aktualisiert: 31.01.2010 17:51 Uhr
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SCHWEINFURT
afz-Angebotspalette soll auf den Prüfstand
OB-Kandidaten stellten sich den Fragen des Handwerks – Nur knapp 100 Zuhörer bei erneut friedlicher Debatte
Gravierende programmatische Unterschiede waren auch bei der zweiten Podiumsdiskussion unter den OB-Kandidaten nicht auszumachen. Obwohl die Veranstaltung dieses Mal öffentlich war, blieben in der Handwerkskammer Stühle unbesetzt. Kreishandwerksmeister Udo Wachter begrüßte unter den knapp 100 Zuhörern aber nicht nur „partikular Interessierte“, wie Moderator Holger Laschka anmerkte. Laschka korrigierte mit Witz auch einen Fehler Wachters, der die prosw-Kandidatin als Michal-Zeißner begrüßt hatte.
Das Stadt-Land-Verhältnis samt ÖPNV wollen alle verbessern, einer Energieagentur stehen sie positiv gegenüber. Weitgehend einig waren sich die Sechs auch beim Kernthema der Zwei-Stunden-Runde, dem Arbeitsförderungszentrum (afz). Die Einrichtung, die nicht mehr nur schwächere Jugendliche für den Arbeitsmarkt fit machen will, sondern durch Angebote wie Catering mittlerweile in Konkurrenz zum Handwerk steht, muss sich auf Änderungen einstellen.
Alle nannten den Grundgedanken, die Brückenfunktion für Jugendliche zum Arbeitsmarkt, in Ordnung. Dass das afz aber heute dem Handwerk „Aufträge nimmt, gefällt mir nicht“, so Stefan Labus (SWL).
Frank Firsching (Linke) bedauerte, dass das Projekt durch die „irrwitzige Idee, mit organisierter Leiharbeit großes Geld zu verdienen“, nach guten Jahren „aus dem Ruder gelaufen ist“. Wegen der Millionen-Schulden habe man mit der Neuausrichtung Geld verdienen wollen. Die GmbH müsse aber „zurückgegliedert werden“. In diesem Sinne auch Christiane Michal-Zaiser: „Das afz muss zum Kernbereich zurück“, zumal das Handwerk mit 7500 Stellen in der „handwerkerfreundlichen Stadt“ zweitgrößter Arbeitgeber sei. Für Kathi Petersen (SPD) muss Kernaufgabe sein, mehr schwache Jugendliche in Ausbildungsbetriebe zu bringen.
Sebastian Remelé (CSU) wünschte sich größeres präventives Engagement, wie es mit den Pro-Praxis-Klassen in Hauptschulen schon geschehe. Eine afz-Fahrschule, wenn mittlerweile auch geschlossen, sei der falsche Ansatz gewesen. Alle Maßnahmen überflüssig zu machen, sei aber nicht richtig, zumal es auch Ältere mit dem Problem gebe, in den Arbeitsmarkt zu finden. Marc-Dominic Boberg (Grüne) sagte, die Preise des afz „dürfen keine Kampfansage ans Handwerk sein“, mit dem es sich auszutauschen gelte.
Die Stadt als Auftraggeber fürs lokale Handwerk: Auch das wünschten sich alle, im Wissen um die einengenden Vergabevorschriften wie EU-weites Ausschreiben oder die Verpflichtung zum billigsten Anbieter. Labus nannte als eine Lösung die Stückelung von Großaufträgen. Petersen ist gegen den „schnellen Euro“, weil man beim billigsten Anbieter am Ende auch mal draufzahle. Boberg erinnerte an den „desolaten Zustand“ der öffentlichen Gebäude in Schweinfurt. Sie seien dringend zu sanieren, möglichst durchs Handwerk, zumal „nicht alles europaweit ausgeschrieben werden muss“. Remelé bedauerte das „leider rechtlich enge Korsett“ bei den Vergaben. Beispielsweise die Stadttochter SWG versuche aber, das heimische Handwerk zu berücksichtigen. Firsching erinnerte, dass die Kommunen zwei Drittel der öffentlichen Aufträge vergäben, sie könnten das aber nicht, wenn sie wie derzeit „nicht vernünftig mit Geld ausgestattet“ würden.
Stadtrat Kurt Vogel erinnerte an das Debakel beim Bau des Humboldt-Gymnasiums durch den billigsten Anbieter aus Italien. Beim Bau der FH dürfe das nicht passieren, Stückelung sei eine Chance fürs lokale Handwerk. Ein Zuhörer sorgte allerdings für sofortige Ernüchterung, als er auf die bereits veröffentlichte Ausschreibung hinwies: Gesucht wird ein Generalunternehmer, der die Hörsäle schlüsselfertig baut.
Am Ende erfuhren die Zuhörer die Berufe, die die Kandidaten im Handwerk ergriffen hätten: Remelé Konditor, Michal-Zaiser Schreinerin, Boberg Dachdecker, Petersen Frisörin, Labus Metzger. Firsching ließ das wegen zweier linker Hände offen.
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