publiziert: 27.04.2012 17:45 Uhr
aktualisiert: 27.04.2012 18:12 Uhr
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Zeug gibt‘s

Wer als Wein- und Weiberhasser / jedermann im Wege steht, / der esse Brot und trinke Wasser, / bis er daran zugrunde geht. Wilhelm Busch. Was hat da dieser große Dichter – wohl nach dem einen oder anderen Gläschen Wein, in dem die reine Wahrheit liegt – für einen elementaren, ja naturgesetzlichen Widerspruch entdeckt: (fröhliche) Wein- und Weiberfreunde (heute: Frauenversteher) auf der einen Seite – (verbiesterte) Brotesser und Wassertrinker auf der anderen. Ein unversöhnliches Gegensatzpaar. Johann Wolfgang von Goethe argumentierte, etwas kürzer gefasst, in dieselbe Richtung: Ohne Wein und ohne Weiber / hol' der Teufel uns're Leiber! Wasser ist dem bekanntesten deutschen Dichterfürsten scheinbar so zuwider, dass er es nicht einmal erwähnend in den Mund nimmt.

Ewige Wahrheiten aus berufensten Mündern – in Schweinfurt, dieser von der Wahrheit des Weines gänzlich unbenetzten Stadt, werden sie ignoriert oder, was wahrscheinlicher ist, gar nicht gekannt. Wie sonst könnte es sein, dass die jüngst inthronisierte Schweinfurter Weinprinzessin Christina mit dem Burschenschaftler (also dem Kulturgut Wein bestens vertraut sein müssenden) und Oberbürgermeister Sebastian Remelé (der Kürze wg. Sebelé) einen Tag der offenen Tür eröffnet – im Wasserwerk! Man sieht es förmlich vor sich: wie die beiden stocknüchtern, grimassenhaft lächelnd, den Besuchern mit einem Gläschen Schweinfurter Leitungswasser zuprosten. O tempora, o mores! Was für ein Verfall der Sitten.

 

Ist das denn die Möglichkeit? Ja, das ist sie! Eine bittere Wahrheit, aber das haben sie nun davon, die Erfinder der Schweinfurter Weinprinzessin. Wo fast kein Wein wächst, da gibt's auch fast keine Wein-Termine. Also muss die Weinrepräsentantin, damit sie was zu tun hat, nehmen, was kommt, um in der Stadt herumzukommen und irgend etwas zu repräsentieren: jüngst die Eröffnung kulinarischer Bierwochen mit einem Radler in der Pilstulpe; jetzt die Repräsentanz eines offenen Wasserwerkes. Bei Bacchus, ist dies das Ende des Grauens, oder kommt noch Schlimmeres? Der Herr Sebelé hat das Fräulein Weinprinzessin bei ihrer Wahl im Kinosaal ja für alle möglichen Aufgaben in die Pflicht genommen.

Nicht auszudenken, was ist, wenn mal die neueste biomechanische Reinigungsstufe der Kläranlage feierlich in Betrieb genommen wird. Wird diese von der Weinprinzessin mit einem Gläschen naturtrübem Apfelsaft eröffnet? Viele passende Auftritte werden wir von der Schweinfurter Weinprinzessin nicht erwarten dürfen. Wenn sie seit ihrer Wahl keinen einzigen Wein-Termin hatte, aber zu Bier- und Wasser-Anlässen herangezogen wird und eben erst beim Ankündigungstermin für die Einkaufsnacht „Schweinfurt@Night“ aufs Foto geschoben werden sollte – wo, bitteschön, soll das noch enden?

Ein richtiges Weinfest wird sich doch hoffentlich noch veranstalten lassen, an dem Ihrer Hoheit endlich einmal ein zum Amte passender Auftritt ermöglicht wird. Falls das schwierig wird, könnte man sie auch einfach umbenennen – in „Stadtprinzessin der GenussReichStadt Schweinfurt“.

    
    

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