aktualisiert: 04.10.2009 18:42 Uhr
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SCHWEINFURT
Wohlfühlen in der Beauty-Kirche
Trotz ungewöhnlicher Angebote: Nacht der Kirchen ein großartiger Erfolg
„Grüß Gott und herzlich willkommen. Auf der Empore können Sie sich fotografieren lassen, auf der rechten Seite bekommen Sie eine Wohlfühlmassage.“ So wurden die Besucher beim „Galaabend in der Beauty-Kirche“ in der Kilianskirche begrüßt.
Alles drehte sich um die Schönheit. Das Kirchenschiff war in ein Kaleidoskop von Farben getaucht, Musik erklang, Weihrauch duftete, allen Sinnen wurde Schönes aufgeboten. An die Schönheit Gottes wollten sich die Verantwortlichen herantasten und die spiegle sich in seiner Schöpfung wider. Wen wunderte da noch der Laufsteg im Mittelgang, auf dem Menschen prächtige Kleider präsentierten und zu Salsaklängen tanzten.
Die Stadtdekanate feierten ihre erste ökumenische Nacht der offenen Kirchen und hatten gleich einen fulminanten Erfolg. „Aufgemacht, aufgewacht“ lautete das Motto. Zahlreiche Gäste machten sich auf. Sie tourten von Raum zu Raum, meist das Veranstaltungsheftchen in den Händen. Alles war freilich nicht zu schaffen. Zwölf Kirchen, Kapellen und kirchliche Räume boten in dieser Nacht einen bunten Mix aus Kunst und Kultur, Religiosität und Spiritualität, Reden und Schweigen, Tanzen und Singen.
Im Seniorenstift Augustinum hat man wenig Verständnis für einen Laufsteg in der Kirche. „Nein, das gehört sich nicht“, meinte eine Bewohnerin und schüttelte zweifelnd den Kopf. Aber mit ihrer Genuss-Kirche waren die Senioren zufrieden. Von Tisch zu Tisch konnte man sich durchs Kirchenjahr essen. So machte Norbert Pache Kirche für Alt und Jung schmackhaft.
Nebenan in der Gustav-Adolf-Kirche war, wie in zahlreichen anderen Räumen auch, kein Platz mehr frei. Ein Gospelchor lud zum Mitsingen ein. Die Jüngsten krabbelten im Maria-Theresia-Heim durch buntgeschmückte Reifen nach oben in den kleinen Saal. Dort gab es das Fami-lienprogramm, eine Stunde unter katholischer, eine unter evangelischer Leitung, streng im ökumenischen Wechsel, wie Familienseelsorgerin Johanna Niklaus erklärte.
Zum Klang-Raum der besonderen Art wurde die Heilig-Geist-Kirche: Von der Chormusik über den Tango bis hin zum Percussion-Erlebnis reichte die musikalische Bandbreite. Während Hans Driesel im Kolpinghaus die Gottesbilder in der Literatur vorstellte, griffen die Verantwortlichen von St. Johannis in die Schatztruhe der Geschichte. In Theaterszenen erlebten historische Persönlichkeiten ein Comeback.
Welt-, Bibel-, Kino- und Gebets-kirche ergänzten das Angebot und dazwischen gab es immer wieder „Rast-Stätten“, nicht nur im Gesprächsladen oder bei den Meditationen in der Schöpfungs-Kirche, sondern auch an den „Genussecken“ vor einigen Kirchen.
Der Besucher auf der Gästeseite des Internet-Auftritts der Nacht der Kirchen, der diese Veranstaltung schon im Vorfeld als „entweihenden Zirkus“ bezeichnet hatte, schien während der Veranstaltung allein zu bleiben mit seiner Meinung. Wer sich auf die Veranstaltungen einließ, war begeistert. Auch wenn es durchaus Unterschiede gab. „Die Beauty-Kirche ist eher was für die Jugend, das liegt mit nicht so, aber ich bin tolerant“, sagte eine Besucherin. „Super, dass ich in der Kirche auch schön sein darf“, prangte als Rückmeldung an der Pinnwand. Gerade über die vielen jungen Besucher freute sich Dekan Oliver Bruckmann. Sein Resümee: „Das machen wir bestimmt wieder.“
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