rick.sander (274 Kommentare) am 04.02.2012 11:47

Wenn ich an Schweinfurt denke

fällt mir sofort auf, daß eine Kirche immer voll ist, wenn ein bestimmter Geistlicher Messe und Predigt hält.
Die anderen Kirchen, sind abgesehen von Hochfesten, meist leer, wie alle anderen auch.

Da drängen sich doch Schlüße auf, oder?
(0)
frika (18 Kommentare) am 03.02.2012 13:57

unbedingt erhalten

sicherlich ist dies keine leichte Aufgabe, gerade der finanzielle Aspekt wiegt doch sehr. Es wäre jedoch sehr schade, wenn diese Stadtbildprägende Kirche verschwinden würde. Das Engagement der Bürger und Pfarreimitglieder ist jetzt gefragt. Ich war in dieser Pfarrei lange Ministrant und würde mich gerne aktiv einbringen.
(1)
didada (5 Kommentare) am 25.02.2012 17:37

unbedingt erhalten

Wenn Sie sich aktiv einbringen wollen, so haben Sie die Möglichkeit dies zu tun. Am 20. April findet von 18.00-22.00 Uhr im Pfarrsaal St. Anton ein "Open Space" statt zu dem Sie kommen könnten.
(1)
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